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Nordfriesland Tageblatt

16. Dezember 2017 | 08:49 Uhr

Flüchtlinge : Ein Stück Willkommenskultur

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche und Ehrenamt begrüßten im Rathaus Lecks Neubürger mit munteren aber auch mahnenden Worten

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Zu Obst, Gebäck, Tee und einer fleischlosen Suppe lud die Gemeinde Leck gestern im Ort lebende Flüchtlinge ein. „Das ist ein Symbol, dass wir mit Ihnen teilen möchten und soll gleichzeitig ein Signal sein für eine gemeinsame Zukunft“, rief ihnen Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn zu und: „Hier leben 7600 Menschen. Sie gehören jetzt dazu! Seien Sie willkommen!“

Der Rathaussaal füllte sich schnell, einige Stühle mussten noch herbeigeschafft werden. Insgesamt nahmen rund 90 Flüchtlinge, Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche und Paten Platz. „Wir haben vieles gesehen, vieles gehört, aber nicht das erlebt, was Sie erlebt haben“, sagte der Bürgermeister. Nach einem langen Weg seien die Neubürger nun hier: „Kommen Sie erst einmal zur Ruhe. Zur Ruhe mit sich selbst und mit ihren Familien.“ Die Gemeinde Leck und das Amt Südtondern hätten sich bestmöglich auf die Menschen aus anderen Ländern, die in Not waren, eingestellt.

Rüdiger Skule Langbehn dankte vor allem den engagierten Bürgern, die die Asylbewerbern im Alltag begleiten, allen voran Monika Hahn-Naninga als Koordinatorin des „Runden Tisches zur Integration“. Den Flüchtlingen empfahl der Bürgermeister, rasch unsere Sprache zu erlernen, denn die Sprache sei der Schlüssel zur Gesellschaft. Aber er forderte auch: „Machen Sie sich vertraut mit unserer Kultur und bedenken Sie, dass hier unsere Gesetze gelten und Sie sich danach richten müssen.“ Als sehr wichtig hielt Langbehn ebenfalls eine andere Tatsache: „Frauen sind bei uns gleichberechtigt. Sagen Sie dieses auch Ihren Kindern! Frauen haben bei uns die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer!“ Wenn die ausländischen Mitbürger das akzeptierten, dann werde das Zusammenleben in der Gemeinschaft klappen. Last not least warnte der Bürgermeister, keine unbekannten Früchte oder Pilze zu essen, was in der Bundesrepublik bereits häufiger zu Problemen geführt habe.

Die Ausführungen des Bürgermeisters übersetzte Monika Hahn-Naninga in die englische Sprache, was Ibrahim Alsunaidar auf arabisch weitergab. Die Koordinatorin ging auf die Gründung des „Runden Tisches“ vor gut einem Jahr ein, auf dessen Arbeitsfelder und vielen freiwilligen Helfer. Lob galt dem Bürgermeister, der Verwaltung, dem Sozialamt, den Pastoren und Vereinen: „Ich habe noch nie erlebt, dass ich barsch abgewiesen wurde.“ Die Abendvolkshochschule biete derzeit sieben Sprachkurse für Asylbewerber an, listete sie auf, ein Flüchtling engagiere sich bereits in der Feuerwehr, drei Migranten im DRK und fünf absolvieren Praktika. „Mit sechs Paten haben wir angefangen, jetzt begleiten etwa 45 Paten die Menschen, die Hilfe nötig haben. Wir sind wirklich eine starke Truppe!“ Unterstützt wird die Arbeit des „Runden Tisches“ von vier Dolmetschern sowie einigen Sprachmittlern aus den Reihen der Asylbewerber.

Weil Monika Hahn-Naninga sowie die Paten „einen großen Job“ machen, überreichten Bürgervorsteher Andreas Deidert und Gerd Komander vom Bürgerfestverein einen Scheck in Höhe von 600 Euro. Das ist der Erlös vom Bürgerfrühstück auf der „Bunten Meile“. In englischer Sprache vermittelte Andreas Deidert Wissenswertes über politische Strukturen von Bund und Land bis hin zur Gemeinde Leck mit seinen 85 Vereinen und Organisationen.

Vor dem abschließenden Schmaus und smalltalk meldete sich Abbas Hosainiam aus Afghanistan zu Wort: „Ich bin froh, mit meiner Familie hier aufgenommen worden zu sein und bedanke mich bei allen, die uns geholfen haben.“ Wie er bediente sich auch sein Landsmann Ahmadwalid Ziaye der deutschen Sprache: „Ich werde jeden Tag in Deutschland in Erinnerung behalten. Ich lebe gern hier in Leck und wünsche mir eine Ausbildung zu machen oder eine Arbeitsstelle zu bekommen.“
 

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