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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 13:08 Uhr

Einblicke in ein langes Künstlerleben

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Malen, Dichten, Töpfern, Stricken: Gertrud Nordmanns Werk ist vielseitig / Noch bis zum 14. Juni wird die 99-Jährige mit einer Ausstellung geehrt

von
erstellt am 13.Apr.2015 | 10:57 Uhr

Ein Leben ohne Kunst, das möchte sich Gertrud Nordmann nicht vorstellen. Schon als kleines Mädchen entdeckt die gebürtige Dänin, die heute im Desmercieres-Koog in Nordfriesland lebt, ihre Leidenschaft zur Kunst und zum Handarbeiten. Heute, mit 99 Jahren, blickt sie auf eine große Anzahl eigener Werke in unterschiedlichen Techniken; Sie hat gestickt, gestrickt und gemalt und auch mehrere Bücher veröffentlicht.

Die Kulturstation Rodenäs zeigt einige ihrer Werke, die im Zeitraum zwischen 1950 und 2013 entstanden sind und zudem 99 Topflappen, die die Künstlerin im vergangenen Jahr aus Wollresten gefertigt hatte. Wobei es genau genommen am Tag der Vernissage „erst“ 96 Topflappen waren – drei weitere sollen noch folgen. „Ich habe leider nicht pünktlich abgeliefert, aber dafür schenke ich Ihnen dann die drei“, sagt Gertrud Nordmann schmunzelnd zu Barbara Schmidt Tychsen, die gemeinsam mit Elke Nord die Vernissage eröffnete. Aufmerksam verfolgt die Künstlerin die Ansprache, greift der Erläuterung ihres Werkes vor und lacht über ihre Ungeduld, denn Barbara Schmidt-Tychsen hat eine ausführliche Betrachtung der Werke „Die Vagabundin“ und „Wohin führt meine Straße“ vorbereitet.

Diese beiden Bilder spiegeln wohl am deutlichsten den Zwiespalt wieder, in dem die Künstlerin zeitlebens steckte. 1916 in Stolling/Apenrade geboren, drängten ihre Eltern sie dazu, einen Beruf zu lernen, der ihr ein regelmäßiges Einkommen sichert, denn „Kunst geht nach Brot“. So fügt sie sich schweren Herzens dem Wunsch ihrer Eltern und wird Lehrerin. Doch das soll nicht der einzige Beruf sein, mit dem Gertrud Nordmann ihren Lebensunterhalt verdient.

Nach dem Krieg arbeitet sie als Haushaltshilfe in den USA, nimmt eine Stellung bei einer deutsche Familie in Kopenhagen sowie Gelegenheitsjobs an und arbeitet als Fremdsprachenkorrespondentin in einer Margarine-Fabrik in Sonderburg. Hier fertigt sie das Bild „Die Vagabundin“, eine Stickarbeit, an der sie heimlich arbeitet und die sie schnell in der Schublade versteckt, wenn der Chef kommt. Zwar musste Gertrud Nordmann die Kunst oft zugunsten des Broterwerbs einschränken, aber sie fand immer Mittel und Wege, sich weiterzubilden, Gleichgesinnte zu treffen und an einem Kunst-Korrespondenz-Kursus teilzunehmen, den sie erfolgreich mit Abschlussdiplom beendet. Sie besucht Zeichenseminare, Malkurse, lernt Scherenschnitte und Illustrationszeichnen sowie Töpfern. Lehr- und Wanderjahre, die sie im Stickbild „die Vagabundin“ festhält.

1959 heiratet die Künstlerin und zieht mit ihrem Mann nach Hollingstedt an der Treene. Das Paar arbeitet zusammen an einer Schule – er als Schulleiter, sie erneut als Lehrerin – und bekommt eine Tochter, Gesche. Eine sehr glückliche Zeit für Gertrud Nordmann, in der zahlreiche Werke entstehen, unter anderem „Der stille Genießer“ und „Kirmesfest in Hollingstedt“.

Mit ihrer Pensionierung im Jahr 1976 hat Gertrud Nordmann endlich viel Zeit, sich ihrer großen Leidenschaft zu widmen und wandert mit Staffelei und Ölfarbe die Treene entlang. Als drei Jahre später ihr Ehemann stirbt, verspürt sie einen unbändigen Drang, ihren Horizont zu erweitern: „Nun, wo ich wieder alleine dastand, wollte ich etwas von der Welt sehen.“ Sie reist nach Südtirol und Norditalien, Siena und Frankreich und lässt dabei nie die Kunst aus dem Auge. Sie gibt Töpferkurse, modelliert mit Ton und entwickelt zudem eine Leidenschaft zur Sprachforscherin. Etwa zehn Publikationen gibt die Küsterin heraus, Volkstanz- und Spielesammlungen, kleine Erzählungen, Lyrik – und alles natürlich selber illustriert.

So vielseitig wie ihr Leben sind auch die Werke von Gertrud Nordmann, die sich angesichts des großen Publikums, dass sich zur Ausstellungseröffnung in den Zollhäusern eingefunden hat, begeistert zeigt. „Also so etwas habe ich noch nie erlebt; ich freue mich sehr über diese große Runde.“ Auf die Frage von Barbara Schmidt-Tychsen, ob sie selber noch ein paar Worte sagen möchte, antwortet sie schmunzelnd: „Nein, es ist alles gesagt“.

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