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Nordfriesland Tageblatt

17. Oktober 2017 | 14:06 Uhr

Imitator : Ein Vogelversteher mit Pfiff

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Seine Imitationen von Rotkehlchen, Blaumeise oder Kleiber sind täuschend echt: Dr. Uwe Westphal begeisterte in Niebüll sein Publikum.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2014 | 05:30 Uhr

Donnerstagabend im Naturkunde-Museum: „Eigentlich können wir gar keinen mehr reinlassen“, sagt Carl-Heinz Christiansen. Der Museumschef ist ein bisschen baff – im Veranstaltungssaal reichen die Stühle nicht, die Besucher sitzen teilweise schon auf Hockern. Der Grund für den großen Zustrom ist ein Mann im Karo-Hemd und Nickelbrille, dem sein guter Vogelruf offenkundig vorausgeeilt ist. Dr. Uwe Westphal ist Biologe, Autor – und Tierstimmenimitator.

„Fangen wir lieber an. Nicht, dass noch noch mehr kommen“, sagt der Star-Gast lächelnd, der schon in diversen TV-Sendungen aufgetreten ist. Durch das offene Fenster ist Vogelgesang zu hören. „Spatzen, das kann ich auch“, sagt er, greift zum Mikrofon – und zwitschert los. Was er mit Zähnen, Lippen und Stimmbändern hervorbringt, klingt täuschend echt. Das feine Trillern der Blaumeise, der temperamentvolle Gesang des Kleibers oder das Krächzen des Kolkraben, dem größten Singvogel der Welt – wer die Augen schließt, wähnt sich in der Natur.

Begleitet werden die Vogelimitationen von beeindrucktem oder erkennendem Kopfnicken seitens des Publikums und unterhaltsamen Erklärungen des Experten. Das Rotkehlchen zum Beispiel, das nah an den grabenden Hobbygärtner heranrückt, ist nicht etwa besonders zahm, sondern nur scharf auf freigelegtes Futter: „Das Rotkehlchen würde auch einem wühlenden Wildschwein folgen“, verrät Westphal, erntet großes Gelächter, auch wenn er gleichzeitig mit Sicherheit die Illusionen einiger Gäste zerstört hat.

Der Buntspecht singt nicht und trommelt nur, der Schwarzspecht trommelt, singt und ruft, erfahren die Zuhörer. „Und der Schluckspecht?“– diese Frage wird zur Freude der Anwesenden auch mit einer kehligen Imitation beantwortet. Ob Möwen, Schwalben, Bekassinen oder Wendehälse: Der Referent ist ein wandelndes Vogelkonzert. An einige Imitationen jedoch wage er sich nicht heran, sagt der zertifizierte Natur- und Landschaftsführer. „Das wäre Nachtigall-Lästerung“, sagt er mit Verweis auf den Vogel, der bis zu 260 unterschiedliche Strophentypen intoniert.

Weniger komplex, aber überlebenswichtig sind die Warnrufe der Vögel, wenn Nachbars Katze sich anschleicht oder ein Luftangriff durch einen Falken oder Sperber droht. Und auch Eselsbrücken hat der Herr der Vogelstimmen parat: „Der Unteroffizier, ich bin der Unterrrrroffizierrrr“ etwa bringt dem Publikum den typischen Finkenschlag näher. Andere Merksprüche sind durchaus länger; ob sie dem Publikum im Gedächtnis bleiben, ist jedoch zweitrangig. Denn dass der Vogelversteher sie im richtigen Rhythmus hersagt und gleich darauf den entsprechenden Gesang hinterherliefert, ist Erlebnis genug.

Wie überhaupt der gesamte Vortrag, der anderthalb Stunden wie im Vogelflug vergehen lässt. Das Publikum klatscht nicht nur anhaltend, sondern verlangt auch eine Zugabe. „Jetzt machen Sie mir aber zum Schluss noch die Rohrdommel“, bittet eine Dame aus dem Publikum – und wird nicht enttäuscht.

„Naturetainment“ nennt Westphal selbst sein Programm, also eine Mischung aus Natur und Unterhaltung. Für die Tatsache, dass regelmäßig viele Menschen zu seinen Vogelstimmen-Vorträgen strömen, hat er eine einfache Erklärung: „Das öffnet den Menschen das Herz. Und sie lernen auch noch etwas dabei.“

Geboren wurde Uwe Westphal in Hamburg, viel Zeit habe er aber auf dem Bauernhof seiner Großeltern verbracht, berichtet er. Schweine, Kühe, Hund und Katzen – früh habe er Spaß daran gefunden, Geräusche mit seiner Stimme zu imitieren. „Ich soll schon als kleines Kind auf der Wiese gesessen haben, umringt von Hühnern. Wir haben uns prächtig unterhalten.“

Übrigens: Viele haben die Imitationen von Uwe Westphal schon erlebt, ohne es zu wissen. Seine Vogelgesänge und-rufe sind an einigen Exponaten der Singvögel-Ausstellung des Niebüller Naturkundemuseums zu hören, auch die Texte stammen teilweise von ihm.

 




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