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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 02:10 Uhr

Ein Wechselbad der Gefühle

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die in Dänemark lebende Pianistin Marie-Luise Bodendorff begeisterte die Gäste der Musikfreunde Leck mit einem gefühlvollen Klarvierkonzert

Beim 231. Konzert des Vereins der Musikfreunde in Leck und Umgebung verlief alles anders als geplant. Aus organisatorischen Gründen hatte die Veranstaltung vom Rathaussaal in den Festsaal der Nordsee Akademie verlegt werden müssen. Vier Tage vor dem festgesetzten Konzerttermin hatte sie die Nachricht erreicht, das verpflichtete Instrumentalduo könne aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten. Dankenswerterweise habe sich aber die in Dänemark lebende Pianistin Marie-Luise Bodendorff – trotz der extremen Kurzfristigkeit der Einladung – spontan bereit erklärt, einen Klavierabend zu gestalten. Die Künstlerin war im Rahmen der vom Deutschen Musikrat betreuten Konzertserie „Podium junger Künstler“ – zusammen mit ihrer Duo-Partnerin Sae-Nal Lea Kim – schon einmal mit großem Erfolg zu Gast in Leck.

Vor dem Konzert bat Heidi Specht-Christel, Vorsitzende der Gastgeber, zunächst um eine Schweigeminute zu Ehren des kürzlich verstorbenen Kassenwartes im Gründungsvorstand, Peter Bocksch.

Marie-Luise Bodendorff begann ihr Programm mit dem Rondo C-Dur, op. 1, von Friedrich Kuhlau, einem Komponisten, um dessen Etüden kein Klavierschüler herumkommt, dessen frische, solide und fantasievolle Sonatinen aber verdient hätten, viel häufiger im Rahmen von Konzerten gespielt zu werden. Dies gilt auch für das einleitend interpretierte Rondo, op. 1, das viele gesangliche Passagen aufweist, sich häufig aber auch temperamentvoll präsentiert und sich am Ende dramatisch zuspitzt.

Es folgte der „Faschingsschwank aus Wien, op. 26“, von Robert Schumann. Das Werk stellte hohe Ansprüche an die Interpretin, die ihren Aufgaben aber vollauf gerecht wurde. Als wichtigster Satz wurde das einleitende, sehr lebhafte und ausgedehnte „Allegro“ empfunden, das auch realen Bezug zum Faschingstreiben erkennen und neben einem alten Volkslied auch die „Marseillaise“ durchschimmern ließ, wenngleich in rhythmisch verfremdeter Form. Was die nachfolgende, betont elegische Romanze mit dem von Haus aus fröhlichen Fasching zu tun hat, bleibt Schumanns Geheimnis. Auf alle Fälle aber stellt sie für alle Freunde der Romantik einen gefühlvollen Hörgenuss dar. Dies gilt in besonderem Maße auch für das unmittelbar ins Ohr gehende „Intermezzo“ vor dem sehr virtuos gestalteten Finale.

Der gesamte zweite Teil des Konzertes und zugleich dessen Höhepunkt bestand aus der meisterlichen Wiedergabe einer Serie von zehn „Preludes“ von Sergej Rachmaninoff (1873-1943), ausgewählt aus seinen Werken op. 23 und op. 32. Die in ihrem Stimmungsgehalt sehr wechselhaften Kompositionen führten den Zuhörer durch ein wahres Wechselbad der Gefühle: von friedlicher Betrachtung imaginärer Landschaften über spannungsreiches Erleben besonderer Ereignisse bis zum Genuss von – auf höchstem Niveau – cantabile gestalteter Passagen. Als besonders nachhaltig beeindruckend erwies sich das Prelude Nr. 4, D-Dur, aus op. 23.

Der lebhafte und „nicht enden wollende“ Schlussapplaus des Publikums bewog Marie-Luise Bodendorff, noch mit einer Zugabe aufzuwarten: einem fröhlichen Satz von Francis Poulenc.

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erstellt am 13.Okt.2015 | 15:27 Uhr

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