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Zufallsfund im Hertiehaus : Ein Stück Geschichte in alten Mauern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Abrissarbeiten am ehemaligen Hertie-Haupthaus haben begonnen / „Südtondern Tageblatt“-Ausgaben als Dämmung in Zwischendecken

von
erstellt am 11.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Es ist Tag 11 bei den Abrissarbeiten in der Niebüller Hauptstraße: Gegen 8.15 Uhr wird es auch für die vorbeigehenden Spaziergänger spannend: Der rechte Giebel des ehemaligen Dierks/Karstadt/Hertie-Gebäudes gibt den Greifarmen des Abbruchgerätes nach. Am Joystick sitzt wieder Baggerfahrer Stefan Clausen. Das Fahrzeug steht auf einer zuvor aufgeschütteten Rampe aus Schutt und Ziegeln. „Nur so komme ich gut an das Dachgeschoss heran“, erklärt er. In sieben Metern Höhe zerlegt der Fachmann Stück für Stück den ersten Abschnitt des Daches. Gemeinsam mit seinem Kollegen Pascale Wroblewski wird immer wieder zwischendurch der Abraum nach Wertstoffen sortiert, getrennt aufgeschichtet. Nur wenige Passanten bleiben für einen Moment im Regen stehen und verharren. „Die Giebel sind das Schwierigste“, erklärt Stefan Clausen. Vorsichtig müsse man da herangehen, denn fallende Steine seien manchmal unberechenbar. Für den Abriss des Hauptgebäudes rechnet er vorsichtig mit drei Tagen.

Gegen 10 Uhr machen sich Pascale Wroblewski und Stefan Clausen (beide von der Firma Balzersen in Harrislee) daran, die Verbindungsstücke zwischen dem Hertie-Haus und dem Nachbargebäude – hier ist im Erdgeschoss ein Optiker untergebracht, die Obergeschosse dienen als Wohnung – zur trennen. „Wir haben festgestellt, dass die Gebäude durch zwölf Stahlträger miteinander verbunden sind. Obenauf liegt im Nachbarhaus noch eine Betondecke“, erklärt Clausen. Das bedeutet viel Arbeit, denn diese Verbindungen müssen nun von Hand durchgetrennt werden, um so Schäden unbedingt zu vermeiden.

Bei deutlich besserem Wetter war bereits am Donnerstag das Nebengebäude des ehemaligen Kaufhauses, in dem einst, Bücherei, Schusterei und zuletzt die Elektronik-Abteilung von Hertie untergebracht waren, dem Erdboden gleichgemacht worden. Dabei haben die beiden Handwerker durch Zufall einen für Journalisten und Hobbyforscher kleinen „Schatz“ gehoben. „In der Decke haben wir etliche alte Zeitungen entdeckt“, berichtet Stefan Clausen. „Viele waren nicht mehr zu retten, weil sie entweder brüchig oder schon von Mäusen zerfressen waren. Ich denke, sie dienten zur Dämmung. Wir finden sie häufig auch hinter alten Tapeten.“

Leicht vergilbt aber erstaunlich gut erhalten geblieben sind eine Ausgabe der Monatszeitung „Der Beamtenbund“ vom März 1965 sowie eine Ausgabe des Südtondern-Tageblatt, der Vorgängerin des Nordfriesland Tageblatt, vom Donnerstag, 24. Juni 1965. Die Tageszeitung hatte zur damaligen Zeit acht Seiten, davon eine Lokalseite, wenige schwarz/weiß-Fotos und kostete 25 Pfennig. Ein interessantes Zeitdokument ist sie auch heute noch.

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