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Ein „Kreis Südtondern“ statt der Gemeindefusionen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Interview mit Amtsvorsteher Peter Ewaldsen über die SSW-Forderung nach einer Gebiets- und Strukturreform

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 11:28 Uhr

Für Sie ist bei der Diskussion über eine mögliche Kommunalreform ein „Kreis Südtondern“ die Lösung. Das hatten Sie schon früher gefordert. Warum?

Amtsvorsteher Peter Ewaldsen: Wir haben in Schleswig-Holstein vier Verwaltungsebenen und damit eine zu viel. Wir haben das Land, den Kreis, die Ämter und die Gemeinden. Um Finanzen einzusparen, müsste eine Ebene abgeschafft werden. Und das wäre für mich die Kreis-Ebene. Man müsste die Ämter dann so groß machen, dass sie die Kreisfunktionen wahrnehmen können.

Könnte das Südtondern?

Das Amt mit seinen 30 Gemeinden und 40  000 Menschen könnte jetzt schon mühelos einen Teil der Aufgaben des Kreises übernehmen. Wir wären das einzige Amt, das groß genug ist, um sofort Kreis zu werden. Wir waren ja früher schon mal „Kreis Südtondern“, und da saßen wir auch im selben Verwaltungsgebäude wie heute. Die Räumlichkeiten wären also schon da. Dann müssten wir nur noch einen Teil der Kreis-Mitarbeiter übernehmen. Aber nicht alle, sonst wären wir genauso weit wie vorher.

Und was die Gemeinden bislang an Umlagen an den Kreis abführen müssen, würde in der Region bleiben?

Wenn wir dieses Geld frei hätten für Entwicklungen in den einzelnen Dörfern, dann würden wir einen Riesen-Schritt vorankommen. Wir sind dann der direkte Draht nach Kiel.

Für Sie sind die Dänen, die ihre Gemeinden zu Großgemeinden zusammenlegten, also kein gutes Beispiel?

So ein Schritt tötet garantiert sämtliche Initiativen, die heute in den Gemeinden da sind. In Dänemark ist nichts mehr wie es war. Die gesamte Infrastruktur ist verschwunden. Die Dörfer sind verödet. Die Zentralisierung im kommunalen Bereich ist falsch. Denn das Wertvollste, was wir im ländlichen Bereich haben, sind unsere Dorfgemeinschaften mit ihren Vereinen und Verbänden. Wenn wir die Lebensqualität des ländlichen Raums zerstören wollen, dann müssen wir nur Großgemeinden machen. Dann wäre alles kaputt.

Für wie realistisch halten Sie denn den Vorschlag, den Kreis abzuschaffen?

Für sehr realistisch. Irgendetwas muss passieren. Unsere finanziellen Anspannungen sind so groß, dass wir uns mehr und mehr verschulden müssen. An irgendeiner Schraube muss gedreht werden.

Aber dass gerade an dieser Schraube gedreht werden soll, dass sieht ganz bestimmt nicht jeder so. Wie sehen es aber Südtonderns Bürgermeisters?

Die meisten sind gegen die Pläne der Zusammenlegung der Gemeinden. Aber es gibt auch Gegenstimmen. Trotzdem finde ich, man muss auch Visionen haben. Vom Bildungssystem bis zur Infrastruktur – wir haben schon zu viel verloren. Im Grunde will aber keine Gemeinde ihre Eigenständigkeit verlieren. Eine reiche Gemeinde will sich nicht mit den armen zusammenschließen. Damit geht es doch schon los.

Es gibt also nur einen Weg?

Diesen Weg.

Ein steiniger Weg?

Ich weiß, wenn man mit Visionen auftaucht, dann stößt man auf großen Widerstand. Ich will aber, dass wir uns selbst bewegen. Sonst bewegen uns andere. Und ich will nicht, dass wir womöglich demnächst eine Regierung haben, die über unsere Köpfe hinweg bestimmt. Es muss einfach Veränderungen geben. Wir müssen uns verändern.

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