Heute ist Tag des offenen Turms : Ein Stück Geschichte bewahrt

Gelungen: der Innenbereich des Turms.
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Gelungen: der Innenbereich des Turms.

Von 14 bis 17 Uhr ist der restaurierte Wasserturm in Niebüll für die Bevölkerung geöffnet.

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19. Juni 2015, 06:30 Uhr

200 Lehrlinge aus den Bauhauptgewerken der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord haben zwei Jahre lang an dem Wasserturm gewerkelt, insgesamt 10  000 Arbeitsstunden investiert. Nun ist er fertig: der Niebüller Wasserturm. Von dem beeindruckenden Ergebnis können sich Interessierte heute, Freitag,  zwischen 14 und 17 Uhr bei einem Tag des offenen Turmes überzeugen.

Aus dem fensterlosen, dunklen und stark verdreckten „Verlies“ ist ein wahres Schmuckstück geworden. Die vom Bahnsteig zur ZOB-Seite hin versetzte Eichenholztür, hergestellt von den Lehrlingen der Bildungs- und Arbeitswerkstatt, ist mit den historischen Beschlägen versehen. Wer den Turm betritt, sieht an dem Platz, wo sie sich früher einmal befunden hat, noch die Konturen. „Das haben wir zu Dokumentationszwecken bewusst so gemacht“, sagt Olaf Behrmann von der Kreishandwerkerschaft (Ausbildungsbetreuung und Projekte). „Der größte Einzelposten und von der Bauzeit her am aufwendigsten war die Treppe.“ 56 Holzstufen führen in die Höhe. Das Besondere erklärt Sven Vogt: „Sie sind alle unterschiedlich breit, lang und haben verschiedene Neigungen – das liegt an der Beschaffenheit des Turms.“ Um die Maße hinzubekommen, war moderne Technik nötig. Sven Vogt: „Ein Mensch hätte tagelang von Hand messen müssen.“ Ein spezieller 3D-Scanner hatte im Handumdrehen diese Arbeit erledigt, lieferte die für die weiteren Arbeiten notwendigen digitalen Daten. Auf Föhr wurden die Stufen dann gefräst. Und: „Jede passte.“ Die Vermessung und auch die Schweißarbeiten sind, weil Vorgabe des Statikers, einige der Spezial-Arbeiten, die ausnahmsweise auswärtig vergeben werden mussten. „Oberste Regel war jedoch stets, dass, soweit vorhanden, die Auszubildenden der Betriebe die Arbeiten vornehmen.“ Die Stahlwangen – die seitliche Abgrenzung der Treppe und ein Produkt aus Fahretoft – sind 2,5 Zentimeter dick. Als die Handwerker das Fundament für die turmhohe Stütze aus Stahl gießen wollten, entdeckten sie im Gebäude eine Überraschung: Unter dem Turmboden befand sich ein Kriechkeller der zum ehemaligen Befüllrohr führte. Behrmann: „Der wurde dann mit Beton aufgefüllt.“

Die eingebauten und abgeschrägten Fenster, herausgestemmt aus der 80 Zentimeter dicken Turmwand, sorgen für viel Licht im Treppenhaus. Die Wände sind lediglich mit Betonschlemme abgerappt. An einigen Stellen treten Salze aus den Wänden des ehemals feuchten und lange nicht mehr beheizten Gemäuers. „Der Turm ist nun mal ein Industriebau, aber er ist kein denkmalgeschütztes Gebäude“, sagt Sven Vogt erklärend. Dennoch: Viele ursprüngliche Elemente sind vorhanden. Auf durch LEDs beleuchtete Stufen hat man verzichtet. Licht spenden Lampen, die mit den halbierten Stahlteilen des ehemaligen Befüllrohrs abgedeckt sind. Sie sind unbehandelt, um nicht mit den polierten Stahlhandläufen der Treppe in Konkurrenz zu treten. Auch die an den Wänden zu sehenden Stahlanker, sie trugen einst die Dachaufbauten, sind als Zeugnisse der Vergangenheit erhalten geblieben.

Moderner – und damit bildet es einen starken Kontrast zu dem Treppenhaus – geht es im Dachgeschoss mit derzeit etwa 36 Quadratmetern Nutzfläche („das ist aber ausbaufähig“) zu. Weiße Wände, automatisch zu öffnende Dachfenster, Platz für eine Teeküche – der ideale Büroraum. Wer ihn nutzen wird, steht noch nicht fest.

Der Tag des offenen Turmes ist eine Gelegenheit, all jenen zu danken, die an der Realisierung interessiert und beteiligt waren – sei es durch handwerkliches Können oder durch die Finanzierung des Projektes, den Initiatoren und Sponsoren, Förderern aus der Aktivregion, des Amtes, der Stadt, des Kreises und der Europäischen Union. Die Liste ist lang und umfasst vier DIN-A4-Seiten. Der Tag heute ist auch eine Gelegenheit, um zu zeigen, was junge Handwerker bewegen können, wenn sie an einem gemeinsamen Ziel arbeiten: Olaf Behrmann: „Es war sensationell, eine tolle Zusammenarbeit.“

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