Ausstellung : Eine ganze Welt vor der Haustür

Frauke Gloyer mit ihren Nachbarn Rosemarie und Harro Sell.
Frauke Gloyer mit ihren Nachbarn Rosemarie und Harro Sell.

Die Malerin Frauke Gloyer hat einen Bilder-Zyklus geschaffen, für den sie sich von den eigenen Nachbarn inspirieren ließ. Am kommenden Sonntag, 24. November, wird die Ausstellung um 11 Uhr in der Galerie Lüth (Husum-Halebüll) eröffnet.

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21. November 2013, 11:13 Uhr

Dass Frauke Gloyer die große weite Welt nicht braucht, um ihre Themen zu finden, ist kein Geheimnis. In Galmsbüll liegt ihr eine Welt zu Füßen – nicht die ganze, aber doch immerhin die Halligwelt. Aus diesem Universum vor der eigenen Tür schöpft sie ihre Inspiration als Malerin: die Natur, der Himmel, die Tiere und – nicht zuletzt – die Menschen. Unter denen setzt sie Zweien, die noch dazu ihre Nachbarn sind, jetzt ein Denkmal: Rosemarie – genannt „Rosi“ – Sell und ihrem Mann Harro.

Wie Frauke Gloyer wohnt das Paar am Mühlendeich und liebt die Natur. Mehr noch: Es lebt sie – bis auf den heutigen Tag. „Ich meine, wer wohnt schon Tür an Tür mit einer früheren königlich-dänischen Hoflieferantin“, schwärmt die Künstlerin. Aber mehr noch als die Tatsache, dass sich einst sogar das dänische Königshaus für Rosis Schafkäse interessierte, fasziniert Gloyer die Lebensart ihrer Nachbarn, „diese fabelhafte Lebensklugheit“. Für sie sind Rosi und Harro – beide schon Mitte 70 – im besten Wortsinn „bodenständige“ Menschen.

Auch wenn der Garten aus Altersgründen inzwischen etwas kleiner geworden ist, bauen sie darin noch immer (fast) alles an, was sie zum Leben brauchen. „Und wenn du Zeuge wirst oder vielleicht sogar kosten darfst, was Rosi daraus zaubert, dann bist du von den Socken“, sagt Gloyer – und man glaubt ihr aufs Wort.

Kochen oder backen: Rosemarie Sell muss sich hinter keinem Sternekoch verstecken – wenn sie das denn überhaupt wollte. Aber da ist noch etwas: „Jedes Mal, wenn sie mich zu einer ihrer Leckereien einlädt, denke ich sofort an die Welt, die dahinter steht“, sagt Gloyer. Und während sie so spricht, sieht man sie plötzlich malen, denn das ist es doch, worum es auch der Künstlerin geht: durch das äußere Erscheinungsbild zum Wesen der Dinge vorzudringen, um die „Empfindungswelt dahinter“, wie sie es nennt.

Rosi und Harro Sell bieten ihr dafür einen riesigen Themenkreis, den sie in den zurückliegenden drei Jahren konsequent aufgearbeitet hat. Und Galerist Hans-Heinrich Lüth fand die Idee „so schön“, dass er sie ermunterte, das Ergebnis bei ihm in Husum-Halebüll zu zeigen.

So schließen sich, wenn Gloyer vor die Tür ihres Hauses tritt und ihr Blick zu den Nachbarn hinüber schweift, gleich mehrere Kreise, deren Weg von den Bildern einer Ausstellung bis zu einem unscheinbaren Getreidekorn zurückgeht, aus dem Rosi eines ihrer grandiosen Brote backt. Ein ganz persönlicher Bilder-Bogen vom Einsäen und Ernten, aber vor allem vom „freudvollen Umgang mit dem Essen“. So finden sich im Katalog zur Ausstellung nicht nur Abbildungen von Gloyers Malereien, sondern auch einige von Rosis Kochrezepten.

Für Irritation sorgt da allenfalls das Bild auf der Einladungskarte. Es zeigt einen Hummer – und der gehört gewiss nicht zum Repertoire der Sells. „Nein“, winkt Frauke Gloyer ab, „der ist da nur drauf, weil er gut gemalt ist.“



Frauke Gloyer – Neue Arbeiten. Eröffnung: Sonntag, 24. November, 11 Uhr, durch Dr. Thomas Gädeke, Landesmuseum Schloss Gottorf. Öffnungszeiten: mi. bis so., 10 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung erscheint die 34. Editionsausgabe der Galerie mit dem Titel „Ein Friesisches Kochbuch vom Mühlendeich“.

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