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Nordfriesland Tageblatt

19. September 2017 | 15:46 Uhr

Sucht : Ein Rettungsanker für Aussteiger

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll bietet willigen Klienten ambulante Entwöhnungstherapien an.

von
erstellt am 01.Apr.2014 | 07:30 Uhr

„Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind“, sagt Kirsten Karberg. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin am Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll (BBZ). Es gehört organisatorisch zur Diakonisches Werk Südtondern gGmbH, bietet Betroffenen professionelle Hilfe beim Ausstieg aus der Sucht. Dazu gehören legale oder illegale Suchtmittel, Alkohol, Drogen, Medikamente, Glücksspiel, Konsum (Kaufrausch) oder auch Mediensucht.

Ein spezielles Angebot ist die ambulante Therapie. Seit 1993 führt das BBZ diese durch, und ist von den Leistungsträgern als ambulante Beratungsstelle anerkannt. Dabei handelt es sich um eine alltagspraktische Begleitung (mittwochvormittags oder donnerstagabends), denn nicht jeder Rat-Suchende hat die Möglichkeit, für eine stationäre Therapie befristet aus seinem Beruf auszusteigen oder seine Familie alleine zu lassen. Bis zu zwölf Teilnehmer werden aufgenommen. Jeder soll die Möglichkeit haben, seine Themen anzusprechen. Harald Marake: „Der Vorteil ist: Wir sind näher an der Realität als die stationäre Therapie. Wir können einen breiteren Kreis ansprechen.“

Der Erstkontakt erfolgt über die Mitarbeiter beim BBZ. Die Mitglieder der sogenannten Motivationsgruppe zur Hinführung an eine stationäre oder ambulante Therapie für Suchtgefährdete und Suchtkranke treffen sich jeweils Montagabend, 19.30 Uhr, die ambulanten Therapiegruppen mittwochs (10 bis 11.40 Uhr), donnerstags (19 bis 20.40 Uhr) im BBZ Niebüll, sowie donnerstags von 13 bis 16 Uhr im Gemeindehaus Leck. Einzel- und Bezugspersonengespräche werden individuell vereinbart. Für alle gilt: Sie sind absolut vertraulich.

Die Voraussetzungen für eine ambulante Therapie werden in persönlichen Gesprächen geklärt. Die fachärztliche Begleitung im Rahmen der ambulanten Behandlung übernimmt Detlef Boborowski, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. „Die Patienten werden über den gesamten Zeitraum begleitet.“ Dabei geht es auch um das „Wie geht es weiter?“, den Erhalt der Leitungs- und Arbeitsfähigkeit. Nach eineinhalb Jahren erfolgt eine Abschlussuntersuchung. Zu klären sind dann, ob noch psychische Erkrankungen vorliegen, Behandlungen angestoßen oder auf den Weg gebracht werden müssen. Dies geschieht auch in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Hausarzt.

Diplom-Psychologe Harald Marake: „Zu uns kommen nicht nur die von Süchten Betroffenen.“ Und Kirsten Karberg ergänzt: „Wir beraten Betroffene, aber auch Angehörige, die sich um den Konsum ihrer Partner, Freunde, Kinder oder anderen Sorgen machen, die das Gefühl haben: Da läuft etwas nicht gut.“ Ja selbst Arbeitgeber, denen etwas am Verbleib ihrer Mitarbeiter oder ihrer Auszubildenden liegt, wenden sich an das BBZ mit der Bitte um Unterstützung. Karberg: „Anstöße für die von Süchten Betroffenen, sich Hilfe zu suchen, kommen in der Regel von dritter Seite.“

Die Behandlungskosten werden auf Antrag vom Rentenversicherungsträger oder den Krankenkassen getragen. Diplom-Psychologin Rendel Plagemann: „Die Rentenversicherungen haben ein Interesse daran, dass der Mensch wieder in die Sozialkassen einzahlt.“

Sollte doch eine (teil-)stationäre Entwöhnungstherapie in einer Fachklinik nötig sein, so gibt es für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängige im Anschluss die Möglichkeit einer ambulanten Nachsorgegruppe. Gemeinsam hilft man sich, die Freizeit und den Arbeitsalltag wieder zu gestalten. „Gesunde Säulen schaffen für die Abstinenz“, so Rendel Plagemann. Und es gibt die Möglichkeit zur Teilnahme an den Monatstreffen der Selbsthilfegruppen (jeden 1. Mittwoch im Monat im BBZ Niebüll, 19.30 bis 21 Uhr). Kirsten Karberg: „Es ist wichtig, den Kontakt zu halten. Denn irgendwann ist die Behandlung vorbei, aber die Sucht bleibt.“

 

 

Das BBZ Niebüll (Westerlandstraße3) ist montags bis mittwochs von 8 bis 17 Uhr, donnerstags 8 bis 19 Uhr und freitags 8 bis 13 Uhr (04661/9659-0, bbz-niebuell@dw-suedtondern.de) zu erreichen, die Außenstelle Leck Montag, Mittwoch und Freitag (8 bis 13 Uhr), Dienstag (15 bis 19 Uhr) und Donnerstag (8 bis 16 Uhr) unter Telefon 04662/5474.

 

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