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Nordfriesland Tageblatt

17. August 2017 | 12:14 Uhr

Ein Paradies für kreative Köpfe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Auf dem Gelände der ehemaligen Schule im heutigen Watt’nSound-Studio nehmen Bands ihre Songs auf / Outdoor-Filmcamp im Sommer geplant

„In diesem Flair lässt sich definitiv gut arbeiten“, sagt Eugen Heimböckel begeistert. Der 33-jährige gebürtige Husumer und gelernte Pädagoge, er arbeitet als Erzieher in einer betreuten Wohngemeinschaft, ist Spezialist für Foto- & Videografie. Mit Filmen, der Musikvideo-Produktion und dem Fotografieren hat er sich ein zweites Standbein geschaffen (www.heimboeckel .com). Gemeinsam mit Marie Wilke (19) vom Kulturbüro der Stadt Niebüll plant er ein Outdoor-Filmcamp. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. Vom 29. Juli bis zum 1. August werden sie gemeinsam schauspielern, filmen und ihre Werke schneiden. „Ein festes Thema gibt es nicht“, sagt Marie Wilke. Der Fantasie der Teilnehmer sind also keine Grenzen gesetzt. Gezeigt werden die Ergebnisse am 1. August ab 14 Uhr im Niebüller Ecks Kino.

Die Teilnehmer des Outdoor-Filmcamps werden – wie es der Name schon erahnen lässt – in dem großen Garten unter Bäumen zelten. Stattfinden wird es hier in Emmelsbüll-Horsbüll, auf dem 12000 Quadratmeter umfassenden Grundstück und in der ehemaligen Schule. Heute beherbergt sie das Studio „Watt’n Sound“. Das 1938 für die Kinder der umliegenden Bauernhöfe errichtete Haus mit dem besonderen Flair gehört der Musikerin Maike Christiansen (58). Gemeinsam mit ihrem 2012 verstorbenen Mann Jochen Hansen, einst Musiker in Rio Reisers Band „Ton Steine Scherben“, hat sie das benachbarte, ehemalige Toilettenhaus zu einem gemütlichen Wohnhaus umgebaut und im Hauptgebäude in dem ehemaligen Klassenzimmer ein komplett eingerichtetes Tonstudio eingerichtet, das seit 2004 von vielen Bands aus Hamburg und Berlin genutzt wird. Praktisch: Die Musiker können in der dazugehörigen, aufwendig sanierten Ferienwohnung auch gleichzeitig leben. „Das macht sie unabhängig.“ Zwei weitere Wohnungen in dem ehemaligen Schulhaus sind vermietet.

Das Tonstudio, es besteht wie die meisten aus zwei Räumen, strahlt eine besondere Atmosphäre aus. Trotz aller Technik ist die Vergangenheit lebendig. Die alte Schultafel in dem ehemaligen Klassenzimmer hängt noch an der Wand. Alles ist in diesem Gebäudeteil „alt“ geblieben. „Manchmal stehen ältere Herrschaften am Tor und fragen vorsichtig, ob sie noch einmal einen Blick in ihre ehemalige Schule werfen dürfen“, sagt Maike Christiansen. „Na klar geht das. Ich finde das so niedlich. Ich höre viele alte Geschichten. Die nehme ich dann mit. Es ist ein schönes Gefühl, die Geschichte des Hauses zu spüren.“

Die Musikerin hat lange in Berlin gelebt, mit vielen Bands gearbeitet, unter anderem mit den „Ärzten“. „Ich habe ein Rock’n Roll-Leben gehabt“, sagt sie lachend. „Es war super. Ich kenne viele Künstler, aber Größe haben sie nur, wenn sich auch Menschlichkeit haben.“ Maike Christiansen kehrte schließlich zurück in ihre Heimat und macht heute für Filmbaufirmen die vorbereitende Buchhaltung. Sie lebt nicht von den Einnahmen des Studios, für sie steht nicht der Kommerz im Vordergrund. Daher sieht sie sich vorher gerne im Internet an, was die Bands, die hierher kommen, so tun. „Ich mache die Tür gerne auf wenn ich sehe: Das könnte passen.“ Maike Christiansen möchte einen Ort schaffen, der familiengerecht, gastfreundlich ist – eben alles für die Seele bietet. „Auch ich möchte mit den Sinnen wahrnehmen, das, was ich um mich habe, genießen.“

Die Bands kommen vornehmlich aus dem Hamburger und Berliner Raum, aber auch aus der Gegend. „Mein Ziel ist es, regional zu denken“, sagt Maike Christiansen. „Es gibt auffallend viele Musiker hier.“ Sie alle wissen die örtlichen Besonderheiten in dem Haus mitten unter hohen Bäumen, umgeben von viel Grün, zu schätzen. „Die Musiker lieben die Atmosphäre hier draußen“, sagt Maike Christiansen. Das Knarren der alten Dielen, das Vogelgezwitscher bei geöffnetem Fenster sind Sounds, die häufig bei CD-Aufnahmen einfach „mitgenommen“ werden. Es sei kein High-Tech-Studio, aber Instrumente und das nötige Equipment sind vorhanden. „Die Musiker sagen: Es ist wie ein großer Spielzeugladen. Hier kann man beispielsweise auch Synthesizer aus den 70-er Jahren benutzen“, sagt sie lachend. „Das macht es aus. Größere Bands sind jedoch komplett ausgerüstet und bringen ihre eigenen Sachen mit. Gruppen wie „Hellkamp“, „Land in Sicht“, „Zeitzeuge“, „Game Ove“ oder „FreiZeitHelden“, „Kid Kopphausen“, „Torpus & The Art Directors“ und „ClickClickDecker“ waren im Studio, haben hier ihre Aufnahmen gemacht und an der Tür zum Nachbarraum ihre Aufkleber hinterlassen. An einem Regal hängen Reihenweise alte Backstage-Pässe. „Die Atmosphäre hier ist durch Jochen entstanden, und sie soll auch so bleiben.“

Entstanden sind auf dem Gelände Videos, Filmclips und vieles mehr. „Dieser Ort ist vielseitig, so viele Dinge passen hierher, und ich bin für alles offen“, sagt Maike Christiansen. Das gilt für Lesungen im kleinen Rahmen oder eben für andere Events wie das Outdoor-Filmcamp. „Das, was man zurückbekommt, ist unbeschreibbar und ein Riesengeschenk. Ich möchte gar nicht woanders sein.“

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erstellt am 30.Apr.2015 | 12:16 Uhr

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