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„Einmal Landwirtschaft – immer Landwirtschaft“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Marianne Petersen, geborene Petersen, wurde 1924 in Westre geboren. 1950 heiratete sie Thomas Petersen und zog zu ihm nach Kahlebüll. Gemeinsam bekamen sie zwei Kinder: Tochter Metta (1951) und Sohn Heinrich (1954). Dieser führt heute den landwirtschaftlichen Milchviehbetrieb zusammen mit seinem Sohn Jan Thomas weiter. Die rüstige 90-Jährige bewohnt das Altenteil des Kahlebüller Hofes.

Frau Petersen, seit 90 Jahren leben Sie nun mit und von der Landwirtschaft. An welche Aufgaben können Sie sich besonders gut erinnern?
Marianne Petersen: Das war schwere Arbeit früher. Besonders gut erinnere ich mich an die Heuernte in Westre. Tagelang waren wir mit Heuharken auf dem Feld zu Gange und haben das Heu gewendet, damit es besser trocknet. Das war eine schweißtreibende Arbeit. Alle mussten mitanpacken, ob Groß oder Klein.

Wenn Sie zurückblicken, was war die erste technische Revolution, die Sie in der Landwirtschaft erlebt haben?
Wir hatten den ersten Trecker in der Umgebung bekommen. Es war ein Deutz, Baujahr 1956. Der Traktor hat uns damals enorm viel Arbeit und Kraft abgenommen. Das tut er heute noch: Die Männer schieben damit das Futter für die Tiere ran.

Welche Landwirtschaft finden Sie besser? Die vor 60 Jahren oder die heutige?
Jede Zeit hat etwas Gutes. Wir haben früher oftmals körperlich bis zur Erschöpfung gearbeitet, aber das war okay. Wir haben es gern gemacht. Heute haben die jungen Betriebsleiter einen enormen Vorteil mit ihren großen Geräten. Sie arbeiten zum Beispiel viel bodenschonender und präziser als wir es früher je konnten. Auch den Tieren geht es heute viel besser. Kalb und Kuh wurden früher im Stall angebunden. Ich bin froh, dass das nicht mehr so ist. Heute haben sie sogar eine Bürste im Stall, die sie massiert, wenn sich das Tier anlehnt. Unvorstellbar zu damaligen Zeiten.

Also wären Sie lieber heute Bäuerin, wenn Sie die Wahl hätten?
Nein. Wenn ich sehe, was die Landwirtschaft für einen bürokratischen Aufwand mit sich bringt, möchte ich nicht tauschen. Alles wird dokumentiert und erfasst. Normalerweise braucht jeder Hof eine eigene Bürokraft. Bei uns erledigt diese wichtige Arbeit meine Schwiegertochter Karin. Jeder ist eingebunden auf so einem Familienbetrieb. Ein Arbeitstag in der Landwirtschaft ist heute auch viel länger als früher. Ich merke das besonders an der Mittagsstunde. Die fällt auf dem Hof aufgrund der anfallenden Arbeit oft aus.


Was vermissen Sie am meisten von früher?
Ganz klar, die Wertschätzung der Lebensmittel. Wir schmeißen viel zu viel weg. Die Kriegszeit hat uns gelehrt, wie man mit knappen Ressourcen haushalten kann. Wir haben uns selbstversorgt und wussten, welche Arbeit hinter den Produkten steckte. Ich denke da an viele Handarbeiten, wie Getreide dreschen, Butter schlagen oder ein Vieh schlachten. Alles wurde verwertet. Das fehlt mir heute. Von der Entlohnung mal ganz abgesehen. Ich erinnere mich, dass wir 1964 fünfzig Pfennig für einen Liter Milch bekamen. Der aktuelle Milchpreis liegt bei 26 Cent. Trotz der enormen Entwicklung, die wir die vergangenen Jahrzehnte hatten, ist der Preis gleichgeblieben. Ich finde das erschreckend und zugleich etwas beängstigend.

Sie kennen die aktuellen Milchpreise? Interessieren Sie sich für aktuelle Themen?
Wissen Sie, einmal Landwirtschaft – immer Landwirtschaft. Es ist mehr als ein Beruf. Erst heute Morgen habe ich mich bei meinem Enkel erkundigt, wie die Rapsernte lief. Er schmunzelte nur und sagte: „Ach Oma, dich kriegen wir auch noch satt.“ Wir haben beide gelacht. Landwirtschaft ist für mich ein Teil des Lebensgefühls. Ich möchte keinen Moment missen.



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erstellt am 24.Aug.2015 | 13:43 Uhr

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