Frischer Wind für die Kirche : Ein Pastor mit Lust am Landleben

Der gebürtige Wiesbadener ist voll und ganz in der neuen Wahlheimat angekommen.
Der gebürtige Wiesbadener ist voll und ganz in der neuen Wahlheimat angekommen.

Am 26. August wird Gerald Rohrmann offiziell in die Kirchengemeinden Emmelsbüll-Neugalmsbüll, Horsbüll und Klanxbüll eingeführt.

shz.de von
10. August 2018, 06:00 Uhr

„Moooin!“ ruft Gerald Rohrmann aus einiger Entfernung. Es wäre eine gewöhnliche Begrüßung an einem gewöhnlichen Tag in Südtondern – wenn da nicht der breite hessische Dialekt wäre, der Rohrmann zumindest hinsichtlich seiner Herkunft verät. Jedenfalls zeigt der gebürtige Wiesbadener, dass er gleich verstanden hat, wie man sich im fast nördlichsten Zipfel Nordfrieslands Türen öffnet. Er lässt sich auf der Bank vor der Rimberti-Kirche, die im September ihren 250. Geburtstag feiert, nieder und schaut sich zufrieden in den Gefilden seiner neuen Wahlheimat um. „Wir sind angekommen“, sagt er und spricht dabei auch für seine Familie.

Rohrmann ist seit dem 1. August der neue Pastor für die Gemeinden Emmelsbüll-Neugalmsbüll, Horsbüll und Klanxbüll. Was bringt einen Nordhessen aus der Mitte Deutschlands auf eine nordfriesische Kanzel? „Wir haben schon immer davon geträumt, am Meer zu leben“, sagt Rohrmann. Er grinst dabei über das ganze Gesicht. Kleine Lachfalten zeichnen sich ab. Eine typische Frohnatur. Schlussendlich waren es gesundheitliche Gründe seiner Frau und die Empfehlung der Ärzte, sich einen Wohnsitz mit Meeresluft zu suchen, die den Umzug endgültig entschieden.

Das Leben auf dem Land ist der neue Pastor bereits aus Hessen gewohnt: „Bei einem Gast-Vikariat in Landau-Nußdorf habe ich das erste Mal so richtig Landleben kennengelernt. Das enge Zusammenleben und das Miteinander haben mich sofort fasziniert.“ Auch wenn der 51-Jährige in der Heimat seine Liebe zum Landleben entdeckt hat, gefällt ihm in Südtondern bereits eine Sache besonders: „Die offenen Türen. Das war in Allendorf, wo wir zuletzt gelebt haben, schon wieder etwas verschlossener. Ich finde es schön, dass das hier wieder so ist.“

Ursprünglich waren es drei Stellen, die die Landeskirche dem Pastor angeboten hatte. „Zuerst dachte ich: Emmelsbüll? Was ist das? Und musste auf die Karte gucken“, sagt Rohrmann und lacht. Nach einem zufälligen Besuch in der knapp 1000-Seelen-Gemeinde während eines Kuraufenthaltes im vergangenen Herbst war jedoch binnen weniger Augenblicke klar: Emmelsbüll wird die neue Heimat der Rohrmanns. „Wir waren sofort begeistert von der Nähe zum Meer“, sagt der Pastor. „Und auch die Dorfstruktur hatte es uns angetan – und das, obwohl wir es nicht in der schönen sommerlichen Zeit kennengelernt haben.“

Frei nach dem Luther-Spruch: „Ein Jegliches hat seine Zeit“, packte Rohrmann also nicht nur die Gelegenheit beim Schopfe – sondern mit ihr auch seine Frau, seine beiden Töchter, zwei Hunde, zwei Katzen und eine Schildkröte. „Für uns war klar: Wenn nochmal umziehen, dann jetzt. Für so einen Schritt ist es eigentlich nie zu spät, aber für uns war es die richtige Gelegenheit.“ Mit viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft sei die Familie empfangen worden. „Viele aus der Nachbarschaft haben gleich ihre Hilfe angeboten und uns das Ankommen hier sehr leicht gemacht“, sagt Rohrmann.

Ebenfalls mit im Gepäck des Familienvaters: Gedanken über die Zukunft seiner Gemeinde. „Ja, natürlich bereiten mir die Nachwuchs-Probleme sorgen“, gibt Rohrmann zu. „Das ist eine Entwicklung, für die es kein einfaches Konzept gibt.“ Offenheit, Niedrigschwelligkeit und Austausch – das möchte Pastor Rohrmann seiner Gemeinde bieten. „Ich möchte, dass junge Menschen schöne und fröhliche Erfahrungen mit Kirche machen, vielleicht auch an Orten, die man so erst einmal nicht mit ihr in Zusammenhang bringt.“ Er selbst sei in der Konfirmationszeit besonders durch einen rührigen und engagierten Pastor geprägt worden, der ihm bei vielen grundsätzlichen Glaubensfragen zur Seite gestanden habe. „Mir ist das Präsentsein besonders wichtig. Dass jeder weiß: Da ist ein Anlaufpunkt, auch bei Ratlosigkeit und sämtlichen Lebensfragen. Ich möchte zeigen, dass man in der Kirche fröhlich und ungezwungen sein kann, dass wir aber auch etwas zu sagen haben, wenn das Leben endet und Trauer da ist. Ich möchte freudigen und traurigen Anlässen mit Liebe und Sorgfalt begegnen.“

Im Gegenzug erwartet der neue Pastor auch etwas von seiner Gemeinde: „Ich finde es toll, dass sich hier so viele Menschen in der Gemeinde und für die Kirche einbringen. Das ist einfach ein Geschenk. Ich möchte, dass wir weiterhin einander tragen und dass offen gesagt wird, wenn etwas nicht so gut läuft. Ich möchte, dass alle wissen: Die Kirche steht mitten im Dorf und ich darf von ihr auch etwas erwarten.“


Am 26. August findet ab 14 Uhr der Einführungsgottesdienst in der Rimbertikirche zu Emmelsbüll statt.

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