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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 14:55 Uhr

Blütezeit : Ein zu frühlingshafter Winter

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die heimische Tier- und Pflanzenwelt reagiert derzeit auf die milden Temperaturen. Doch damit könnte es schon bald vorbei sein. Für die kommende Woche kündigen die Wetterexperten Frost an.

Es ist ein für diese Jahreszeit ungewöhnlicher Anblick, den die Natur seit ein paar Tagen bietet: In manchen Gärten zeigen sich die ersten Schneeglöckchen, was sonst erst im Februar oder März geschieht. Und sogar das Gänseblümchen blüht bereits auf Rasenflächen – der Winter gibt sich frühlingshaft. „Dieser Januar ist sechs Grad Celsius zu warm“, bestätigt Gerd Müller, Wetterexperte aus Niebüll. Ähnlich mild sei es in Südtondern das letzte Mal im Winter 2007 gewesen, erklärt er.

„Ist bis Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch kein strenger dahinter“, besagt eine Bauernregel, die in den letzten Tagen häufiger zu hören war. Gerd Müller mag sie aber nur zum Teil bestätigen, denn der Wetterexperte rechnet damit, dass Anfang der kommenden Woche der Winter doch noch eintrifft. „Aber nicht so stark wie in Amerika“, sagt er, „sondern tagsüber mit Temperaturen um den Gefrierpunkt sowie Minusgrade in der Nacht.“ Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich die kalte Jahreszeit deutlich verschoben. „In den Regel auf den Februar und März“, resümiert Müller.

„Im Moment ist es zu warm für diese Jahreszeit – die Natur meint gerade, es sei Frühling. Man könnte ja fast schon Rasenmähen“, sagt auch Johannes Boysen von der Niebüller Baumschule Boysen. Dabei könnte die Pflanzenwelt Temperaturen bis zu fünf Grad Frost gut vertragen. „Pflanzen brauchen im Winter ihre Ruhephase, um Kraft zu sammeln“, verdeutlicht der Experte.

Problematisch seien die Frühlingstemperaturen mitten im Winter zum Beispiel für Rosen. Boysen: „Die bilden jetzt frische Wurzeln. Wenn dann kräftiger Frost kommt, platzen die Zellen und die Pflanzen leiden.“ Ganz normal sei allerdings, dass einige Bäume mitten im Winter blühen: „Für Zierkirsche und Schneeball zum Beispiel ist jetzt die Zeit. Die dürfen blühen.“ Weidenkätzchen, die mancherorts schon hervorlugen, seien aber eindeutig zu früh dran. Jedoch: „Wir sollten uns über die Laune der Natur und über jede Blüte freuen, die jetzt schon da ist. Denn ändern können wir es nicht“, sagt Boysen.

Die Tierwelt reagiert ebenfalls auf die milden Temperaturen, hat der Biologe Dr. Uwe Sörensen aus Süderlügum festgestellt: „Das Rotkehlchen habe ich gehört, auch die Meisen singen schon – das sind sonst typische Frühlingsboten. Die Amseln tragen bereits Streitigkeiten um das Revier aus.“ Falls wie angekündigt tatsächlich der Winterfrost doch noch einbricht, könne das für Igel zum Problem werden: „Wenn es so warm ist, wachen die Tiere zu früh auf und werden aktiv. Wird es dann plötzlich kalt, kann es sein, dass einige Igel das nicht überleben.“

Für viele Insekten seien starke Temperaturschwankungen hingegen kein Problem, sagt Dr. Sörensen: „Die Ameisen sind aufgewacht und sind jetzt auch aktiv. Wenn der Frost kommt, kehren sie zurück in die Kältestarre.“ Einige Schädlinge allerdings kämen schlechter mit dem Wechsel zwischen warm und kalt zurecht und seien anfälliger für Krankheiten, sagt der Biologe: „Für Gartenfreunde besteht daher die Hoffnung, dass sich das Wetter negativ auf Schädlinge auswirkt.“

Negativ auf die Landwirtschaft wirkt sich derzeit vor allem Nässe aus: „Uns Landwirte nervt nicht das warme Wetter, sondern die fürchterlichen Niederschläge. Seit Oktober regnet es im Grunde, was zu starken Problemen führt. Das Wasser läuft nicht ab, die Felder verschlemmen und die Pflanzen können nicht mehr atmen“, sagt Wolfgang Stapelfeldt, Kreisvorsitzender des Bauernverbands. Hier könne Kälte Abhilfe schaffen: „Wenn der Frost kommt, wird der Boden brüchig und das Wasser läuft besser ab. Dann sind die Felder nicht mehr so nass.“ Allerdings: „Das milde Wetter hat den Vorteil der niedrigen Energiekosten, ein wirtschaftlicher Aspekt, der gerade in den Schweineställen nicht unerheblich ist.“

 

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erstellt am 10.Jan.2014 | 05:30 Uhr

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