zur Navigation springen

Klinik Niebüll : Eine eigenständige Klinik als Lösung?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Was wäre wenn? Geht es besser ohne die anderen Krankenhäuser? Das Amt Südtondern will eine Ausgliederung der Klinik Niebüll prüfen lassen.

von
erstellt am 24.Nov.2015 | 19:06 Uhr

Gerade erst war der Satz vor großer Runde ausgesprochen, korrigierte ihn Otto Wilke schon gleich. Erst sprach der Amtsdirektor beim Haupt- und Finanzausschuss des Amts Südtondern davon, dass die 30 Gemeinden am Erhalt des Krankenhausstandorts Niebüll als Grund- und Regelversorgung festhalten wollen. Dann aber war ihm das Verb „festhalten“ doch zu schwach, und er ersetzte es durch „kämpfen“. „Wir kämpfen für unser Krankenhaus“, betonte Wilke vor den Ausschussmitgliedern und erhielt dafür breite Zustimmung.

Das Thema Krankenhaus dominierte die jüngste Sitzung, auch wenn es ursprünglich gar nicht Teil der Tagesordnung war. Diskutiert wurden erneut die Anfang November vorgestellten Handlungsempfehlungen des Diplom-Kaufmanns Karl-Heinz Vorwig zur Gesundschrumpfung des unter Millionen-Verlusten leidenden Klinikums Nordfriesland (mit seinen vier Häusern mit 429 Betten in Husum, Tönning, Niebüll und Wyk). Demnach soll die Niebüller Chirurgie in eine Tages-Chirurgie umgewandelt werden, die gynäkologische Abteilung mit Geburtshilfe sowie die HNO-Abteilung geschlossen werden. Maßnahmen, die für die Ausschussmitglieder der Anfang vom Ende sind. Deshalb sei es wichtig, den vorgesehenen Veränderungen aktiv entgegenzutreten – indem Kräfte gebündelt, der Blick nach vorne gerichtet und vor allem Lösungsvorschläge gemacht würden. Und eine derartige Lösung könne eventuell eine Ausgliederung der Klinik Niebüll vom Klinikum Nordfriesland sein.

Wie der SPD-Kreistagsabgeordnete Thomas Nissen in der Sitzung informierte, wollte der Kreistag ursprünglich am 11. Dezember über Vorwigs Handlungsempfehlungen abstimmen. Zwischenzeitlich aber wurde die Flensburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO beauftragt, um die einzelnen Standorte in Hinblick auf ihre Wirtschaftlichkeit sowie deren medizinische Versorgungsstruktur genauer zu betrachten. Im Rahmen dieser bevorstehenden Analyse möchte das Amt Südtondern nun Druck machen. Otto Wilke und den Ausschussmitgliedern ist es wichtig, die einzelnen Prüfgrundlagen des Gutachtens durch zwei weitere Aspekte zu ergänzen. Untersucht werden solle auch, ob das Krankenhaus mit Grund- und Regelversorgung zukünftig besser selbstständig wirtschaften könne. Und welche Auswirkungen werde so eine Ausgliederung der Klinik für das kreiseigene Klinikum Nordfriesland haben? Wie realistisch sei es zudem, dass Niebüll langfristig Rettungshubschrauberstandort bleibe? Wilke: „Wenn ein Gutachten erstellt wird, dann müssen unbedingt auch diese Aspekte in den Prüfungsauftrag des Kreises an die BDO miteinfließen.“

Das BDO-Gutachten soll bis zum 25. Februar vorliegen, damit der Kreistag darüber am 11. März entscheiden kann. Dass erneut geprüft wird, befürworteten die Amts-Ausschussmitglieder auf der jüngsten Sitzung, wobei Verwunderung darüber geäußert wurde, dass über ein derart komplexes Thema so zügig entschieden werde. „Wer will in der Lage sein, nach nur wenigen Tagen so ein Gutachten zu bewerten?“, fragte Ausschussvorsitzende Bettina Fritzsche in die Runde.

Klanxbülls Bürgermeister Friedhelm Bahnsen regte an, demnächst ein Brainstorming zum Thema Krankenhaus in die Wege zu leiten, um über weitere Lösungsansätze für die Klinik nachzudenken. „Wir doktern immer an den Symptomen herum und rennen dabei der allgemeinen Entwicklung hinterher, statt uns Gedanken zu machen, wie unsere Region zukunftsfähiger sein kann.“ Amtsvorsteher Peter Ewaldsen stimmte ihm zu. „Wir wollen nicht nur meckern, sondern auch Vorschläge machen. Die Frage, wer Schuld an der ganzen Misere hat, bringt uns nichts. Wichtig ist, dass wir jetzt bei unserer eigenen Versorgung mitbestimmen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen