„Ketel Trepp“ : Ein Stück Lecker Geschichte

Viele Hände fassten mit an: Die Ladeneinrichtung von „Ketel Trepp“ wird abgebaut.
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Viele Hände fassten mit an: Die Ladeneinrichtung von „Ketel Trepp“ wird abgebaut.

Die Einrichtung des ehemaligen Kram-Ladens „Ketel Trepp“ wird bewahrt und soll im besten Fall Teil eines Dorfmuseums werden.

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30. Januar 2018, 17:31 Uhr

Leck | Staubzucker für 55 Pfennige pro 500 Gramm lagerte in einer Schublade. Das vergessene Lebensmittel aus längst vergangener Zeit ist ungenießbar geworden und muss weg. Nicht so die schöne alte Ladeneinrichtung im ehemaligen Kramladen „Ketel Trepp“. Die soll erhalten bleiben und wurde nun vor der Entrümpelung gerettet.

„Mit dem Haus Ketel Trepp (benannt nach dem früheren Inhaber Ketel Johannsen) oder ‚Trepp up‘ verbinden sich in Leck für viele Menschen Kindheitserinnerungen“, sagte Bürgervorsteherin Sabine Detert. Wer habe dort nicht Naschereien erstanden, sich die Nase an der Schaufensterscheibe plattgedrückt, als Erwachsener einzelne Schrauben gekauft oder den zerbrochenen Teller vom guten Goldrandgeschirr ersetzt? Es gab in diesem Krimskramladen in der Hauptstraße 23 eben nichts, was es nicht gab.

Seit über sieben Jahren blieb die Ladentür geschlossen, weil die Kauffrau Annemarie Johannsen-Fitzke erkrankt war. Im vorigen Jahr starb sie, das Haus ging an eine Erbengemeinschaft. Beim Bürgerfest 2017 wurde noch einmal die Tür geöffnet für einen radikalen Ausverkauf. Vor Interessenten konnte man kaum einen Fuß vor den anderen setzen.

Inzwischen wurde Platz geschaffen in dem 130 Jahre alten Gebäude. Noch vorhanden ist die Kaufmannseinrichtung. Sabine Detert hatte im Namen der Gemeinde Interesse angemeldet und machte Nägel mit Köpfen: In Kooperation mit dem Geschichtsverein Leck, dem Restaurator Gunnar Neve und mit finanzieller Unterstützung der „Bürgerstiftung Miteinander – Füreinander“, die 1000 Euro dafür hinblätterte, soll die Einrichtung bewahrt werden. Gunnar Neve schätzt das Alter auf über 80 Jahre: „Das ist gute Tischlerarbeit und eine Maßanfertigung für diesen Laden.“

Nun bauten engagierte Helfer um Sabine Detert und Hans-Martin Petersen vom Geschichtsverein Leck das Mittelstück, den Vordertresen und andere dazugehörige Elemente ab. Auf dem Greentec-Gelände wird alles zwischengelagert, bis Gunnar Neve das Go für die Restaurierung erhält und die Einrichtung irgendwann vielleicht in einem Dorfmuseum, so ist die Idee, seinen Platz findet.

Für den Geschichtsverein interessant sind alte Bücher und Unterlagen aus diesem Hause: Ein handgeschriebenes Journal von 1952, eine Inventar-Auflistung von 1954 oder ein Wareneingangsbuch aus dem Jahre 1949 sind darunter. Private Erinnerungen geben einen Einblick in frühere Zeit: Einen Brief an die Mutter hatte ein Walter in der Kriegszeit 1943 verfasst, die Schultüte zur Einschulung von Annemarie Johannsen wurde hervorgekramt und ebenso eine Zeitung vom 30. Mai 1964.

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