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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 17:28 Uhr

Ein "Musikzwerg" lebt auf der Hallig

vom

Die dreijährige Mara von Nordstrandischmoor fährt einmal in der Woche per Lore zum Unterricht auf das Festland - natürlich mit der Mama

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Nordstrandischmoor/Husum | Auf geht es zu den "Musikzwergen". Für Susanne Siefert und ihre Tochter Mara heißt das: einmal in der Woche zwei Stunden Fahrt, teilweise mitten durch das Wattenmeer für eine dreiviertel Stunde Unterricht in der Kreismusikschule, die im Schloss vor Husum untergebracht ist.

Familie Siefert lebt auf Hallig Nordstrandischmoor, wo kein Auto als Fortbewegungsmittel in der Garage wartet. Ihr motorisierter Untersatz steht auf dem Festland, im Beltringharder Koog. Um den Parkplatz zu erreichen, muss der Diesel-Motor der Lore in Gang gesetzt werden, damit das kleine Eiland verlassen werden kann. Dann geht es auf Schienen über den Damm - quasi quer durch die Gezeiten. "Wir sind bisher immer gut durchgekommen", schmunzelt Susanne Siefert.

Sie nimmt die aufwendige Tour gern in Kauf. Denn für ihre dreijährige Tochter wird noch mehr geboten, als Töne, Tanz und Tasten. In der Musikschule ist Mara mit Kindern ihres Alters zusammen. Zuhause auf der Hallig ist sie die jüngste Bewohnerin, gleichaltrige Spielkameraden gibt es dort nicht. Ihre Mutter ist mit Musik groß geworden. Für sie Grund genug, um Mara bereits in jungen Jahren eine musikalische Förderung erfahren zu lassen. "Sie hat einen großen Schritt in ihrer Entwicklung gemacht, und unter den Kinder sind Freundschaften entstanden."

Dass Musik eine Bereicherung ist, weiß niemand besser als Wiebke Wucher. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Kreismusikschule und zuständig für die unter Sechsjährigen. "Musik liegt jedem im Blut", sagt sie. Schon die Kleinsten würden "patschen und klatschen" - zudem singen Kinder Titel wie selbstverständlich nach. "Sie speichern Dinge wie ein Schwamm", erzählt Wiebke Wucher - und Susanne Siefert nickt bestätigend. "Mara singt oft zu Hause, auch Lieder aus der Gruppe." Dort sind Kinder von 18 Monaten bis vier Jahre mitsamt Eltern oder Großeltern während des Unterrichts versammelt. Die Kleinen schlüpfen in Rollen von Zwergen und Riesen, machen dementsprechend leise und laute Töne mit kleinen und großen Klanghölzern, Trommeln und Glöckchen. Sie tanzen und singen, beobachten und haben sichtlich Spaß, auf klangvolle Entdeckungsreisen zu gehen. "Kinder brauchen Musik. Die ersten sechs Lebensjahre sind für die Entwicklung eines Kindes von entscheidender Bedeutung. Die Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeit wird durch gemeinsames Singen, Tanzen, Musizieren und Musikhören erheblich gefördert", weiß Wiebke Wucher.

Die "Musikzwerge" sind in zwei Altersgruppen eingeteilt: ab 18 Monaten und ab drei Jahren. Für Kinder ab vier Jahren gibt es die musikalische Früherziehung und ab sechs Jahren bietet die Schule das "Instrumentenkarussell" und den "Instrumentenkreisel" an. Weiter geht es für alle Altersgruppen mit Instrumental- und Gesangsunterricht, wobei qualifizierte Lehrkräfte ihr Wissen und Können an mehr als 20 verschiedenen Instrumenten in Stilrichtungen von Klassik bis Pop und vom Hobbymusizieren bis zur Studienvorbereitung weitergeben. Außerdem gibt es Ensembles für alle Generationen. "Wir bieten für jeden Geschmack etwas, eine Vorbildung ist nicht von Nöten", betont Wiebke Wucher.

Die Kreismusikschule besitzt neben Husum noch weitere Stützpunkte, ist Kooperationspartner von Schulen und organisiert Unterricht in Kindertagesstätten. Finden sich genügend Interessierte in einer Gemeinde, steht der Gründung einer Gruppe nichts im Wege, merkt Wiebke Wucher an. Für die Teilnahme an den Unterrichtseinheiten gibt es Bildungsgutscheine.

Der verschmitzte Blick von Mara beim Musizieren und ihr Lächeln sind für Susanne Siefert der schönste Lohn für die weite Anreise.Informationen zu den Angeboten der Einrichtung unter Telefon 04841/8973-123 oder -127 oder mit www.kreismusikschule.nordfriesland.de.

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