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Nordfriesland Tageblatt

12. Dezember 2017 | 17:28 Uhr

Einbrüche zwingen sie zur Aufgabe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Jetzt ist Schluss: Anke Christensen stellt den Verkauf am Wehlenkiosk in Niebüll ein. Grund für diese Entscheidung ist, dass in den vergangenen Monaten Diebstähle und Vandalismus stark zugenommen haben.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2013 | 08:15 Uhr

Anke Christensen, Pächterin des Wehlenkiosks, gibt auf. Als Grund für ihren Entschluss, den Pachtvertrag mit der Stadt Niebüll aufzulösen, nennt sie die vielen Einbrüche, Diebstähle, Sachbeschädigungen und Schmierereien, die allesamt in diesem Jahr besonders häufig waren. „Nun ist Schluss“, sagt die 52-Jährige mit einem mehr weinenden als lachenden Auge. Dass ihre vor vier Jahren begonnene Tätigkeit am Niebüller Frei- und Familienbad ein so trauriges Ende nehmen würde, hätte sie nie gedacht. Die Freude daran, den Badegästen zu Diensten zu sein, die eine oder andere Erfrischung zu verkaufen oder den Weg in die Umkleidekabinen und sanitären Anlagen zu zeigen, steigerte sich noch, nachdem die Stadt in das Freibad und dessen Infrastruktur groß investiert hatte. Umkleide-, Toiletten- und Kiosk-Gebäude sowie die DLRG-Wache kosteten 225 000, die Gestaltung der Außenanlagen weitere knapp 300 000 Euro. Insgesamt gab die Stadt für dieses zukunftweisende Projekt annähernd eine halbe Million Euro aus, erinnert sich Bauausschussvorsitzender Karl-Heinz Schmidt. Doch bald stellte sich heraus, dass diesem städtischen Kleinod der Naherholung auch ein wachsames Auges gut getan hätte. Anke Christiansen träumte von einer Wohnung in unmittelbarer Nähe oder auf der Wehlenanlage. Doch es blieb beim Traum. „Ich hätte so die Anlage immer im Blick gehabt“, hängt sie ihren Gedanken nach. Ihre Befürchtungen, dass die liebevoll gestaltete Anlage schnell ungebetenen Besuch bekommen würde, sollten sich alsbald bestätigen.

Nachdem vor nicht allzu langer Zeit die reetgedeckte Ruhebank an der „Kneipp-Ecke“ durch Brandstiftung vernichtet wurde, kokelte es nächtens in der DLRG-Wache. Auch die „Besuche“ des Hauptgebäudes häuften sich. Mal wurde die Tür aufgebrochen, mal das eine oder andere Fenster ausgehebelt, mal geklaut oder eben „nur“ etwas kaputt gemacht. „In diesem Jahr war es besonders schlimm“, sagte Anke Christensen. Sie notierte sechs Einbrüche. Beispiel: Am 23. Mai hatte sie eingekauft und die Waren eingeräumt. Als sie am nächsten Morgen am Kiosk eintraf, war ein Fenster ausgehebelt und aus den Regalen „alles Essbare“ weg. Eine Woche später wurde ein Kioskfenster eingeschlagen, einen Monat darauf ein anderes ausgehebelt. Ganz schlimm sei es nach der Historica-Veranstaltung gewesen, als Fenster und Tür gewaltsam geöffnet wurden. „Ich musste danach mehrere Wochen lang durch eine provisorische Bretterwand verkaufen, bis die Stadt der Fensterwand eine stabile Jalousie vorsetzte.“

Das Wehlengebäude durch eine Kamera überwachen zu lassen, sei aus Datenschutzgründen nicht möglich, war von Udo Petersen (Ordnungs- und Bauwesen beim Amt) zu erfahren. Die bei der Polizei erstatteten Anzeigen hätten bisher nichts ergeben.

Doch Anke Christensen hat auch gute Erfahrungen gemacht. Etliche junge Leute feierten die eine und andere Party. Zuvor baten sie um Müllbeutel, die sie nach ihrer Fete am Gebäude abstellten. Von vielen Familien hörte sie Dankesworte über den guten Service. Mit dem Bürgermeister hat sie jetzt noch einen Termin. Doch es sieht nicht danach aus, dass sich an ihrem Entschluss aufzuhören etwas ändert. Eher steht zu befürchten, dass an dieser idyllisch gelegenen Anlage dem Vandalismus und der Kleinkriminalität Tür und Tor geöffnet bleiben. Am heutigen Sonnabend (13 bis 17 Uhr, Badewehle) veranstaltet sie einen Flohmarkt mit einem Abverkauf all dessen, was im Kiosk geblieben ist.

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