Kulturpreis : Ein verdienter Friese

Jörgen Jensen Hahn wird mit dem Friesischen Kulturpreis 2015 ausgezeichnet / Laudatio sprach die Minderheitenbeauftragte des Landes

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13. Januar 2015, 05:00 Uhr

Raue Schale, weicher Kern – aber ein Friese durch und durch. Das attestierte die Minderheitenbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein Renate Schnack dem Risum-Lindholmer Jörgen Jensen Hahn. Sie sprach die Laudatio auf den 62-jährigen Leiter der dänisch-friesischen „Risem Schölj“, dem der Ostermoringer Friesenverein am Sonntag den Kulturpreis 2015 verlieh und damit seine Verdienste um friesische Sprache und Kultur würdigte.

Die Auszeichnung händigte Vereinsvorsitzender Hauke Friedrichsen aus. Mit dem Preis, der an den verdienten Schulleiter verliehen wurde, ehren die Ostermooringer Bürger aus der Gemeinde Risum-Lindholm, die sich um die friesische Sache verdient gemacht haben. In dieser stehen Sprache und Kultur an vorderster Stelle. Und um diese bemühen sich im Dorf mit seinen 3600 Einwohnern zwei Vereine: der „Frasche Feriin for e Ååstermååre“ und die „Friisk Foriining“. Jörgen Jensen Hahn, langjähriger Vorsitzender der „Foriining“, ist aus seinem Verein der erste der bisherigen sieben Preisträger, die ein dorfinternes Gremium auswählt. Der Preis wird, wie Hauke Friedrichsen erläuterte, nicht alljährlich regelmäßig verliehen, sondern nur dann, wenn sich eine Persönlichkeit aus dem Dorf durch ihre Leistungen und Verdienste dazu aufdrängt.

Und davon hatte Jörgen Jensen, wie die Minderheitenbeauftragte anklingen ließ, eine stattliche Reihe vorzuweisen. Hahn, 1952 in Niebüll geboren, in Emmelsbüll-Horsbüll aufgewachsen, „friesischer Westküstler im deutsch-dänischen Grenzland“ und von seiner Landschaft geformt, habe sich widerstandsfähig und bisweilen auch widerborstig gezeigt. Nach seiner Ausbildung für das Lehramt in Dänemark war die dänisch-friesische Risem-Schölj 1978 erste Station für ihn, „jedoch nicht nur als Lehrer, sondern auch als Schüler“, erklärte Renate Schnack. Seine Lehrmeisterin sei Marie Tångeberg, die heute 90-jährige „Grande Dame“ des Friesischen, gewesen.

Bei der Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz durch Bundespräsident Gauck im September 2014 sei deutlich geworden, dass sich alles Tun und Handeln des Jörgen Jensen Hahn als authentisch zeigte und System hatte. Schnack zählte all die Stationen auf, die der verdiente Friese durchlief: Vereine und Einrichtungen, in denen er mitwirkte, sowie Einrichtungen, die er mitgestaltete, allesamt eine stattliche Summe teilweise in sich verwobener Aktivitäten „zwischen Risum-Lindholm und Europa.“ Hahn gab sich, bescheiden wie man ihn kannte, doch einigermaßen überrascht. „Genau genommen wusste ich nicht, warum ich heute hierher sollte.“ Es dauerte, bis er begriffen hatte, was ihm aus seinem zur Heimat gewordenen Dorf widerfahren war. Mit der Ehrung sah der frisch gebackene Träger des Kulturpreises 2015 auch sein friesisches Umfeld geehrt. Und die Ostermooringer, die Jörgen Jensen Hahn schon lange als einen aus ihrer friesischen Mitte sahen, stellten einmal mehr unter Beweis, dass alte Animositäten unter den Friesen Vergangenheit sind und längst von einer sehr lebendigen, kreativen und zukunftsweisenden Gegenwart abgelöst wurden. Der Feier im Andersen-Haus wohnte eine handverlesene Schar Risum-Lindholmer Friesen bei, dazu die Familie des neuen Würdenträgers und die singenden Lerchen der Ostermooringer.

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