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Merkwürdiger Fund : Einbrecher lässt sein Auto zurück

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein Unbekannter lebt monatelang unerkannt in einem Haus. Für die Entsorgung seines Nissans muss nun der Grundstückseigentümer aufkommen.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Klixbüll | Optisch sieht der rote Nissan „Note“ auf dem ersten Blick gar nicht mal so schlecht aus. Das Fahrzeug ist Baujahr 2006 und hat nur 45. 000 Kilometer auf dem Tacho. Dem Reifen hinten links fehlt die Luft, die Scheibe der Fahrertür sowie das Fenster hinten rechts und ein kleines hinten links sind kaputt und mit Folie abgeklebt. Bis auf ein paar Kratzer im Lack scheint alles in Ordnung. Und doch will niemand das Fahrzeug. Sein Besitzer hat sich vor vier Jahren auf ungewöhnliche Weise von dem Wagen getrennt. Dem Finder, einem Niebüller Geschäftsmann, sind die Hände gebunden.

Der Reihe nach: Im Winter 2010 geht der Mieter eines Hauses in der Gemeinde Klixbüll (Eigentümerin der Immobilie ist die Braderuper Bürgerwindparkgesellschaft) ins Krankenhaus. Was er nicht ahnt und auch niemand bemerkt: Ein Unbekannter nistet sich für diese Zeit – immerhin vier Monate – in dem Haus ein, heizt sogar auf Kosten der Eigentümer die Wohnung mit Strom. Doch dann verschwindet der Unbekannte eines Tages fluchtartig – zurück bleibt sein roter, damals vier Jahre alter Nissan. Die Zündschlüssel stecken noch.

Alfred „Fredi“ Pudschun, Geschäftsführer des Niebüller Autohauses Kornkoog und als Mitglied der Geschäftsführung des Braderuper Bürgerwindparks gleichzeitig Vermieter des Grundstücks, hofft, dass der Wagen abgeholt wird, doch nichts passiert. Er wendet sich an das Ordnungsamt in Niebüll. Doch hier ist man nicht zuständig.

Warum nicht, erklärt der zuständige Sachbearbeiter Hans-Friedrich Andresen. „Der Nissan wurde nicht im öffentlichen Raum abgestellt. Wäre dies der Fall gewesen, hätten wir ihn abschleppen lassen, irgendwo untergebracht und versucht, den letzten Halter zu ermitteln. Das ist meistens an Hand der Fahrgestellnummer gut möglich. Ist der Halter nicht auffindbar, weil nirgendwo gemeldet, wird das Fahrzeug nach einem halben Jahr verschrottet. Handelt es sich um ein neueres Modell, wird es verkauft, das Geld nach Abzug der entstandenen Kosten auf ein Verwahrkonto eingezahlt.“ Sollte dann der Halter doch noch auftauchen, erhält er dieses Geld.

Im Falle des roten Nissan handelt es sich beim Ort des Auffindens um einen privaten Raum. Andresen: „Der Grundstückseigentümer kann in diesem Fall von seinem Hausrecht Gebrauch machen und das Fahrzeug woanders unterbringen.“ Aber niemand könne verlangen, dass dies ewig dauere. Wie lange? „Wir kommen da in den zivilrechtlichen Bereich hinein und können keine Rechtsberatung geben. Da sollte man sich vorsichtshalber an einen Anwalt wenden.“

Alfred Pudschun schildert den Polizeibeamten in Leck sein Problem, aber auch die wollen den Wagen nicht. Die Zulassungsstelle macht zwar den Eigentümer ausfindig. Doch als dieser nicht reagiert, Anschreiben ungeöffnet zurückgehen, gilt der Halter als unauffindbar. Nachdem Steuern und Versicherungen von diesem nicht gezahlt wurden, wird der rote Nissan am 12. Dezember 2011 durch die Polizeibeamten zwangsabgemeldet. „Damit ist der Fall für die erledigt“, sagt Alfred Pudschun. Der Braderuper bleibt auf dem Wagen sitzen. Verschrotten darf er ihn nicht, und an Mechatroniker-Lehrlinge zum Üben abgeben auch nicht. „Er gehört mir ja nicht.“ Also bleibt der Nissan zunächst in Klixbüll stehen.

Am 28. Oktober 2013 wütet Orkan „Christian“ über das Land, und das bleibt auch für den Pkw nicht ohne Folgen. Der Wagen wird durch herabfallende Äste beschädigt. Im Februar 2015 holt Alfred Pudschun den Pkw schließlich auf das Niebüller Firmengelände, parkt ihn in die hinterste Reihe. Und da steht er.

Bis zum Sanktnimmerleinstag? Wohl nicht. Alfred Pudschun hat sich abgesichert, von einem Gutachter die Daten erfassen lassen und gibt das nach all den Jahren wertlose und nicht mehr fahrtüchtige Auto nur an den Eigentümer heraus, wenn dieser für die inzwischen angefallenen Kosten aufkommt. Damit ist allerdings nicht zu rechnen. So bleibt nur die Verschrottung. „Wir werden den Wagen nun vorschriftsmäßig entsorgen“, sagt Fachmann Pudschun. „Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass es so kompliziert ist.“ Er lächelt: „Aber für mich ist das alles ein Riesenspaß.“

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