Freund der Vogelwelt : Ein Meister der Stimmenimitation

Wusste Interessantes und Lehrreiches zu berichten: Dr. Uwe Westphal, hier mit einer Heringsmöwe.
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Wusste Interessantes und Lehrreiches zu berichten: Dr. Uwe Westphal, hier mit einer Heringsmöwe.

Der Tierforscher und Diplombiologe Uwe Westphal begeisterte im Naturkundemuseum die Besucher mit seiner Gabe und seinem Wissen.

shz.de von
19. Mai 2015, 08:15 Uhr

Er hat 200 Stimmen von 130 Vögeln auf der Zunge. Er ist durch seine Fähigkeit, Vogelstimmen zu imitieren, weltweit bekannt. Man sagt, dass es einen wie ihn nicht ein zweites Mal gibt. Am internationalen Tag des Museums war er in Niebüll: der Tierforscher mit dem Schwerpunkt Zoologie und Ökologie und Diplom-Biologe Dr. rer. nat. Uwe Westphal aus Seevetal. Mit 50 nordfriesischen Naturfreunden unternahm er eine „geführte Exkursion“ durch die gefiederte Welt des wunderbaren Niebüller Museums. „Wir freuen uns“, sprach Museumsleiter Carl-Heinz Christiansen auch den erwartungsfrohen Besuchern aus dem Herzen über den abermaligen Besuch Dr. Westphals in Niebüll und dankte der Nospa für das Sponsoring.

Wer es noch nicht wusste: Der bekannte Vogelstimmenimitator erlernte diese Fähigkeit schon in früher Jugend, als er mit Hühnern, Gänsen und Enten sogar op Platt zu kommunizieren pflegte. Nach Studium und Examina arbeitete er zwei Jahrzehnte für den Naturschutz. Seither bis heute ist er als Freiberufler tätig: als Fachpublizist und Redakteur. Er fasziniert Menschen in Seminaren und auf Exkursionen. All das ist nachzulesen in Veröffentlichungen und im Internet sowie zuweilen zu erleben in Funk und Fernsehen.

In Niebüll hielt sich der Fachmann und Freund der Vogelwelt nicht lange mit Theoretischem auf. Bevor er treppauf zu den Vögeln eilte, verriet er mit Blick auf das Naturkundemuseum-Aquarium, dass auch Fische Stimmen haben. Von Raum zu Raum eilend wandte er sich den Möwen und Watvögeln zu, dem Jauchzen der Silbermöwe etwa, und den watenden Vögeln wie dem Regenpfeifer und dem Kiebitz, dessen Namen von seiner Art der Nahrungssuche, dem Herumgucken, herrührt. Nebenher merkt der Biologe an: „Manch ein Gesang aus dem gefiederten Volk ist eher seltener zu vernehmen.“

Dann und wann, berichtet er, macht er auch faszinierende Beobachtungen. So sah er einmal unter 60  000 aufflatternden Strandläufern ein „Albino“. Aus Moor und Heide ließ er den Kuckuck aus der Vielfalt seiner stimmlichen Variationen zu Wort kommen, den Moorfrosch quaken und dessen Nachbarn Krach machen. Zu Wort kam auch der Kolkrabe, der vermeintlich größte Sänger der Vogelwelt. Vom winzigen Zaunkönig wusste Uwe Westphal sogar eine Legende zu erzählen, in der die Eule mit ihren schützenden Flügeln eine Rolle spielte. Vom Winzling selbst berichtete er, dass er allzu oft vor der Frage gestanden habe, zu singen oder den Schnabel zu halten.

Immer wieder stimmte der prominente Gast Gesänge an und Varianten aus dem Reichtum und der Vielfalt von Vogelstimmen. Zu Wort – obwohl kaum zu hören, kam auch der Spatz, oder die Singdrossel, die noch spätabends putzmunter zu musizieren pflegt, oder die Lerche, die sogar im Fluge singt, oder, oder, oder. Die akustische Lektion verging wie im (Vogel) Flug. Es war spannend und unterhaltsam zugleich. Manches Rätsel um die eine oder andere Vogelstimme aus Hausgarten, Feld und Wiese löste sich dank des Experten auf. Doch unterm Strich mag an diesem denkwürdigen Mai-Tag herausgekommen sein, dass man jetzt nicht nur die eine oder andere Vogelstimme erkennt, sondern dass man bewusster auf (Vogel)-Stimmenfang geht.

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