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Joey Kelly hält Votrag in Niebüll : „Ein Leben ohne Ziele ist sinnlos“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Extremsportler Joey Kelly begeistert das Publikum mit dem Vortrag „No Limits“ – Erlös des Abends ist für Menschen mit Behinderungen bestimmt.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 03:59 Uhr

Niebüll | Sind Extremsportler normal? „Ja, fast alle sind ganz nette Menschen, die freundschaftlich, fast familiär miteinander umgehen“, sagt Joey Kelly, der aus einer der bekanntesten Musikerfamilien der Welt stammt. Nach Niebüll haben den Musiker aber andere Gründe gebracht. Zum einen das Amboss Rennen, ein knallhartes Hindernisrennen für nicht zimperliche Nordfriesen. Vor allem aber die Unterstützung des Teams und der behinderten Menschen, die auf besondere, liebevolle und komplexe Weise im Haus KoMeT in Niebüll betreut und gefördert werden. Denn für sie ist der Erlös des Benefizabends in der Stadthalle bestimmt, bei dem Joey Kelly als einer der weltweit bekanntesten Ultrasportler über das Thema „No Limits“ spricht – in packender und auch äußerst amüsanter Weise, mit vielen Erkenntnissen, die jedem helfen können, auch hoch gesteckte Ziele zu erreichen.

Nach der Technikprobe im noch leeren Saal mischt sich Joey Kelly eine knappe Stunde vor Beginn seines Vortrag unter die Menschenmenge im Foyer. Die meisten möchten ihn etwas fragen, Autogramme haben und natürlich Selfies machen. Doch zielstrebig sucht und findet der Mann mit elf Geschwistern die Ehrengäste aus dem Haus KoMeT, zeigt nicht die geringsten Berührungsängste, streicht den jungen Menschen im Rollstuhl über die Hand oder die Wange, nimmt die junge Vivian sogar in die Arme, die dabei spontan vor Freude weint.

„Die Menschen in diesem Haus schaffen jeden Tag einen Marathon, setzen sich immer wieder ehrgeizige Ziele – ihr verdient dafür meinen höchsten Respekt“, sagt Joey Kelly später auf der Bühne. Beeindruckt ist sein Publikum aber vor allem vor den schon fast unmenschlich erscheinenden Herausforderungen, die sich Joey Kelly seit Jahrzehnten selbst sucht und konsequent meistert. „Ein Leben ohne Ziele macht für mich keinen Sinn“, sagt der mehrfache Vater – egal ob dies ein Wettlauf über 400 Kilometer in extremer Kälte zum Südpol ist, das härteste Rennen der Welt – gut 200 Kilometer durch die glühend heiße Wüste des Death Valley – oder der Ultramarathon auf Hawaii. Kämpfen, brennen, raus aus der Komfortzone kommen – nur so lassen sich auch hoch gesteckte Ziele erreichen. „Glück ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von hohem Einsatz und Zielstrebigkeit“, sagt Kelly, der seine Sportkarriere selbst – kaum vorstellbar – bei Null begonnen hat.

Eine Wette mit seiner Schwester brachte ihn vor 30 Jahren zu seinem ersten Triathlon. „Ich wusste gar nicht, welche Sportart zuerst kommt, aber ich fühlte mich damals als so ein toller Kerl, dass ich dachte – ich schaffe das auch ohne Training.“ Ergebnis: Nach wenigen hundert Metern Schwimmen rettet er sich an eine Boje und gibt das Rennen auf. „Hätte es die nicht gegeben, wäre ich abgesoffen und sie hätten heute einen besseren Moderator“, sagt Joey Kelly.Sein damaliges Fazit: Das mache ich nie wieder. Doch schon wenige Trainingswochen später ist er infiziert vom Mythos Ironman, von denen er mittlerweile schon mal acht pro Jahr macht, oder auch zu Fuß, ohne Proviant und Geld von der Nordsee bis zur Zugspitze einmal durch Deutschland geht.

Der spannende, mit vielen Filmsequenzen aufgewertete Vortrag zeigt, das Leben des Extremsportlers ist bis heute untrennbar mit dem der Kelly Family verbunden. „Mein Vater wollte in Italien Priester werden, dann hat er sich es anders überlegt und mit meiner Mutter zwölf Kinder bekommen, und sich entschlossen, diese große Familie durch Straßenmusik zu ernähren – wenn das nicht No Limit ist“, sagt Kelly, der nach dem Tod des Vaters und 14 Jahren Pause im kommenden Jahr mit seinen Geschwistern wieder auf eine bereits so gut wie ausverkaufte Tournee geht. „Doch auch dann werde ich nicht singen“, betont er. In den ersten zehn Jahren als Straßenmusiker waren die Kellys chronisch pleite. „Doch wir hatten ein Ziel – einmal in einem Stadion vor 50 000 Menschen spielen.“

Gib mehr als du nimmst – nach diesem Leitsatz seines Vaters Dan lebt und denkt Joey Kelly bis heute. „Nur wer viel investiert und gibt, wird viel erreichen.“ Authentisch und mit mitreißender Ironie bringt der Weltstar der Extremsportszene diese Botschaft rüber. Er nimmt sich selbst nicht wichtig – und fesselt gerade dadurch sein Publikum.

„Es war ein großartiger Abend“, so bedankt sich Bernhard Vogel, selbst Extremsportler und Organisator des zweitägigen Amboss-Events, bei seinem alten Bekannten Joey Kelly, der den sonnigen Tag in Niebüll unter anderem bei einer Laufrunde mit Kunden der VR-Bank verbracht hat. Ein Präsent für den Referenten gibt es natürlich von Vivian.

„Ultrasport geht über Grenzen und ist nicht immer gesund“, gesteht Joey Kelly am Ende des Abends. Doch jeder, der zehn Kilometer laufen kann, steigere dadurch seine Gesundheit, seine Leistungsfähigkeit, sein Selbstvertrauen, seine Laune und seine Lebensqualität erheblich. „Wichtig ist nur anfangen, und zwar nicht am 1. Januar, sondern heute!“ Findet der Extremsportler, der für den guten Zweck auch schon 24 Stunden unter Wasser oder auf einer Rolltreppe gelaufen ist, denn selbst noch neue Herausforderungen? „Ja klar, ich werde in naher Zulunft mal durch den Amazonas paddeln.“

 

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