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Premiere in Leck : „Einfach gigantomanisch“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Theatergruppe „Haallicht“ begeistert derzeit mit der romantischen Komödie „Kennst du den Regen“ von Frank Pinkus.

Die vor 24 Jahren von Broder-Melf Ketelsen gegründete und seit dessen Tod von Rainer Schößler geleitete Theatergruppe „Haallicht“, eine Einrichtung der Abendvolkshochschule Leck, präsentierte am Wochenende im Kulturhof Leck-Huus eine Premiere. Auf dem Programm stand die romantische Komödie „Kennst du den Regen“ von Frank Pinkus. Der Titel des einerseits von spritzigen Dialogen und aussagekräftiger Mimik, andererseits aber auch von turbulenter Action geprägten Stücks spielt darauf an, dass Menschen zuweilen von der Liebe erfasst werden, als bräche ein plötzlicher Regenschauer über sie herein.

So ergeht es auch Anna Krämer (Simone Born), die in einem verträumten Ort in Nordfriesland in einem Eiscafé die Gäste bedient. Eines Tages lernt sie Christian (Dirk Möller) kennen, nicht wissend, dass dieser der weltweit gefeierte Star Kris Kipper ist, der – zusammen mit seiner als „blondes Gift“ gestylten Filmpartnerin Jane Gardner (Silke Lehmann) und dem Regisseur seines neuesten Streifens (Rainer Schößler) – in seinen Heimatort gekommen ist, um einige Außenaufnahmen zu drehen. Dass er hier nach so langer Abwesenheit nicht mehr von jedermann erkannt wird, verblüfft ihn zunächst, stimmt ihn dann aber doch nachdenklich. Sein Werben um Anna beunruhigt seinen alten Schulfreund, den Buchhändler Daniel Pellermann (Joachim Wiebecke), der in die junge, stets freundlich auftretende Anna leidenschaftlich verliebt ist, aufgrund seines altbackenen Gehabes allerdings bei ihr nicht „landen“ kann.

Auch Hänschen Krämer, Annas Bruder (Peter Hermann), findet an der feschen Figur des Kris Kipper großen Gefallen, nicht ahnend, dass die auch von ihm bewunderte Errungenschaft seiner Schwester an Männern sexuell kein Interesse hat. Mehrfach stört er bewusst ein romantisches Rendezvous zwischen Anna und Kris, die sich bei strömendem Regen am Deich getroffen haben. Die Doppelrolle des Kris, der sich nach außen hin als Hollywood-Macho gebärdet, in Wahrheit aber das schlichte Leben sucht und bei Anna findet, führt zu diversen Konflikten. Dasselbe gilt auch für die Homosexualität des Hänschen Kramer, das Bestreben des Buchhändlers, seinen Alltag moderner und mutiger zu gestalten und die provokanten Störversuche der betont sexy auftretenden Jane Gardner. Am Ende aber setzt sich die Einsicht durch, dass jedermann mehrere „Gesichter“ und verschiedene Charaktereigenschaften aufweist. Eine gedrehte, vom Regisseur kommentierte Filmszene sorgte für heftige Turbulenzen. Diese standen in hartem Kontrast zu den romantischen Tönen, unter denen sich die Charaktere der auf ein Happyend zusteuernden Handlung sensibel entwickelten.

Obgleich es sich bei der Aufführung um die Premiere handelte, war von der Arbeit der Souffleuse (Christina Mecke) vom Publikum kaum etwas zu merken, denn die sehr wenigen „Hänger“ wurden von den Akteuren geschickt überspielt. Ein Lob verdiente sich auch Dieter Krause als Techniker, der für eine einwandfreie Beschallung, gut ausgewählte Bühnenmusik und eine effektvolle Beleuchtung sorgte. Als Bühnenbild beschränkte man sich auf Vorhänge unterschiedlicher Farbe. Als der lebhafte Beifall der Zuschauer verklungen war, meldete sich Karl („Charly“) Werner zu Worte, um allen zu danken, die zum Erfolg des Abends beigetragen hatten. Er wertete schauspielerische Leistung der Akteure als „gigantomanisch“, wodurch er eine im Spiel mehrfach genannte Wortneuschöpfung zitierte. Ein Extralob sprach er aus für die augenzwinkernd erfolgte Einbindung des Lecker Dorflebens und der nordfriesischen Lokalpresse in das spielerische Geschehen aus. Fazit: Eine rundum gelungene Premiere.

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erstellt am 03.Nov.2014 | 06:15 Uhr

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