Ernte 2018 : „Eine Riesenkatastrophe“

Das sieht selbst der Laie: Nur ein verhältnismäßig dünner Strahl kommt aus dem Häcksler bei der Roggen- Ganzpflanzensilage-Ernte.
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Das sieht selbst der Laie: Nur ein verhältnismäßig dünner Strahl kommt aus dem Häcksler bei der Roggen- Ganzpflanzensilage-Ernte.

Erst die Jahrhundertnässe 2017, jetzt anhaltende Dürre: Auch Südtonderns Landwirte befürchten finanzielle Engpässe.

shz.de von
23. Juli 2018, 06:00 Uhr

Wer den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Südtondern Wolfgang Stapelfeldt kennt, weiß, dass er eigentlich stets ein zuversichtlicher Landwirt ist. Einer, der optimistisch für seine Kollegen in der Region und seinen Berufsstand nach vorne blickt. Aber damit ist es derzeit vorbei: „Durch das anhaltend trockene Wetter ist eine Riesen-Katastrophe für die Landwirtschaft auch in unserer Region entstanden!“

Das betrifft sowohl die Acker- wie auch die Milchbauern. Für viele Getreidesorten sei es schon zu spät, selbst wenn es jetzt noch regnen sollte, sagt Stapelfeldt und blickt besorgt auf den dänischen Wetterbericht auf dem Bildschirm seines Rechners, der auch für die letzten Tage im Juli noch keinen Regen für Südtondern voraussagt.

Nach der Jahrhundertnässe in 2017 mit Niederschlägen von gut 1100 Liter pro Quadratmeter, normal sind maximal 800 Liter, waren die Böden total verschlämmt, sodass die Saat nicht aufkommen konnte. Dazu kommt jetzt die seit Mitte April anhaltende Dürre. „Solch eine Dürre-Situation habe ich in meinen 40 Berufsjahren noch nicht erlebt“, erzählt Wolfgang Stapelfeldt, dem ältere Berufskollegen von 1959 als einem ähnlich trockenen Jahr berichteten.

In der Marsch bestehen auch keine Bewässerungsmöglichkeiten für die Ländereien. Deshalb rechnet der Landwirtschaftsmeister alleine bei der derzeitigen Ernte des Wintergetreides wie Gerste, Raps und Weizen mit einem Minderertrag von 50 Prozent.

Durch das witterungsbedingte späte Drillen des Sommergetreides und unzureichenden Regen werden auch hier erhebliche Einbußen zu verzeichnen sein, da alles nur sehr schwach aufgelaufen ist, wie man an den durchscheinenden Böden sehen kann. So wird der Weizen durch die viel zu kleinen Körner mit einem zu geringen Hektoliter-Gewicht auch nicht als Back-, sondern nur als Futterweizen verkauft werden können, befürchtet der Experte. Wie wenig auf den Getreideflächen gewachsen ist, wurde bei der Ganzpflanzensilage (GPS)-Ernte eines Roggenfeldes in Emmelsbüll deutlich. Normal sind Erträge von 44 Tonnen pro Hektar, in diesem Jahr werden es nur 11 bis 12 Tonnen, also nur rund 25 Prozent. Durch die kleineren Ähren ist auch nicht so viel Energie in der Silage wie üblich, erklärt Stapelfeldt.

Auch der Mais wird derzeit blass und dunkelgrün, wobei die Kolben selbst sich nicht richtig entwickeln. Bevor er ganz vertrocknet, wird teilweise schon für Silage gehäckselt, aber auch nur mit nur unzureichendem Ertrag. Dieses Silagefutter kann im Winter nur als Füllmenge für die Rinder dienen, da es ohne Maiskolben keinen Nährwert hat.

Bei einigen Maisflächen in der Region, die sich vernünftig entwickelt haben, keimt noch etwas Hoffnung beim Kreisbauern-Vorsitzenden – wenn bald Regen käme. Auch die Saatkartoffeln sind gut aufgelaufen, aber damit diese sich voll entwickeln können, ist auch hierfür unbedingt Regen erforderlich.

Eine Riesen-Katastrophe sieht Stapelfeldt aber beim Futterbau für die Rinder. Auf vielen Standorten haben die Kühe und das Jungvieh kein Gras mehr auf den Weiden. Einige Landwirte sind deshalb schon gezwungen, den ersten Grassilageschnitt, der stets immer für die Winterfütterung geerntet wird, schon jetzt an ihre Rinder zu verfüttern. Dieser erste Silageschnitt hatte dazu nur rund 70 Prozent der üblichen Menge erbracht und die zweiten bis vierten Schnitte bringen nur sehr geringe Erträge, bestätigt Stapelfeldt. Er macht sich große Sorgen, dass deshalb das Futter im Winter nicht ausreichen wird und einige Landwirt gezwungen sind, ihre Rinder-Bestände zurückzuführen.

Im Nachbarland Dänemark hat es Stapelfeldt zugolge bereits einige unplanmäßige Schlachtungen gegeben, da kein Grünfutter mehr für das Vieh vorhanden war. „Gegen solche Witterungsextreme wie 2017 und 2018 sind wir machtlos“, erklärt er und befürchtet, dass bei vielen Berufskollegen finanzielle Engpässe auftreten könnten.

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