Südtonderns Natur : Ein vielfältiger Lebensraum

Zugvogelschwärme sind am Haasberger Seengebiet zu beobachten: neben zahlreichen Staren auch oft unterschiedliche Gänsevögel.
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Zugvogelschwärme sind am Haasberger Seengebiet zu beobachten: neben zahlreichen Staren auch oft unterschiedliche Gänsevögel.

An der deutsch-dänischen Grenze liegt das große Naturareal „Haasberger Seengebiet“, das zu einem Biotopverbund gehört.

shz.de von
20. März 2018, 14:41 Uhr

Südtondern | Unmittelbar an der deutsch-dänischen Grenze liegt an der Süderau ein wunderbares Naturareal, an dem der Dreiharder-Gotteskoogstrom vorbei führt. Es ist der ehemalige Haasberger See, der heute ein weitläufiges Schilfgebiet darstellt und einen wertvollen Lebensraum für unterschiedlichste Vogelarten bietet. Zum Schutzgebiet gehören jedoch auch extensiv genutzte Feuchtwiesen und ungenutzte Grünländereien, in die zahlreiche Teiche hinein gestreut sind, ideal für eine Vielzahl an Amphibien der unterschiedlichsten Arten.

Es ist gefühlt noch Winter, und still und verloren liegen Wiesen und Schilf in gelbbraunen Farben unter einem düsteren Himmel, der dem kurzen Tag etwas Licht beschert. Das Schutzgebiet selbst darf nicht betreten werden, aber es führen Wanderwege so entlang, dass man überall gute Einblicke hat, vor allem von der dänischen Seite. Mit einem Fernglas ausgestattet wird man auch in dieser Jahreszeit interessante Beobachtungen machen können.

Es ist nicht ungewöhnlich, jetzt seltene Kornweihen zu sehen. Als Brutvögel kaum vorhanden, sind sie jedoch gerade in diesen Monaten zu beobachten. Ja, sie haben sogar ihre Schlafplätze im Schilf, in das sie jeden Abend langsam einfliegen und noch lange niedrig umher gaukeln, ehe sie in das dürre Reet eintauchen, umgeben von Starenschwärmen, die ebenfalls hier nächtigen und oft in ganzen Wolken aus dem Umland eintreffen. Lautstark kommunizierend versammeln sie sich zu Tausenden, um sich am frühen Morgen wieder zur Nahrungssuche über die Wiesen zu verteilen.

Das Haasberger Seengebiet gehört zu Natura 2000 und der Flora-Fauna-Habitatsrichtlinie, einem vernetzten Biotopverbund, das sich europaweit über die unterschiedlichsten Lebensräume verteilt. Ursprünglich war das Areal für die Entwässerung gedacht, seit 2007 jedoch zugunsten der Natur erheblich gestaltet worden. Heute ist dort ein Feuchtgelände entstanden, welches im Winter innerhalb der Deiche mit Wasser überflutet ist, sodass zeitweise ein weitläufiger See entsteht, wovon die Teiche ausgenommen sind.

Die gesamte Weite Südtonderns, die bereits Emil Nolde so begeisterte, ist hier zu erleben. Ein hoher Himmel und die scheinbare Unendlichkeit der Marsch. Welcher Vogelreichtum tönt einem im Frühling entgegen: Da gibt es Feldlerchen und Wiesenpieper, Braunkehlchen sitzen auf den Spitzen der Disteln, Kiebitze und Uferschnepfen umkreisen einen mit ihren charakteristischen Rufen, mit dem Ziel, Eindringlinge vom Nest fern zu halten. Oder man hört des Nachts das tiefe Brumb einer Rohrdommel aus dem Schilf dröhnen, für nicht Eingeweihte beinahe gespenstisch wirkend.

In den Wintermonaten ist eine große Menge an Wasservögeln auf den Seeflächen anwesend. Enten der unterschiedlichsten Arten treiben umher, Krick- und Stockenten gründeln, braune Tafel- und beschopfte Reiherenten tauchen. Dazu seltener zu beobachtende Spieß- und Schnatterenten zusammen mit Knäk- und Pfeifenten, die tatsächlich einen pfeifenden Ruf haben.

Wohl ein Dutzend Arten werden zu entdecken sein. Aber auch Taucher wie Hauben- und Zwergtaucher sind da, letztere wie kleine Korken aufploppend, um sofort wieder in der Tiefe zu verschwinden. Dazu eine große Menge an unterschiedlichen Gänsevögeln und Schwänen.

Ständig kommen andere Vögel von der Nordsee herbei. Herrscht dort Flut, fliegen sie ins Binnenland um dort abzuwarten, bis das freilaufende Wattenmeer wieder reichhaltig Nahrung frei gibt. Limicolen wie verschiedene kleine Strandläufer sind dabei, aber auch große mit enorm gebogenem Schnabel wie die Brachvögel, die sich flötend niederlassen. Es sind einzigartige Töne, die die Vogelwelt Südtonderns aufweist, die den Einwohnern geläufig sind und zu ihrer Heimat gehörig halten, ohne die die Landschaft öde und kahl wäre.

Aber welch Spektakel tut sich im Winter jeden Abend auf: Hunderttausende Stare kommen daher, in riesigen Wolken ziehen sie ein über die Schilffelder, absolvieren unglaubliche Flugmanöver. Schwärme, die ineinander fliegen, um sich wieder zu trennen, lautes Rauschen der Massen an Flügeln, die die Luft brechen. Für Beobachter ist es unmöglich, die Ordnung der Flugmanöver zu durchschauen. Aber sie gehören zu dem Beeindruckendsten, was unsere Heimat bei Vögeln bietet.

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