Konzert in Niebüll : Eine musikalische Flaschenpost

Meerklang: Frauke Johannsen, Heiko Johannsen, Lars Brodersen und Stefanie Brodersen.
Meerklang: Frauke Johannsen, Heiko Johannsen, Lars Brodersen und Stefanie Brodersen.

Mit mehr Klang: Das Saxophonquartett Meerklang sorgt für ein sprudelndes Klangerlebnis in Niebüll.

shz.de von
23. Januar 2018, 00:00 Uhr

Niebüll | Der Januar gehört nicht unbedingt zu den beliebtesten Monaten des Jahres. Abwechslung von einer gewissen Tristesse und Eintönigkeit sind willkommen. So konnte das Saxophonquartett Meerklang mit seinem Konzert am vergangenen Sonntag einen vollen Erfolg verbuchen. Die Niebüller Christuskirche war bis auf den letzten Platz besetzt. An die 250 Zuhörer hatten trotz des Nebels und der ungemütlichen Witterung den Weg in das Gotteshaus gefunden, um sich unterhalten und musikalisch aufwärmen zu lassen.

Am Anfang erklingen einzelne lange Töne. Aus allen Ecken des Kirchenschiffs bewegen sich die vier Saxophonisten mit ihren glänzenden Instrumenten aufeinander zu. Im Altarraum findet das Quartett zusammen und eröffnet das Konzert mit dem bekannten Canon von Johann Pachelbel aus dem 17. Jahrhundert. Nach der musikalischen Begrüßung heißt Lars Brodersen (Baritonsaxophon) die Zuhörer willkommen. Der Arrangeur des Quartetts überzeugt mit souveräner und charmanter Moderation. Er erläutert, warum das Programm den Titel „Flaschenpost“ trägt: „Das zufällige Finden einer Flaschenpost löst ein unerwartetes Glücksgefühl aus. Teilen Sie dieses Glück und lassen Sie den Inhalt auf sich wirken!“ ermuntert er das Publikum.

Dann wartet die „Latinsuite“ mit südamerikanischen Rhythmen auf. Die Spielfreude ist den vier Musikern deutlich anzumerken, kleinere Patzer sind schnell verziehen. Der Jazz-Standard „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock entführt auf eine imaginäre Insel und klingt nach Urlaub und Sonne.

Der Jingle „Cantina Band“ dauert nur eine knappe Minute, sorgt aber für gute Stimmung und herzhaftes Lachen bei Zuhörern und Musikern gleichermaßen. Als nächstes kündigt Lars Brodersen ein besonderes Stück an: „Der Song „Message in a Bottle“ von The Police begleitet uns schon seit einiger Zeit. Wir wollten aber etwas Eigenes und Besonderes. So entstand in einer längeren Phase des Arrangierens und Ausprobierens die nun folgende Version.“ Und tatsächlich: Die bekannte Melodie des Stückes wird zunächst von Stefanie Brodersen (Alt) angespielt, dann an Heiko Johannsen (Tenor) weitergereicht, landet schließlich bei Frauke Johannsen (Sopran) und gipfelt in einer mächtigen Schlusspassage des gesamten Quartetts.

„Gabriellas Sang“ aus dem Film „Wie im Himmel“ berührt das Herz. Die emotionsgeladene Melancholie dieses Liedes verstehen die vier Saxophonisten mit großem Feingefühl auf ihre Zuhörer zu übertragen. Einigen Augen ist die Rührung anzusehen.

Mit dem nächsten Beitrag zeigt sich die Vielfalt und Abwechslung in Musikrichtungen, die Meerklang auszeichnet. Mit drei Sätzen aus der „Fairy Queen“ von Henry Purcell folgt ein einschneidender Stilwechsel hin zur „alten“ Musik. Der Kirchenraum reflektiert die filigranen, sich ineinander verflechtenden Stimmen in unvergleichlicher Weise und die vier Musiker präsentieren überzeugend, dass sie auch dem Spiel der klassischen Musik mächtig sind.

Ein Höhepunkt ist die gewaltige Musik „Here to There“ aus dem Film „Das Piano“. Als Werk der Minimalmusik angekündigt überrascht es in mehrfacher Hinsicht: Durchgehend vom ersten bis zum letzten Ton im Forte und rasant, fast rasend gespielt, gespickt mit fliegenden Taktwechseln und Themenvariationen.

Mit dem musikalischen Credo „All you need is love“ von den Beatles leert Meerklang die akustische Flaschenpost vollends aus. Aber die Zuhörer wollen nicht glauben, dass die Flasche wirklich leer ist. Glücklicherweise sind noch zwei Zugaben darin enthalten. Applaus und Standing Ovations eines begeisterten Publikums sind der Dank. Ein grauer und kühler Sonntag im Januar wurde für alle Anwesenden zu einem bereichernden und herzerwärmenden musikalischen Erlebnis.



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