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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 14:38 Uhr

Ein Höchstmaß an Virtuosität

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Julia Mensching, Jason Ponce und Eduard Don waren gleich drei international erfahrene Musiker im Weckwerth-Museum zu Gast

von
erstellt am 15.Sep.2015 | 11:35 Uhr

Am vergangenen Wochenende fand im „Werner Weckwerth Museum“ ein gut besuchtes Kammerkonzert statt, bei dem Werke für selten zu hörende Besetzungen dargeboten wurden. Drei junge, aber alle schon preisgekrönte und international erfahrene Instrumentalisten bereiteten ihrem Publikum ein Klangerlebnis ganz besonderer Art: der aus Moldawien stammende, in Israel ausgebildete Klarinettist Eduard Don, die Viola-Virtuosin Julia Mensching aus Hamburg und der Pianist Jason Ponce, der aus Kolumbien stammt, seit 2005 aber an der Musikhochschule Lübeck beruflich tätig ist und als viel beschäftigter Kammermusiker landesweit sein Publikum begeistert.

Julia Mensching, die als Moderatorin durch das Programm führte, gab einleitend einige Änderungen der Werkfolge bekannt, so auch die Reduzierung der unter „WaO 27“ bekannt gewordenen Sammlung von Duos für Klarinette und Viola auf den ersten Satz in C-Dur. Ludwig von Beethoven hatte das Werk für Klarinette und Fagott komponiert, was die Bratschistin zu Recht motivierte, den Klang ihrer Viola durch starkes Markieren der Töne dem Klang eines Blasinstrumentes so weit wie möglich anzugleichen. Das Duett präsentierte sich als spielerischer Dialog zweier gleichberechtigt „auf Augenhöhe“ musizierender Instrumente.

Es folgte die 1. Rhapsodie für Klarinette und Klavier von Claude Debussy, der zu den Impressionisten gezählt wird, da in seiner Musik weniger die traditionelle kompositorische Arbeit an den Themen und Motiven zum Tragen kommt, als vielmehr das Auskosten unterschiedlicher Stimmungen und die Anwendung unkonventioneller Rhythmen und Harmonien. Spieltechnisch betrachtet wird beiden Instrumentalisten ein Höchstmaß an Virtuosität abverlangt. Für den leisen Seufzer des Klarinettisten am Ende der Komposition („Ein hartes Stück Arbeit!“) hatte das Publikum vollstes Verständnis.

Kurz darauf wartete Eduard Don mit der nachhaltig beeindruckenden Darbietung eines hochmodernen, aus vier Sätzen unterschiedlichen Charakters bestehenden und sehr rasant endenden Werkes für Klarinette solo auf, das aus der Feder des Schweizer Komponisten Peter Escher stammt. Dieser hätte im Falle seines Überlebens im laufenden Kalenderjahr seinen 100. Geburtstag feiern können.

Vor der Pause spielten Julia Mensching und Jason Ponce in meisterhafter Manier den ersten Satz aus der „Arpeggione-Sonate“, D 821 in a-moll, für Viola und Klavier von Franz Schubert. Die romantische, im Original der – heute aus dem Konzertleben verschwundenen – „Arpeggieone“ (Bogengitarre) gewidmete Komposition von überwiegend elegischem Charakter, erzeugte – auch auf der Viola gespielt – einen weichen, leicht näselnden und unmittelbar ins Ohr gehenden Klang.

Mit dem „Opus 84“ von Peter Escher trugen die drei Künstler ein fünfsätziges Werk vor, in dem Klarinette, Viola und Klavier fantasievollen, wechselnden Zwiegesprächen nachgehen, in die sich der dritte Partner immer wieder einmischt.

Entschieden schlichter ging es beim letzten Programmbeitrag zu, den vom ganzen Ensemble interpretierten „Märchenerzählungen, op. 132,“ von Robert Schumann. Bei diesen ist nicht erkennbar, dass sich die vier Sätze auf konkrete Märchen beziehen. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um musikalisch unproblematische, aber klangschöne Fantasiestücke.

Als der lebhafte Schlussapplaus des Publikums verklungen war, dankte die Hausherrin, Helga Weckwerth, dem virtuosen Künstlertrio für dessen an Nuancen reiche Konzert und den – teilweise von weither angereisten – Zuhörern für ihr Erscheinen.


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