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Nordfriesland Tageblatt

17. August 2017 | 06:21 Uhr

Comeback : Eine wohlklingende Wiederkehr

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Fräulein Toni & Er“ verzauberten nicht nur mit unvergessenen Schlagern, sondern haben eine besondere Verbindung zum Charlottenhof.

Frivole Lieder der gehobenen Art gab es in Klanxbüll zu hören. Flotte Rhythmen und freche Texte, Lieder von der großen Liebe und dem kleinen Spaß zwischendurch – so lautete die Ansage von „Fräulein Toni & Er“ für den Auftritt im Charlottenhof. Fräulein Toni (Antonia Krödel) und „Er“ (Hendrik Riehemann) schätzen die Songs aus den bewegten Zeiten der 20er bis 40er Jahre. Unvergessene Schlager, die durch Wortwitz und Esprit auch heute verzaubern.

Gekleidet im Stil der Zeit mit Zylinder und Rüschenhemd, Bowler, Fliege, Weste, Gamaschen und Uhrenkette gab es echte Hingucker draufzu. Das Duo setzt bewusst auf Gegensätze in der Stimmung: Da steht sich jemand schwungvoll „mit Ruth gut“, ehe es süß und still „Irgendwo auf der Welt“ ein Stückchen Glück zu finden gibt.

Die „Wonderful world“ zelebrierte der Sänger auf „Satchmos“ Spuren, um dann bei „Mackie Messer“ das Blut gefrieren zu lassen. Das Publikum zeigte sich von Beginn an fasziniert, ging bei „Hein Mück aus Bremerhaven“ gleich mit. „Sie lenken mich ab!“: Ein kleiner Hänger beim Text wurde flugs den Fans in der ersten Reihe untergejubelt.

Dann packte „Er“ die Snaredrum aus, um mit „Puttin’ on the Ritz“ einen schlagfertigen Knaller zu liefern. Viel Beifall im gut gefüllten Raum. Die Zuschauer, darunter Damen aus Maasbüll, Lindholm und „der gesamten Böking- und Wiedingharde“, zeigten sich sehr zufrieden. „Eigentlich kennen wir alle Schlager“, nickte man sich übereinstimmend zu. Animiert von der Musik habe man sofort den Klanxbüller Bürgermeister geküsst. Gelächter, als die Betroffene zugab, dass es sich um ihren Sohn gehandelt habe.

Mit dem wundervollen „La mer“ von Charles Trénet ging es maritim weiter. Hier stand Antonia Krödel einmal im Mittelpunkt als kongeniale Begleiterin des charmanten Sängers, der sich besonders in mittleren Tonlagen wohlfühlte. Mit leichter Hans-Albers-Attitüde flog danach die kleine Möwe mit Publikums-Unterstützung in Richtung Helgoland. Hendrik Riehemann liebt den rasanten Wechsel: Dem seelenvollen „Summertime“ folgte die temperamentvolle Isabella aus Kastilien.

Ach, die Frauen, damals wie heute ein Thema! Die eine soll nicht zum Tangogeiger hinschauen, die andere in der Wüste vom Löwen verspeist werden – mit Klara in die Sahara. Die Songs setzen auf pfiffiges, elegantes Wortspiel und knallharte Aussagekraft, amüsieren stets auf angenehm leicht-frivole Art. Welch’ ein Glück: Gefunden wurden sie zum Teil im Riesenarchiv des Großvaters der Pianistin. „Fräulein Toni & Er“ lassen bei allem Frohsinn auch Staunen und Nachdenken, aber die Tragik ist stets zu verschmerzen. Denn gleich geht es leicht und locker weiter. „Frauen sind keine Engel “ – aber sie können auch singen, was Antonia Krödel eindrucksvoll bewies. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern! Mit „My way“ endete der wunderbare Abend, der bewies, dass anspruchsvolle Kleinkunst in Klanxbüll auf viel Resonanz stoßen kann.

Das Konzert war buchstäblich ein erstaunliches „Comeback“: Antonia Krödel war nämlich die Erste, die im Charlottenhof 2002 ihr freiwilliges kulturelles Jahr absolvierte. Dort lernte sie den heutigen Rechtsanwalt Hendrik Riehemann kennen (und lieben), der damals mit einer Funkband gastierte. Später tat man sich musikalisch zusammen. Antonia Krödel, inzwischen Musikwissenschaftlerin und ausgebildete Organistin (und Glockenspielerin!) arbeitet mittlerweile bei einem Musikverlag in Bremerhaven. Zu Proben trifft man sich in Hamburg oder Uetersen, zu den Auftritten geht es dann kreuz und quer durch Norddeutschland. Ein Wiedersehen in Klanxbüll ist also nicht ausgeschlossen.

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erstellt am 16.Aug.2014 | 09:15 Uhr

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