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Nordfriesland Tageblatt

24. August 2017 | 13:23 Uhr

Eine Lachtherapie aus dem Bauch heraus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit seiner Puppen-Comedy begeistert Jörg Jará sein Publikum in der ausverkauften Stadthalle

Wer Stimmen hört, wenn kein anderer spricht, der geht zum Arzt. Oder wird wie Jörg Jará Bauchredner – und treibt 450 Zuschauern in der ausverkauften Niebüller Stadthalle die Lachtränen in die Augen.

„Ich höre Stimmen“, gibt der Puppen-Komödiant zu, kaum dass er die Bühne betreten hat. „Und weil ich ein höflicher Mensch bin, antworte ich auch“, führt der Mann im eleganten grauen Anzug aus. Diese Selbstgespräche hätten ihm aber – etwa im Bus – nichts als befremdliche Blicke eingebracht. „Das änderte sich, als ich beschloss, mit meiner Hand zu reden. Das fanden die Teenies im Bus dann schon irgendwie cool.“

Genaugenommen spricht Jará auch heute noch mit seiner Hand – sie steckt allerdings in ausdrucksstarken Puppenpersönlichkeiten, die seinen inneren Stimmen Gestalt geben. „Ich bin viele“ heißt das Programm aus gutem Grund: Alle seine Puppen spiegeln Teile seiner eigenen Persönlichkeit wider, verrät Jörg Jará, der unter anderem Psychologie studiert hat.

Ein treuer Puppen-Begleiter an diesem Abend ist Knabber-Freund Erwin Jensen, der sich mit Latzhose, Fellpuschen und markigen Sprüchen immer wieder zu Wort meldet. „Ohauahauaha. Wollt ihr Nüsse? Ich hab‘ Nüsse“, lässt Jará die Puppe in schönstem norddeutschen Slang rufen. Die knubbelgesichtige Großvaterfigur findet, dass sich „Groko“ anhört wie Grünkohl, „nur ohne Grün“. Auf die Frage, ob sein Urenkelkind denn ein Junge oder Mädchen sei, antwortet er trocken: „Das soll es später selbst entscheiden, das ist ja heute möglich.“

Wissenschaftlich wird es, als Jará einen Herren im weißen Kittel auf die Bühne holt. Dessen Stimme klingt verdächtig nach Herrn Jensen – kein Wunder: „Erwin Jensen ist mein Bruder“, sagt Psychologie-Professor Karl-Friedrich Jensen seufzend und gibt Einblicke in menschliche Seelentiefen: „Neurotiker bauen Luftschlösser, Schizophrene wohnen darin – und ich als Psychologe kassiere die Miete.“

Egal, welche Puppenfigur der Bauchredner sonst noch zur Hand nimmt – die divenhafte Olga, Hilde Sommer, die eine Schwäche für junges Gemüse hat, oder den grobschlächtigen Lutz-Maria Adam – die Illusion ist nahezu perfekt. Die Stimmen unterschiedlicher Tonlage scheinen tatsächlich aus den Puppen zu kommen. Die Figuren treten auch untereinander in Dialog, krakeelen oder singen sogar, während der Bauchredner mit unbewegten Lippen danebensteht.
Welch‘ hohe Kunst das ist, blitzt bei einem Dialog mit Karlchen durch. Die hölzerne Bauchrednerpuppe fand Jará nach eigener Aussage einst auf dem Dachboden, mit ihr habe alles begonnen. „Lalelu, nur der Nann in Nond schaut zu“, singt das schüchterne Karlchen, das nicht nur kein „M“ sprechen kann, sondern auch Probleme mit dem Wort „Babys“ hat. Wer probiert, ein „B“, „P“ oder „M“ mit unbewegten Lippen zu sprechen, wird die Puppe besser verstehen.
Galant führt Jörg Jará durch den Abend, fungiert als Moderator, während seine Puppen ein komisches Eigenleben entwickeln. Er nimmt nicht nur seine Figuren auf den Arm, sondern auch sich selbst – und dann und wann seine Zuschauer. Die belohnen ihn mit Lachsalven und anhaltendem Applaus.

„Wunderbar“ ist das Fazit von Kai Magnussen, dem sein Platz in der ersten Reihe unverhoffte Aufmerksamkeit beschert. Gleich zu Anfang der Show hatte sich der Künstler nach dessen Vornamen erkundigt, woraufhin sich auch die Puppen-Persönlichkeiten immer wieder dem Gast zuwandten. Besonders die 82-jährige Hilde Sommer machte keinen Hehl daraus, dass sie den Neukirchener äußerst attraktiv findet. Kai Magnussen nimmt es mit viel Humor, und auch Ehefrau Kirsten ist nicht etwa eifersüchtig, sondern äußerst amüsiert.

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erstellt am 16.Feb.2014 | 17:33 Uhr

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