Hochwasser an der Elbe : Ein Hilferuf mitten in der Nacht

Der nordfriesische Konvoi auf dem Weg ins Hochwassergebiet. Foto: hn
Der nordfriesische Konvoi auf dem Weg ins Hochwassergebiet. Foto: hn

80 Nordfriesen im Katastropheneinsatz in Sachsen-Anhalt / Landrat verabschiedet Helfer und dankt Arbeitgebern

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15. Juni 2013, 07:48 Uhr

Nordfriesland | Mitten in der Nacht ging der Hilferuf ein: Gegen 1 Uhr wurde gestern die gesamte Feuerwehr-Bereitschaft Nordfriesland mit ihren drei Einsatz-Zügen alarmiert. Der Grund: mehrere Deichbrüche im Bereich Stendal. Der Krisenstab des Landes Sachsen-Anhalt bat angesichts der dramatischen Lage dringend um Unterstützung. Über das Innenministerium Schleswig-Holstein wurden daher die Feuerwehrbereitschaften der Kreise Nordfriesland, Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde alarmiert.

In der Stadt Arneburg nördlich von Stendal müssen mit hohem Personalaufwand Sandsäcke befüllt und an den Deichen verbaut werden. "Für die überörtliche Unterstützung bei solchen Katastrophenlagen halten die Kreise ihre Feuerwehrbereitschaften vor", erläutert Christian Wehr vom Fachdienst Rettungswesen des Kreises Nordfriesland.

Noch in der gestrigen Nacht bekamen Teile der nordfriesischen Feuerwehren aus Niebüll, Emmelsbüll-Horsbüll, Risum, Hattstedt, Viöl, Bredstedt, Breklum, Wester-Ohrstedt, Mildstedt und Garding die Einsatzorder. Sie rückten dann jeweils mit einer kleineren Gruppe und einem Fahrzeug in den weit entfernten und mehrere Tage andauernden Einsatz aus. Zuhause in der Gemeinde bleibt der Brandschutz durch die übrigen Feuerwehrleute mit den anderen Fahrzeugen sicher gestellt, teilte der Kreis Nordfriesland gestern mit.

Angesichts der langen Einsatzdauer wurde auch eine Verpflegungsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes alarmiert. Eingebunden sind Freiwillige des DRK aus Niebüll, Husum und Tönning. Sie sollen eine unabhängige Verpflegungsmöglichkeit für die eingesetzten Helfer sicherstellen. Hierzu werden keine Lebensmittel bei den Rettungsorganisationen eingelagert, sondern es werden - wie auch in dieser Nacht - große Lebensmittelmärkte angefahren. Dafür gibt es zahlreiche Vereinbarungen, die einen schnellen Zugriff auf große Lebensmittelmengen auch in den Nachtstunden oder an Wochenenden sicherstellen. Gestern wurden Edeka Pioch in Garding, der Großhandel Bast in Tönning und Getränke Loof in Garding direkt von der Feuerwehr Garding angefahren, die die benötigten Lebensmittel für den Einsatz in Sachsen-Anhalt einlud.

Nach der Alarmierung aller Einsatzkräfte mitten in der Nacht wurden die Fahrzeuge für den langen Spezialeinsatz aufgerüstet. Auch die Helfer selbst mussten sich mit allem persönlichen Gepäck für eine Woche ausstatten. Treffpunkt für alle Einsatzkräfte war um 5 Uhr morgens beim Kreisfeuerwehrverband in Husum. Von dort aus sollten alle mit ihren Fahrzeugen im geschlossenen Verband ausrücken.

Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen ließ es sich nicht nehmen, die in Husum ankommenden Einsatzkräfte in der frühen Morgenstunde persönlich zu begrüßen und ihnen ein gutes Gelingen sowie eine gesunde Rückkehr zu wünschen. "Wir Nordfriesen wissen, was Solidarität heißt, und das beweisen wir auch mit diesem Einsatz", erklärte Harrsen kurz vor deren Abfahrt. Den insgesamt 80 nordfriesischen Einsatzkräften gebühre großer Respekt: "Innerhalb von vier Stunden für vielleicht eine ganze Woche in einen Einsatz zu gehen, das ist schon eine sehr beachtenswerte Leistung." Sein Dank galt ebenso den Arbeitgebern der Helfer, die durch ihr Wohlwollen solche Sondereinsätze überhaupt erst möglich machen.

Um 5.30 Uhr machten sich alle 80 Männer und Frauen mit insgesamt 21 Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht von Husum auf den Weg zum Autobahnparkplatz Harburger Berge bei Hamburg. Auf diesem von der Polizei gesperrten Parkplatz trafen sie sich mit ihren Kollegen aus Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde. Von dort aus machte sich dann der große Rettungskonvoi auf den weiteren Weg Richtung Arneburg in Sachsen-Anhalt. Im Konvoi fehlte lediglich die Feuerwehr-Bereitschaft aus Wittbek - jedoch nicht, weil man sie nicht alarmiert hatte, sondern weil sie sich bereits seit über einer Woche im Großpumpeneinsatz im Hochwassergebiet bei Lauenburg befindet.

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