Neugeborene : Ein Netzwerk für Eltern von Frühchen

Die im Aufbau befindliche Gruppe „Kleine Wunder“ bietet Eltern von frühgeborenen Kindern bis zu acht Jahren in Nordfriesland eine Plattform

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30. Juli 2015, 05:00 Uhr

„Es tut manchmal gut, eine gute Geschichte zu hören“, sagt Sandra Ratz. Gemeinsam mit Romy Dobbert von der Lebenshilfeeinrichtung Niebüll GmbH hat sie sich entschlossen, die Elterngruppe „Kleine Wunder“ ins Leben zu rufen. Diese richtet sich an alle Nordfriesen mit frühgeborenen Kindern bis zu acht Jahren.

„Wir wollen Eltern die Möglichkeit zum Austausch geben“, sagt Sandra Ratz. Die junge Frau ist gerade erst mit ihrer Familie aus Thüringen nach Nordfriesland zugezogen. Sie gehört nicht zu dem Kreis der Fachleute, sondern weiß als Mutter des dreijährigen Constantin – er wurde ebenfalls früher als erwartet geboren – aus eigener Erfahrung, wovon sie redet. „Jeder hat mit seinem Kind in der Vergangenheit Situationen erlebt, die schwierig waren.“ Das Spektrum der Beeinträchtigung bei Frühchen kann extrem groß sein. „Sie haben neben psychischen Belastungen auch häufig körperliche Probleme.“ Betroffen können Herz und Lunge, die Atmung und die Ernährung sein. „Es kann auch zu Hirnblutungen kommen.“ Romy Dobbert: „Eltern, die ihre Frühgeborenen mit Schläuchen und in Brutkästen sehen, stehen ebenfalls unter einem hohen Druck.“

Wie definiert man Frühgeborene? „Kinder, die in der 35. oder 36. Woche geboren werden, gelten medizinisch als Frühgeborene“, erklärt Sandra Ratz. „Extreme Frühchen kommen zwischen der 28. und der 30. Woche zur Welt.“ Eltern müssen mit der Situation kämpfen, dass ihr Kind es möglicherweise nicht schafft, fühlen sich häufig allein gelassen.“ Ist ihr Baby dann über den Berg, folgt nicht selten die Zeit der Verdrängung. Sandra Ratz: „Vielleicht gibt es Eltern, die sagen, sie möchten das Erlebte einfach abhaken. Aber es gibt sicherlich auch diejenigen, die sich austauschen wollen. Wir wollen aber keine Jammergruppe sein, sondern positive Energie geben, die insbesondere im ersten Lebensjahr so wichtig ist.“ Dafür müssten die Eltern nur bereit sein, sich zu öffnen. Sie erhalten neben der Möglichkeit des miteinander Redens und voneinander Lernens praktische Informationen, beispielsweise wo es Kinderärzte gibt, oder Tipps zu den Themen Ernährung und Fördermöglichkeiten. Was die beiden Frauen keinesfalls wollen ist ein straffes Konzept. Sandra Ratz: „Die Treffen sollen locker sein, daher haben wir das Projekt Elterngruppe genannt. Selbsthilfegruppe hat immer einen Beigeschmack.“ Die Begegnungen finden regelmäßig statt, sind jedoch keine Pflicht.

„So ein Angebot gibt meiner Information nach in Nordfriesland noch nicht“, sagt Romy Dobbert. „In Nordstrand hat es einen Verein gegeben, aber der wurde aufgelöst.“ Diese Lücke will die Elterngruppe „Kleine Wunder“ ausfüllen. Es gibt keinen Träger, Romy Dobbert übernimmt als Koordinatorin des Quartierhauses (Lorenz-Jannsen-Straße 11) und Mitarbeiterin der Kita Leni die Unterstützung. Der Elterntreff ist vertraulich und diskret. Sandra Ratz: „Wir wollen möglichst viele Interessenten ansprechen und unser Angebot bekannt machen.“ Zunächst gilt es abzuklären, wo und in welcher Region es Bedarf gibt. Danach richtet sich, an welchem Ort sich die Teilnehmer treffen werden. Wer das Angebot annehmen möchte, meldet sich bis zum 26. August unter Telefon 04661/9016131 oder per E-Mail unter dobbert@leni-gmbh.de an. Das erste Treffen ist für den 9. September, 19.30 Uhr, geplant.

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