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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 06:14 Uhr

Ein nicht alltägliches Vorzeigeprojekt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bundestagsmitglied Ingbert Liebing besuchte in der parlamentarischen Sommerpause die Gemeinde Sprakebüll und zeigte sich tief beeindruckt

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 09:56 Uhr

Im Rahmen seines durch die parlamentarische Sommerpause in Berlin ermöglichten Reiseprogramms ist Ingbert Liebing in seinem Wahlkreis viel unterwegs und besuchte auch die Gemeinde Sprakebüll. „Die kleine Gemeinde mit ihrem mutigen Projekt des Nahwärmenetzes, das sich bis Berlin herumgesprochen hat, ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Dorf seine Energiewende selbst in die Hand nimmt. Und das möchte ich mir gerne mit eigenen Augen ansehen,“ sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord. Immerhin sei das Vorhaben auch aus Mitteln aus dem Bundeshaushalt sowie durch Tilgungszuschüsse aus der Kreditanstalt für Wiederaufbau stark gefördert worden, was deutlich mache, dass es sich hier um ein „nicht alltägliches Vorzeigeprojekt“ handele.

In Empfang nahmen den Gast Bürgermeister Karl-Richard Nissen , die Angehörigen der Gemeindevertretung, Mitglieder, Vorstands- und Aufsichtsratsangehörige der Genossenschaft „Energieversorgung Sprakebüll“, die Betreiber der beteiligten Biogasanlage sowie Mitarbeiter des Heizwerks, dessen Planer und ein Steuerberater. Der erste Weg der Versammelten führte zum nahe gelegenen Heizwerk, um dieses dem Gast zu zeigen und technisch zu erläutern.

Dass es mit der Schaffung des Nahwärmenetzes so reibungslos geklappt hatte, liegt laut Bürgermeister Nissen darin begründet, dass die Einwohnerschaft dabei „an einem Strang gezogen“ habe, voll hinter dem Vorhaben stehe und dass der Ortskern sehr geschlossen liege. Die Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten habe hervorragend geklappt. Die Gemeinde Sprakebüll errichtete als kommunaler Gewerbebetrieb das Nahwärmenetz mit der per Abwärme der vorhandenen Blockheizkraftwerke gespeisten Heizzentrale einschließlich eines 25 Kubikmeter umfassenden Puffertanks. Das für den Betrieb der Blockheizkraftwerke erforderliche Biogas liefert die ortsansässige Firma „Biogas Andresen GmbH & CoKG“, die auch die Anlagen betreibt. Wie Diplom-Ingenieur. Christian Andresen bei seiner Erläuterung der technischen Anlage ausführte, kann die Heizzentrale in Krisensituationen auch auf Biogas, Öl oder ein mobiles Heizwerk zurückgreifen. Zwei sehr unterschiedlich leistungsfähige Motoren sorgen für viel Spielraum bei der möglichst kostengünstigen Produktion von Strom und Wärme. Der Strom wird verkauft, die Wärme an das Wärmenetz veräußert.

Liebing sprach die Vergütung wegen fehlender Leitungskapazitäten nicht genutzten Stromes an: „Wir feiern uns als Weltmeister im Ausbau erneuerbarer Energien, aber wir haben zur Zeit noch nicht die Kapazität an Leitungen, die erforderlich wäre, um den gesamten Strom dorthin zu transportieren, wo er gebraucht wird. Christian Andresen bekundete, die geplanten Ausschreibungen, die 2015 für Photovoltaikanlagen auf Freiflächen und 2017 für Windkraftanlagen eingeführt werden sollen, bereiteten ihm Sorgen. Denn sie besagen, dass dann nur noch derjenige eine Förderung nach dem EE-Gesetz bekommen kann, der im Rahmen einer Ausschreibung einen Zuschlag erhalten hat. Zwar sollen alle Betreiber vorhandener Anlagen noch 20 Jahre den Fördersatz erhalten, der zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme ihrer Anlagen gültig war. „Danach aber laufen die kleinen Genossenschaften Gefahr, zugunsten der finanzstarken Konzerne abgehängt zu werden.“ Liebing versprach, das Problem im Auge zu behalten.

Christian Andresen gab Auskunft über eine erstaunliche Menge mit Hilfe erneuerbaren Energien produzierten Stromes, mit der im laufenden Kalenderjahr in der Gemeinde Sprakebüll zu rechnen sei: Bei einem Eigenverbrauch von 1 613 000 Kilowattstunden sei mit einer gesamten Stromproduktion von 73 765 127 Kilowattstunden zu rechnen, erzeugt durch 34 Solar- und sieben Windkraftanlagen sowie eine Biogasanlage. „Somit wird in der Gemeinde Sprakebüll aus erneuerbaren Energien 4573 Prozent mehr Strom erzeugt, als die Bürger in einem Jahr benötigen.“






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