Festgottesdienst : Ein Pilgerstab für den neuen Lebensweg

Pastor Stefan Möbius wurde mit viel Lob in den Ruhestand verabschiedet.

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31. Juli 2018, 05:30 Uhr

Leck | „Du bist ein wunderbarer Pastor, weil du ein wunderbarer Mensch bist“. Diese Aussage vom Kirchengemeinderatsvorsitzenden Peter Janke tat dem scheidenden Pastor gut – wie alle lieben Worte im Festgottesdienst und im Gemeindehaus: Nach 16-jähriger Gemeindearbeit wurde Pastor Stefan Möbius in den Ruhestand verabschiedet.

Das Kirchenschiff von St. Willehad war bis auf den letzten Platz gefüllt. Von weiter her oder ganz aus der Nähe waren die Menschen in die Kirche gekommen. Es sei schön, in vertraute Gesichter zu schauen, meinte Stefan Möbius und schlug den Bogen: „Die Menschen sind auf Mitgefühl angewiesen, schon vor der Geburt bis hin zum letzten Atemzug“. Mit diesem Thema setzte sich der Seelsorger in seiner Predigt auseinander auf der Grundlage eines Briefes von Paulus an die Gemeinde Roms. Dieser hatte plädiert: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Trauernden!“ Genau darum gehe es im Miteinander in der Gemeinde, im Gottesdienst, in verschiedenen Kreisen, in der Nachbarschaft, der Familie. „Ich bin dankbar, dass ich so viel davon miterleben und erfahren durfte“, sagte Stefan Möbius und rief zusätzlich auf, sich nicht zu verschließen, sondern offen zu bleiben zu Mensch, Tier und Natur.

„Für dich war Pastor sein mehr als ein Job. Du warst und wirst immer Pastor sein – mit Herz und Seele und Eifer“, überlegte Holger Asmussen. Der Amtskollege aus Leck und stellvertretender Propst erinnerte an Möbius’ beruflichen Werdegang und seine Ankunft in dieser Kirchengemeinde: „Das Team-Pfarramt hat dich von Anfang an begeistert.“ Diese Begeisterung habe Asmussen und jeder andere gespürt, die Freude an der Arbeit ebenso und seine Ausstrahlung, die so viele getröstet habe. Der Kollege und Freund entpflichtete Stefan Möbius von den Aufgaben als Pastor in dieser Kirchengemeinde. Er werde diese Freiheit genießen lernen, er werde frei sein für das, was komme.

Die Sänger der Kantorei erhoben ihre Stimmen, Friedel Gesewski spielte die Orgel, der Flötenkreis musizierte und im Freien vor dem Gotteshaus überraschte der Martin-Luther-Bläserkreis Achtrup mit einem Ständchen. Das Händeschütteln wollte fast kein Ende nehmen und machte deutlich, was Pastor Janke Minuten vorher seinem Kollegen zugerufen hatte: „Du hast hier mit den Menschen gelebt, du hast ihre Sprache verstanden!“ Eine langjährige Bekannte drückte Stefan Möbius einen schönen, mannsgroßen Stab in die Hand – nicht als nachträglichen Hirtenstab, sondern als Pilgerstab, der helfen soll auf dem neuen Lebensweg.

Geschenke und liebe Worte wechselten die Besitzer im Gemeindehaus. Beste Wünsche und ein Gedicht überbrachte Lecks Gemeindechef Andreas Deidert. Sprakebülls Bürgermeister Karl-Richard Nissen sagte: „Danke für deine offene und herzliche Art. Du hast die Dinge für uns verständlich auf den Punkt gebracht.“ Dem schloss sich sein Ex-Kollege aus Achtrup und stellvertretender Vorsitzender des dortigen DRK-Vereins, Uwe Matthiesen, an. „So viel Lob, das ist schwer zu ertragen“, atmete Stefan Möbius schwer aus.

Doch er musste noch mehr aushalten, denn zum Schluss stellten sich seine Kollegen und Mitarbeiter auf. „Du warst nie ein Einzelkämpfer, aber immer ein Teamplayer“, bescheinigte ihm Peter Janke. Ein Blanko-Scheck für die Reparatur eines Fahrrades und eine Kiste voll bunter Geschenke – wie sollte Stefan Möbius das alles (er)tragen?


Zum Pfarrgebiet von Stefan Möbius gehören Leck-Mitte, Achtrup und Sprakebüll. Sein Nachfolger Simon Ullrich macht bereits die Urlaubsvertretung und übernimmt die Pfarrstelle offiziell am 1. September.




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