Auszeichnung : Einsatz für die Schwalben: Nabu ehrt Neukirchener

Sie mögen Schwalben: (v.  l.) Irmtraud Clausen, Willi Biesalski, Veronika Golomb-Petersen sowie Anke und Bernd Hansen.
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Sie mögen Schwalben: (v. l.) Irmtraud Clausen, Willi Biesalski, Veronika Golomb-Petersen sowie Anke und Bernd Hansen.

Die Schmiede von Willi Biesalski ist ein Glücksfall für Schwalben – dafür wurde er jetzt vom Naturschutzbund gewürdigt.

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23. August 2017, 10:12 Uhr

Neukirchen | Alles Gute kommt von oben, jeder ist seines Glückes Schmied, Schwalben bringen Segen: Bei Willi Biesalksi treffen gleich diverse gute Omen zu. Denn rund um seinen Schmiedehof in Neukirchen sind Schwalben mehr als willkommen. „Begonnen hat alles vor ein paar Jahren mit zwei Nestern. Inzwischen sind es 14“, erzählt Willi Biesalski, der nicht nur Gemeindearbeiter in Neukirchen, sondern auch im Nebenerwerb Schmied ist.

„Es hat sich anscheinend herumgesprochen, dass hier gute Bedingungen für Schwalben herrschen“, sagt Bernd Hansen lachend, der gemeinsam mit seiner Frau Anke und Irmtraut Clausen vom Vorstand des Naturschutzbundes (Nabu) Niebüll/Leck in Südfrersbüll zu Besuch gekommen ist. Mitgebracht haben die Naturschützer eine Urkunde und eine Plakette, die Willi Biesalskis Heim zukünftig als das kenntlich machen soll, was es ohne Zweifel ist: ein schwalbenfreundliches Haus. Durch diese Nabu-Aktion werden bundesweit Menschen ausgezeichnet, die den als gefährdet eingestuften schwarz-weißen Zugvögeln Raum zum Brüten gewähren.

Das trifft auf Willi Biesalski zweifellos zu: Besonders die Schmiede des Neukircheners ist offenbar eine äußerst beliebte Adresse für Rauchschwalben. Dort haben die Zugvögel mit dem charakteristischen tief gegabeltem Schwanz an allen möglichen und auch eher unmöglichen Stellen Nester gebaut: Selbst an den Rotorblättern eines geschmiedeten Windrads oder am Pin-up-Kalender, der in jede gute Werkstatt gehört, haben die Schwalben Nistmaterial befestigt. „Den Kalender kann ich jetzt weder umblättern noch abnehmen“, sagt Willi Biesalski und schmunzelt. Seine gefiederten Mitbewohner sieht er als Bereicherung: „Wir haben unseren Spaß daran, wenn sie hier durch die Schmiede sausen oder abends bis zu mehr als zehn Schwalben nebeneinander auf einem Kabel unter der Decke sitzen.“

Und der Handwerker ist nicht nur ein Mann schwalbenfreundlicher Worte, sondern lässt auch Taten sprechen: Nachdem sich die ersten Vögel in seiner Werkstatt nestlich niedergelassen hatten, dauerte es nicht lange, bis der Schmied zur Säge griff. Bald klaffte ein Loch im großen Tor, durch das die Schwalben zu jeder Tages- und Nachtzeit heraus und herein fliegen können. „Das Tor zur Schmiede wird ja abends zugemacht – und die Schwalben haben sich lauthals darüber beschwert, wenn sie ausgesperrt waren, auch frühmorgens. Das Loch hat Willi gemacht, damit er länger schlafen kann“, berichtet seine Nachbarin Veronika Golomb-Petersen lachend. Die fröhliche Nachbarin, die nebenan den Barfußpark betreibt, war es auch, die den Nabu Leck/Niebüll auf Willi Biesalski aufmerksam gemacht hatte. Zum Glück, wie Vorstandmitglied Irmtraut Clausen, findet, die sich schlicht begeistert über so viel Schwalbenfreundlichkeit zeigte. „Hier sind Schwalben wirklich willkommen, darüber freuen wir uns sehr. Das wollen wir mit unserer Plakette würdigen. Zudem sollen auch Menschen, die Nester wegmachen, ein schlechtes Gewissen bekommen“, sagt die Naturschützerin.

Denn: Nicht überall sind die gefiederten Glücksboten willkommen, schließlich hinterlassen sie Dreck. „Ich lasse alle Nester hängen, auch wenn es manchmal Schweinkram ist“, sagt Willi Biesalski. Klar – mehr als zehn Nester in der Schmiede bedeuten auch viel Vogelkot. Zumal einige Schwalbenpärchen in diesem Jahr gleich zwei Mal gebrütet hätten, berichtet der Neukirchener. „Ein Nest hängt genau über dem Zuschneidetisch – da bekommt man dann den Schiet auch mal direkt ab.“ Jedoch – dem Aberglauben nach soll ja auch ein Vogelschiss auf Kopf oder Schulter Glück bringen. Und bald ist Willi Biesalskis Schmiede zumindest für ein halbes Jahr vogelfrei – ab Ende September machen sich die Rauchschwalben auf in ihr Winterquartier in wärmeren Gefilden.

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