Eine Willkommenskultur schaffen

Intensives Arbeitstreffen: „Runder Tisch“ trat in Leck erstmals zusammen.
Intensives Arbeitstreffen: „Runder Tisch“ trat in Leck erstmals zusammen.

Zum ersten Mal tagte in Leck der „Runde Tisch zur Integration von Migrantinnen und Migranten“

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01. Dezember 2014, 08:15 Uhr

Sie trafen sich zum ersten Mal: Vertreter aus Verwaltung, verschiedenen sozialen Einrichtungen, Vereinen und Gremien sowie interessierte Privatleute. Anlass war die konstituierende Sitzung des „Runden Tisches zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Leck“. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn im Rathaus informierte Peter Martensen, verantwortlich für den Kreis Nordfriesland für die Umsetzung des nationalen Integrationsplans, über Handlungsempfehlungen und Ideen, die von Verwaltungsmitarbeitern entwickelt wurden.

Ziel des runden Tisches ist es, eine nachhaltige Willkommenskultur zu schaffen. Was aber wird gebraucht, um Migrantinnen und Migranten das Einleben in unserer Region zu erleichtern? Beispielhaft nannte Martensen die Einstellung von Mitarbeitern in der Verwaltung, die selbst über Migrationshintergrund verfügen. Migranten könnten als Neubürger zum Kennenlernen und Austausch ins Rathaus eingeladen werden. „Ganz wichtig ist, dass sie es auch als ihr Rathaus empfinden“, betont Peter Martensen. Institutionell betrachtet könne die Schaffung von Migrationsbeauftragten in Unternehmen vorteilhaft sein. Eine weitere Idee sei, die Raumgestaltung in öffentlichen Gebäuden anzupassen, beispielsweise ein Willkommensschild in vielen Sprachen oder eine Kinderecke. Ein freier Internetzugang, um Kontakt zu halten in die Heimat oder sich weiterzubilden ist nur ein weiteres von vielen Beispielen, die Peter Martensen vortrug. Er zeigte sich beeindruckt von der großen Anzahl Interessierter, die zusammengekommen waren, um sich oder ihre Institution einzubringen.

Die Gemeinde Leck sei als Kommune stark gefordert, das Amt Südtondern, das sich vor allem um die Frage der Unterbringung zu kümmern hat, zu entlasten, hieß es. Monika Hahn-Nanninga, gebürtig aus Leck, moderierte als Koordinatorin die Erarbeitung von konkreten Inhalten für die weitere Arbeit. Diese Aufgabe wird für die nächsten sechs Monate vom Land Schleswig Holstein finanziert. Hahn-Nanninga ist eine der Koordinatorinnen im Kreis Nordfriesland. Durch ihre langjährige Arbeit unter anderem als Sprachlehrerin hat sie viele Kontakte zu ausländischen Mitbürgern, ist Ausländerbeauftragte im Ausschuss für Kinder- und Jugendhilfe und hat zum Beispiel auch Erfahrung mit niederschwelligen Frauensprachkursen. „Ich freue mich sehr, dass ich mich hier in Leck engagieren kann – auch über das halbe Jahr hinaus“, erklärte sie. Ihr Ziel ist es, die Verwaltung zu entlasten. „Es soll ein Miteinander geben, von dem alle profitieren.“

Bei einer kurzen Vorstellungsrunde der Anwesenden wurden die bisherigen persönlichen Berührungspunkte mit Migrantinnen und Migranten geschildert. Derzeit leben im Bereich der ehemaligen Karrharde und Leck 54 „neue“ Migranten in 28 Bedarfsgemeinschaften. Diese Zahl hat sich im Vergleich zu 2013 verdoppelt, ist aber verschwindend gering im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Einwohner in dem Gebiet, nämlich etwa 0,5 Prozent.

Besonders spürt den Zuwachs derzeit die Tafel Südtondern, in Leck ist die Zahl der Abholer auf 90 gestiegen, auch in Niebüll sind wachsende Abholer-Zahlen zu verzeichnen. „Das übersteigt langsam unsere Kapazität“, sagt Vorsitzender Reimer Bock, „wir denken nicht an Aufnahmestopp, aber es muss jetzt mehr zugewiesen werden. Mittlerweile geben wir drei Stunden lang Lebensmittel aus.“

Danach wurde kurz, aber intensiv inhaltlich gearbeitet – als Schwerpunkte hatten sich bei der Vorbereitung die Themen Wohnen, Gesundheit, Sprache, Alltagsleben und Arbeit herauskristallisiert. Gezielt soll nun für’s Erste in den Bereichen „Sprache“ und „Unterstützung im Alltagsleben“ gearbeitet werden. Eine Vision, die im Anschluss formuliert wurde, fasste zusammen, was sich die Mitglieder des Runden Tisches für das nächste Jahr vorgenommen haben: „Die Menschen, die dann sechs bis neun Monate hier sind, sagen: ,Wir sind froh, dass wir in Leck gelandet sind, diese Gemeinde kann ein Zuhause sein.‘“

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