zur Navigation springen

EX-Kaufhaus : Eine Traditionsadresse siecht dahin

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Leerstand seit 2009: Bürgermeister Wilfried Bockholt hegt die Hoffnung, dass doch noch bald etwas in der Hauptstraße 59 passiert.

Das einst so beliebte Textil- und Kaufhaus Dierks/Karstadt/Hertie siecht seit seiner Schließung im Jahre 2009 vor sich hin und entwickelt sich mit großer Sicherheit zu einem Schandfleck.

Wer beim Neujahrsempfang der Stadt aufmerksam zuhörte, wird aus einem Nebensatz des Bürgermeisters herausgehört haben, dass ein Kaufvertrag für die Ruine schon fast unterschriftsreif war. Doch in letzter Minute zogen sich die Gesprächspartner zurück: eine Niebüller Investorengruppe und das Berliner Büro der CR Investment Management GmbH (London). Bürgermeister Wilfried Bockholt und sicher auch die Niebüller hegen allerdings die Hoffnung, dass doch noch bald etwas an dieser Adresse in der Hauptstraße 59 passiert. Über den Grund der Verzögerung kann nur spekuliert werden. Denkbar sind Gründe wie das im Baurecht verankerte „Einfügegebot“, die Firsthöhen, der wirtschaftliche Nutzungsmix oder Nachbarschaftsschutz. „Wie hoch da die Messlatte liegt, ist zurzeit nicht darstellbar“, sagt der Niebüller Bürgermeister.

Der Textilkaufmann Hans Jürgen Dierks führte das von ihm um die vorletzte Jahrhundertwende erbaute Haus bis in die Nachkriegszeit, aus der es bis 1967 im Familienbesitz blieb. Der Textilkaufmann Georg Mesch hatte Dierks’ Tochter Nora geheiratet. Das Haus führte Damen- und Herrenbekleidung, Gardinen und Teppiche sowie Betten, die auch gereinigt wurden, wie sich die damalige Verkäuferin Dorothea Todt, geborene Petersen, erinnert. Hannelore Müller, geborene Jannsen, lernte von 1957 bis 1967 bei Georg Mesch, der die Leitung der Herrenabteilung an Dierks’ Sohn Paul delegiert hatte.

1967 ging das Haus Dierks an die Grimme GmbH über, die dem Haus Karstadt nahe stand und das Niebüller Haus 1970 als seine Filiale übernahm. Mit Karstadt wurde das Niebüller Haus über seine textilen Offerten hinaus zu einem Kaufhaus. Das blieb es 37 Jahre, bis es im März 2007 an Hertie (benannt nach dem Kaufmann Hermann Tietz) überging. Die Zeiten von Dierks bis Karstadt überdauerte der (auch als Fußballer bei Rotweiß bekannte) Kaufmann Werner Bendig, der dem Haus 44 Jahre diente, dort gelernt und die Karstadt-Filiale geleitet hatte.

Die Odyssee, die Karstadt und Hertie in den Abgrund führte, begann 2004, als Karstadt 68 Warenhäuser und die Marke Hertie an die Finanzinvestoren Dawnay Day und Hilco (London) verkaufte. Als Dawnay Day 2008 Pleite ging, musste auch Hertie Insolvenz anmelden. Dawnay Day begann mit der Veräußerung der Hertie-Immobilien in Einzelverkäufen. Im Sommer 2009 schlossen die Hertie-Filialen (auch die in Niebüll). Den Verkauf der Filialen der insolventen Kaufhauskette übernahm die holländische Mercatoria Acquisitions BV, die jedoch 2012 auch insolvent wurde. Womit schließlich die oben erwähnte CR Investment ins Spiel kam, mit der die Niebüller Investorengruppe seit Monaten in Kaufgesprächen steht.

Über die Nutzung der Liegenschaft Hertie wird also noch nachgedacht. Vorstellbar nach den Worten des Niebüller Bürgermeisters wäre auf dem 1800 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Hauptstraße/Mittelfangweg ein kombiniertes Geschäfts- und Wohnhaus – attraktiv wegen seiner zentralen Lage und auch für innenstadtnahes Wohnen.

Ältere Niebüller erinnern sich jedenfalls mit diesem Haus an eine beliebte Adresse, an der man im Sortiment nach Herzenslust stöbern und sich einst „rechts neben dem Eingang“ im Anbau auch weiterer Offerten erfreuen konnte. Denn dort waren einst auch mal die Niebüller Bücherei, die Schuhmacher Adamiak und Haase, das Fischgeschäft Schnoor und Karl-Heinz Sanders Kiosk ansässig. Doch lang ist’s her.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert