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Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 08:41 Uhr

Sammlung : Ein Schatz in 550 Ordnern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ein Förderverein soll die wertvolle Sammlung des Chronisten Lorenz Ewaldsen für die Wiedingharde und künftige Generationen sichern

Lorenz Ewaldsen, Chronist und Amateurgenealoge der nördlichen Wiedingharde, kann tief durchatmen. Gegen Ende 2013 hat er eine 20 Jahre dauernde Arbeit abgeschlossen: die „Haus- und Hofchronik der Gemeinden Neukirchen, Aventoft und Rodenäs.“

Wohl geordnet und unter sicherem Verschluss gehalten sind in 550 Ordnern Aufzeichnungen über Häuser und Höfe verwahrt, die vor 1914 entstanden sind. Die Nachforschungen Ewaldsens reichen bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück. Daten und Fakten über Wohnplätze, Liegenschaften und Bewohner lieferten Kirchenbücher, Steuerunterlagen sowie Wiedingharder, soweit sie Aufzeichnungen über ihre Familien führten. „Ansonsten ist in den Chroniken ‚alles drin‘, was greifbar und von Interesse war“, sagt Ewaldsen, dessen Haus- und Hofgeschichte(n) beileibe nicht sein einziges Projekt war. Außer dieser Arbeit entstand eine Chronik über 400 Familien und Aufzeichnungen aus der Heimatgeschichte – eine Art Mosaik, zu dem Kirchen, Gemeinden, Vereine und Institutionen beitrugen. „Ich war Stammgast in den Pastoraten. Manchmal schlossen sie vor mir die Tür ab, wenn sie mich kommen sahen.“

Ewaldsen notierte vor allem Besonderheiten, die auch heute noch Gesprächsstoff bieten. Dazu zählte, wie der Ortsteil Rosenkranz entstand, welche Bootstypen die Hemsens vom Nordosterdeich bauten, wo die sechs Wiedingharder Mühlen standen, wer der letzte Milchkutscher von Aventoft war, was im „Intelligenzblatt von 1821“ zu lesen war, dass vor Kopphallig auf der Schmale Regatten gefahren und vorher von einem Open-Air-Gottesdienst eingeleitet wurden. Der Chronist berichtet auch vom ersten Motor-Omnibus, der zwischen Hesbüll und Tondern drei Mal täglich verkehrte und am 10. Februar 1914 zu seiner Jungfernfahrt startete. Eine Geschichte handelt von Jens Johannsen, dem Kirchendiener, Dachdecker und Postschiffer in persona. Oder von Emil Hansen, der später als Maler Emil Nolde Weltberühmtheit erlangte (dessen Familiengeschichte Lorenz Ewaldsen ebenfalls aufschrieb). Einmal war Hermann Göring zusammen mit Landrat Dr. August Fröbe zu Besuch in der Gemeinde. Und Anfang 1900 machte „Postbüdel“ und Fotograf Haye Jacobsen aus Dagebüll Karriere als Postmeister von Tondern.

Die Geschichte der eigenen Familie, die in Ribe begann, 500 Jahre zurückreicht und aus der Pastoren, Kröger und Bauern hervorgingen, machte Lorenz Ewaldsen „neugierig auf mehr“. Konkret an die Arbeit ging er jedoch erst vor zwei Jahrzehnten. Seit zwölf Jahren hat er für sein Archiv im Haus der Vereine eine Bleibe gefunden. Er nennt es nach einem früheren nahe gelegenen Wohnplatz „Hofdamm“.

Weil sich für Hofdamm und die Sammlungen Begehrlichkeiten aus Tondern ankündigten, ist die Gemeinde Neukirchen „hellwach“ geworden. Bürgermeister Peter Ewaldsen, der Bruder des Chronisten, kündigte eine Einwohnerversammlung an mit dem Ziel, einen Förderverein für das Archiv ins Leben zu rufen. Lorenz Ewaldsen, für den die Arbeit in seiner „Schatzkammer noch lange nicht beendet ist: „Wenn das Archiv nach Tondern geht, wäre es für uns und die Wiedingharde wohl für immer verloren.“

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erstellt am 16.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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