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Nordfriesland Tageblatt

16. Dezember 2017 | 06:59 Uhr

Ein Kleinod für Oldtimer-Fans

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Obwohl es nun schon seit zehn Jahren besteht, ist das private Motorrad-Museum von Ottmar Hirth in Stedesand weiterhin ein Geheimtipp.

von
erstellt am 21.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Unscheinbar, leicht verträumt, so wirkt auf den ersten Blick das kleine, private Motorrad-Museum „Twins & Triples“ von Ottmar Hirth. Am westlichen Ortsausgang von Stedesand, im Seitenweg 3 gelegen, hat er ein Kleinod geschaffen. Nicht nur Liebhaber von englischen, amerikanischen und italienischen Zwei- und Dreizylinder-Motorrädern aus den 60er- und 70er -Jahren kommen hier voll auf ihre Kosten. Herzlich ist der Empfang und frischer Kaffeeduft vermischt sich bereits beim Betreten mit einem „Benzin-Öl-Luftgemisch“. Es ist, als tauche man in eine andere Welt ein. Klangvolle Namen der Motorradszene wie BSA, Norton, Triumph, Royal-Enfield, Moto Guzzi, Ducati oder Laverda lassen einen staunen des guten Zustandes wegen, aber auch ehrfurchtsvoll auf die aufgereihten „Bikes“ blicken. Rund 40 Klassiker der Motorradgeschichte, eigene und von Freunden, zeugen von spannenden, aber auch wilden Jahren. Jahren, in denen die Jugend ihren musikalischen Rock’n’Roll-Idolen nacheiferte. Sich der als bevormundend empfundenen Politik widersetzten oder als Rocker ihre Freiheit ohne Sturzhelm, ABS, Sicherheitsweste und Fahrsicherheitstraining auf den Straßen Europas auslebten.

Inmitten dieser nostalgisch anmutenden Szenerie: Ottmar, der gebürtige Schwarzwälder. Man duzt sich unter Motorradfahrern. Mit einem Lappen wischt er lächelnd letzte Ölreste unter den Maschinen weg: „Sind Engländer, die ölen immer.“ Bereits 1976 hat er sich seine erste „Engländerin“ gekauft. Eine 69er BSA Lightning. „Die hat mich Schweiß, Nerven und ganz viel Lehrgeld gekostet“, schwärmt er lachend. Es gibt sie immer noch. Verkaufen? „Nein, die bestimmt nicht. Da hängen so viele Erinnerungen dran. Uns verbindet so eine eine Art Hassliebe.“ Und während er die „Alte Dame“ ein wenig nach vorne rollt, wird schnell klar – so etwas verkauft man nicht. Tipptopp im Zustand, fast wie neu. Was für alle Motorräder zutrifft – und alle sind fahrtauglich.

Wie kommt ein gebürtiger Freiburger darauf, in Stedesand, nicht gerade das Mekka von Motorradfahrern und -liebhabern, ein Museum zu errichten? „Wir wohnen schon länger hier, beruflich bedingt, und das Museum entstand, weil meine Frau Corinna die Bikes aus dem Wohn- und Gästezimmer heraus haben wollte. Werkstatt und Carport waren auch schon voll, damals rund 30 Stück. So haben wir dieses Holzbohlen-Haus in Eigenarbeit in unserem Garten aufgestellt. Hat zwar sechs Monate gedauert und einige Roststellen an den Motorrädern verursacht, aber seitdem stehen sie trocken, werden wieder regelmäßig gefahren und gepflegt.“

Und wie weit geht Corinnas Liebe heute zum Hobby? „Sie akzeptiert es. Ist okay. Selber fahren tut sie aber nicht. Gibt ja Beiwagen für das eine oder andere Bike.“ Und das mit dem Fahren meint Ottmar wirklich so. Viele Länder Europas hat er mit seinen Maschinen bereist und noch heute kann man ihn auf Touren mit seinen Brüdern oder Freunden antreffen. Ende Juni geht es wieder los. Nach Thüringen, auf die legendäre Rennstrecke: „Schleizer-Dreieck“.

Was hat es denn mit der großen Leidenschaft für „Café Racer“ auf sich? „Das Motorrad war ein überaus wichtiges Szene-Element der Jugend- und Rocker-Kultur der 60er-Jahre. Die Motorräder wurden nach allen Regeln der Kunst und eigenem Geschmack verändert und umgebaut. In Straßenrennen, Start war vor dem Londoner „Ace Cafe“ bis zum nächsten Kreisverkehr und wieder zurück, wurde der Schnellste ermittelt. Maximaler Zeitansatz, die Spieldauer einer Single, die aus der Jukebox ausgewählt wurde. Also sehen und gesehen werden und dabei viel Spaß haben. So war das damals.“ Und heute? Ottmar gehört dem „59er Club“ an und fährt regelmäßig zu deren Treffen nach London. Straßenrennen werden dort allerdings nicht mehr gefahren. Doch die „Café Racer“ erfahren derzeit eine Renaissance, wie vieles, was zwischen Nostalgie und Kult eine Szene hat. Aber um sich dem Charme, dem Lebensgefühl dieser damaligen „Subkultur“ anzunähern, bedarf es nicht gleich einer Reise nach London. Bei einem Besuch im Motorrad-Museum „Twins & Triples“, nach Voranmeldung, geht das auch sehr gut. Und jeden 1. Sonntag im Monat (ab Juli), Beginn 9 Uhr, veranstaltet Ottmar Hirth ein Treffen für alle Classic Italo- und Britische Motorrad-Fans und Liebhaber. „Japaner und Bayern sind auch herzlichst willkommen“, lädt er abschließend schmunzelnd ein.


Infos unter www.twinsandtriples.de oder unter den Nummern 04662/913 sowie 0172/9773465.


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