Bürgermeister-Serie : „Ein liebenswerter Ort am Meer“

Der Deichbau war für Hans-Jürgen Ingwersen (l.) das prägende Thema 2017, vom ehemaligen Wirtschaftsminister Reinhard Meyer gab es vor knapp einem Jahr dafür einen Förderbescheid.
Der Deichbau war für Hans-Jürgen Ingwersen (l.) das prägende Thema 2017, vom ehemaligen Wirtschaftsminister Reinhard Meyer gab es vor knapp einem Jahr dafür einen Förderbescheid.

In einer Serie stellen wir alle 30 Gemeinden Südtonderns vor: Heute Hans-Jürgen Ingwersen, Bürgermeister in Dagebüll.

shz.de von
10. Januar 2018, 19:00 Uhr

Dagebüll | Was macht Ihre Gemeinde so besonders?

Dagebüll ist eine liebenswerte Landgemeinde mit einer guten Versorgung. Es gibt einen Kindergarten, ein Schwimmbad, Sportanlagen, Schulwald, Gemeindehaus, eine Kümmerin, aber vor allem viel Natur und die Nordsee vor der Haustür. Bedingt durch die Entwicklung in Dagebüll-Hafen entstehen auch neue Arbeitsplätze. Die Gemeinde bietet mit dem Bottschlotter See, dem Speicherbecken im Hauke-Haien-Koog, dem Schulwald, den vielen Warften, dem Hans-Momsen-Haus, dem dorfgeschichtlichen Wanderweg und kleinen Museen viel Natur und Kultur zum Erleben.

Was muss unbedingt verändert, auf den Weg gebracht werden?
Vieles ist in den letzten Jahren bewegt worden, wenn ich an die touristische Entwicklung denke. Hier müssen wir den Weg weiter gehen. Handlungsbedarf sehe ich vor allem bei der Anbindung an das Glasfasernetz, die für uns in 2019 auf der Agenda steht, sowie in der Anbindung an die Zentralorte, wo wir uns im Sommer 2018 eine Verbesserung durch den Rufbus erwarten.

Wie ist die Altersstruktur, gibt es genügend Angebote für die jeweiligen Altersgruppen?
Der demografische Wandel macht auch vor Dagebüll nicht halt, allerdings sehen wir bei uns aktuell eine positive Entwicklung. So hatten wir im letzten Jahr elf Neuzugänge in unserer Feuerwehr, und auch die Belegung unseres Kindergartens verbessert sich. Unsere Vereine wie DRK, Heimatverein, Sozialverband und weitere haben natürlich oft etwas ältere Mitglieder, allerdings haben wir mit Feuerwehr, Sportverein, Sportplatz, Turnhalle, vier Spielplätzen und Jugendraum auch Angebote für Kinder und junge Menschen.

Das Projekt, das Dagebüll im vergangenen Jahr am stärksten bewegt und beschäftigt hat, ist der Deichbau. Wie fällt Ihr Fazit dazu aus?
Beim Deichbau sind wir nun bei der Halbzeit angelangt, und wenngleich das Jahr wettermäßig äußerst schwierig war, ist das Bauziel für 2017 doch noch erreicht worden, und die Zusammenarbeit mit dem LKN und den Baufirmen hat geklappt. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass die Arbeiten in 2018 mit dem Ausbau unseres Badestrandes und dem Neubau der Stöpe zügig weitergehen und alles zur Saison 2019 fertig ist. Im Übrigen war die Baustelle ein echter Anziehungspunkt, die Führungen wurden sehr gut angenommen und die Beeinträchtigungen hielten sich in Grenzen.

Zu den positiven Entwicklungen zählen die starken Zuwächse bei den Gäste- und Übernachtungszahlen. Was macht den kleinen Ort am Meer so beliebt bei Urlaubern?

Auf den ersten Blick könnte man glauben, Dagebüll hätte eine Randlage. Tatsächlich nutzen unsere Gäste Dagebüll als Startpunkt für Ausflüge nach Föhr, Amrum, Sylt, Niebüll, Tondern, Husum und Flensburg. Daneben wird vor Ort natürlich die Nordsee zum Baden und Wattwandern genutzt. Wichtig für Dagebüll sind auch die Bahnanbindung und die in den letzten Jahren entstandenen attraktiven Ferienhäuser und Ladenzeilen, die dem Ort ein Gesicht geben und das Angebot verbessern.

Kann es auch ein Zuviel an Tourismus geben?

Davon ist Dagebüll glaube ich noch weit entfernt. Wichtig ist aber, dass die Infrastruktur mit den Gästezahlen Schritt hält. Deshalb ist die erneuerte Badestelle mit besseren Sanitäranlagen und Parkplätzen wichtig. Außerdem machen wir uns in der Gemeindevertretung Gedanken über eine verbesserte Versorgung und Verkehrsführung.
Welche größeren Vorhaben stehen in diesem Jahr an?
Nachdem in 2018 hoffentlich noch ein Ferienhausgebiet entstehen soll, und im kommenden Jahr vielleicht ein Wohnmobil- und Campingplatz entstehen könnte, soll es danach auch eine Konsolidierungsphase geben, um auch baulich ein wenig Ruhe einkehren zu lassen. Neben den bereits erwähnten Projekten soll in Dagebüll-Hafen noch ein attraktiver Spielplatz entstehen, in Fahretoft soll unser Baugebiet um vier Plätze erweitert werden, die Sanierung unserer Sporthalle wird weitergeführt, zusammen mit Projektpartnern soll das Umfeld des Hans-Momsen-Hauses attraktiver gestaltet werden, und die Verstärkung von Wirtschaftswegen im Rahmen der vereinfachten Flurbereinigung wird fortgeführt.

Gibt es einen Moment oder eine Situation, bei der Sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden?
Ich empfinde es als großes Glück, in einem so reichen und freien Land zu leben. Und deshalb ist es eine soziale Verpflichtung, sich soweit wie möglich ehrenamtlich zu engagieren. Für mich persönlich war Kommunalpolitik die Möglichkeit, mein Lebensumfeld aktiv zu gestalten. Wenn Projekte dann Wirklichkeit werden, ist das natürlich auch Motivation. Dass ich das als Bürgermeister tun kann, ist ein vom Wähler und dem Gemeinderat bestimmtes Privileg.

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?
Wir alle üben dieses Amt freiwillig aus, insofern sollte man sich nicht zu sehr ärgern lassen. Grundsätzlich ist es aber in der Kommunalpolitik wie im „richtigen Leben“ schwer mit Menschen zu arbeiten, die sagen, was alles nicht geht, aber keine eigenen Lösungen anzubieten haben.







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