zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 02:31 Uhr

Satire : Ein Meister der frechen Zunge

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Lachen, Kichern, Schenkelklopfen: Manfred Degen unterhielt bei seiner ausverkauften Klamauklesung in der Stadtbücherei vortrefflich

Der Abend in der brechend vollen Stadtbücherei bot Gelegenheit, Kraft zu tanken für den hektischen Endspurt vor den Festtagen. Ronald Steiner gebührt ein Dank dafür, Manfred Degen (66), den Sylter Entertainer in Sachen Humor, nach Niebüll geholt zu haben, wo er seit 23 Jahren nach seinem „gleitenden Abschied“ von seinem Arbeitgeber DB von Zeit zu Zeit seine Späße treibt.

So auch an diesem (draußen) trüben Donnerstagabend, der als Klamauklesung proklamiert war, die er dann auch war – und sicher auch noch viel mehr, weil knappe zwei Stunden lang Lachen und Kichern angesagt waren und zuweilen auch mal Schenkelklopfen, wenn dem Degen mal ein Kalauer entglitt.

Degen? So heißt der Satiriker von der Insel nicht nur, er ist es zuweilen auch, wenn er mit seiner frechen Zunge wie mit einer Klingenwaffe in die Gesellschaft hineinsticht, skurrile Typen zeichnet und Zustände karikiert, in denen immer ein Körnchen Wahrheit enthalten ist. Wenn der Degen plaudert, schildert oder schwadroniert, blitzt kreatives Formulieren auf. Entweder ist es die Sprache des Nachbarn von neben an oder die des Milliardärs aus den Kampener Szenelokalen.

Schnell hat er die Gäste vom Ellbogen bis runter nach Hörnum beim Wickel, vergisst aber auch die Einheimischen nicht – wie etwa den Morsumer, dem er nachsagt, er liefere bei seinen Fragen gleich die Antworten mit. Die Aktualität der Tage kommt auch nicht zu kurz, wenn aus jetzt geträllerten Liedern weihnachtliche Lärmemissionen heraushört, und im Shopping die Gier nach materiellen Gütern ahnt.

Wenn er über den Weihnachtsmarkt flaniert, hört er gar die Schlürfgeräusche an den Glühweinständen. In der Fünf-Sprachen-Region unterscheidet er zwischen der dänischen „Rødgrød med fløde“, dem friesischen „Rüm Hart“ und dem plattdeutschen „Lever dod“. Den arabischen Fotografen hört er „allemallachen“ sagen, wenn er zum Gruppenbild bittet.

Das zu frühe Ableben vergleicht er mit einer Kerze, die schneller brennt, weil man intensiver gelebt hat. Was für Degen Heimat bedeutet, hat er auf einem Trip nach Australien verspürt. Er verspüre auch Sehnsucht nach dem Winter. Das könne nur der verstehen, der eine Sommernacht mit einer Mücke verbracht hat. Ob man Heiligabend in die Kirche gehe, wollte er wissen – und wenn ja warum? „Mal ehrlich“, fragte er seine Zuhörer: „Würden Sie einem Sackgesicht auch ein ‚frohes Fest‘ wünschen?“

Dann schwenkte Manfred Degen auf die Zielgerade ein, kam nochmal am Gogärtchen vorbei, blickte auf die dortige Gästeliste, meinte ein FIFA-Präsidiumsmitglied gesehen zu haben, und einen Ritterkreuzträger (mit Eichenlaub) und Damen mit kiloweise Silikon und Botox. Er berichtete von der Warteschlange vor der Autoverladung, die bis vor seine Haustür reichte und beendete seinen Rundumschlag mit einem Abstecher bei den Landfrauen und den promovierten Entenzählern auf Hallig Gröde.

Schließlich rollte Manfred Degen seine freche Zunge ein, die er eloquent ausgefahren hatte. Danach hatten die Besucher Gelegenheit, Ronald Steiner zum Geburtstag zu gratulierten und mit einem Gläschen, eingeschenkt von Ladies Circle, mit ihm anzustoßen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen