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Gutachten liegt vor : „Ein sehr guter Tag für Niebüll“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Neues Gutachten zur Zukunft des Klinikums Nordfriesland vorgestellt / Bürgerinitiative überreicht 26.000 Unterschriften

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2016 | 19:00 Uhr

Alles war vorbereitet für den großen Auftritt in der Stadthalle: Einen Stand mit mehreren Tischen hatte die Bürgerinitiative „Klinik Niebüll“ im Vorraum aufgebaut. Dort gab es außerdem zusätzliche Stühle und eine Videoleinwand. Doch wer sich für die Vorstellung des neuen Gutachtens zur Zukunft der Klinikum Nordfriesland gGmbH interessierte, fand am Montagabend im Innenraum problemlos einen freien Platz. „Leider zu wenig Leute!“, schrieb Jens Uwe Gilgen auf der Facebook-Seite Klinik-in-Not, die von der Bürgerinitiative betrieben wird. Rolf Dieter Oster pflichtete ihm bei: „Das hätten nicht 350 Teilnehmer sondern 3500 oder noch mehr sein müssen.“

Immerhin mehr als 26.000 Unterschriften für den Erhalt der Klinik Niebüll drückten Vertreter der Bürgerinitiative dem Kreistagspräsidenten Heinz Maurus zum Auftakt in die Hand, verbunden mit dem Hinweis: „Denken Sie an diese Menschen, wenn Sie eine Entscheidung treffen.“

Dann waren die Gutachter Daniela Derscheid und Frank Jantzen an der Reihe. Sie hatten bei ihrer Arbeit ein besonderes Augenmerk auf die medizinische Bedeutung der Kliniken in Nordfriesland gelegt. Bei einem vorherigen Gutachten hatte dagegen ausschließlich die wirtschaftliche Tragfähigkeit im Fokus gestanden.

Klinik-Schließungen seien seit Jahren in ganz Deutschland die Realität, wurde zur Einführung erklärt. Anforderungen und Kosten stiegen, während es in ländlichen Gebieten immer weniger und ältere Menschen gebe. In einigen Bundesländern bekämen Krankenhäuser allerdings mehr Geld. „Die Versorgung in der Fläche in Deutschland ist teilweise sehr ungerecht“, sagte Derscheid. Es fehle an einheitlichen Definitionen, welche Fahrzeit für welche Leistung zumutbar sei. Die Ergebnisse der Gutachter zur Zukunft der Klinik Niebüll sorgten dann aber immer wieder für Zwischenapplaus.

Die Klinik Niebüll leiste „einen relevanten Beitrag für die Grundversorgung“. Die Intensivstation nur noch in einer abgespeckten Variante erhalten? „Der Erlösrückgang würde Einsparpotenziale übersteigen.“ Die Chirurgie? Solle tendenziell in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Der Bereich Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde? „Aufrechterhalten.“ Anfahrten zur Klinik in Husum hätten für die Menschen Südtonderns im Mittel einen Zeitaufwand von 47 Minuten statt bislang sieben Minuten zur Folge. „Hier muss man mit Blick auf die Zumutbarkeit ein dickes Fragezeichen setzen.“ Generell hätten Einschnitte voraussichtlich einen „nicht unerheblichen Einfluss“ auf die Wahrnehmung der Klinik als vollwertiges Krankenhaus.


Applaus für Flensburg, Hohn für Husum


Jantzen und Derscheid äußerten sich aber auch zu einer möglichen Eigenständigkeit der Klinik Niebüll. Ein solches Vorhaben hätte „mittelfristig keine Erfolgsaussichten“. Langfristig sei ein Mix aus Fusionen, Kooperationen und Zentralisierung empfehlenswert. Das liefe wohl auf eine Schließung aller Kliniken und einen zentralen Neubau hinaus – und gehe sicherlich nicht ohne die Hilfe des Landes.

Höhnisch reagierte das Publikum auf die abschließende Empfehlung Jantzens, „auch im Interesse des Niebüller Standorts“ lieber nach Husum als nach Flensburg zu fahren, wenn eine bestimmte Leistung in der Stadt nicht erbracht werden könne. Da konnte dann auch Anette Langner nicht mehr viel ausrichten. Die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium des Landes sprach von einem „sehr guten Tag für Niebüll“. Als sie allerdings anmerkte, die steigenden Anforderungen an die Geburtshilfe zu erfüllen, werde künftig womöglich ein Problem, wurden die Zuhörer sofort wieder unruhig.

Landrat Dieter Harrsen wich Nachfragen nach konkreten Zahlen und Problemen wiederholt aus. Stattdessen gab er den Anstoß für hitzige Wortgefechte, als er sagte: „Ich habe das Gefühl, Südtondern ist noch nicht wirklich in Nordfriesland angekommen.“ Applaus für den Flensburger Standort sei keine Lösung für die drohende Insolvenz der Klinikum Nordfriesland gGmbH.

Aventofts Bürgermeisterin Christine Harksen erwiderte, die Diako Flensburg liege für ihre Bürger nun mal näher als Husum oder eine mögliche Zentralklinik in Bredstedt.

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