Besondere Förderung an der FPS : Ein Herz für Hochbegabte

Ausgezeichnet: Maren Stolte, Koordinatorin für Begabtenförderung, überreichte das Zertifikat an Eckard Kruse, Schulleiter der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll.
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Ausgezeichnet: Maren Stolte, Koordinatorin für Begabtenförderung, überreichte das Zertifikat an Eckard Kruse, Schulleiter der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll.

Die Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll ist jetzt als Schule für „SHiB – Schleswig-Holstein inklusive Begabtenförderung“ zertifiziert.

shz.de von
11. April 2018, 12:21 Uhr

Niebüll | Lange wurde auf diesen Abend hingearbeitet. Schüler, Lehrer und Eltern haben viel Zeit und Energie in das Projekt zur Begabtenförderung gesteckt. Kürzlich konnten endlich die ersten Lorbeeren nach mehrjährigem Vorlauf geerntet werden. Sichtlich stolz nahm Eckard Kruse, Schulleiter der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll, das Zertifikat, überreicht von Maren Stolte, der Koordinatorin für Begabtenförderung des Bildungsministeriums, entgegen. Etwa 80 Besucher nahmen an den Feierlichkeiten in der FPS-Mensa teil.

„SHiB“ steht für „Schleswig-Holstein inklusive Begabtenförderung“. Ziel dieses Projektes ist es, Begabte mit ihren Stärken und gegebenenfalls (Lern-) Schwierigkeiten im Unterricht zu erkennen; die Schüler zu ermutigen, ihre Begabungspotenziale zu entfalten und eventuelle Schwierigkeiten zu überwinden sowie den Schülern eine ihren Stärken und ihrem Potenzial angemessene Lernbiografie zu ermöglichen.

Als hochbegabt gilt ein Kind, wenn im Rahmen eines Intelligenztests ein Intelligenzquotient von über 130 festgestellt wird. In der Regel trifft das auf zwei von Hundert zu. Durchschnittliche IQs liegen bei 85 bis 115. Intelligenz entsteht durch genetische und erworbene Faktoren – wobei die Veranlagung mehr als 50 Prozent ausmacht.

Die FPS ist im Schuljahr 2012/13 in das SHiB-Projekt des Ministeriums für Schule und Berufsbildung aufgenommen worden. Schülerpaten der Klassen 9 bis 13 wurden und werden ausgebildet und sind zusammen mit zwei Elternvertreterinnen, sieben Lehrkräften und dem Schulleiter Eckard Kruse Mitglieder der schulinternen SHiB-Arbeitsgruppe. Im Schuljahr 2013/14 wurde damit begonnen, das sogenannte Drehtürmodell zunächst in den Klassenstufen 5 und 6 zu etablieren. Seit dem Schuljahr 2014/15 wurde das Modell auf die Mittel- und Oberstufe erweitert. Das Drehtürmodell ermöglicht es besonders begabten und interessierten Schülern, sich zeitweilig und stundenweise aus dem Klassenunterricht auszugliedern, um an Themen eigener Wahl zu arbeiten. Sie werden damit zu Experten zu den von ihnen bearbeiteten Themen.

So solle eine schulinterne Expertenkartei entstehen, die Schüler könnten ihr Wissen in ihrer eigenen Klasse präsentieren und darüber hinaus als Experten für andere Klassen gebucht werden, heißt es in einer Erläuterung der FPS. Und weiter: „Mit dem Drehtürmodell wollen wir denjenigen Schülerinnen und Schülern, die den Unterrichtsstoff bereits beherrschen oder ihn sich sehr schnell aneignen können, die Möglichkeit geben, ihre Potenziale stärker zu nutzen.“ Darüber hinaus berät die Schule Begabte sowie deren Eltern und bietet den Kindern weitere Förderungsmöglichkeiten sowie die Vorbereitung auf Wettbewerbe, die Teilnahme am Juniorstudium, interessengeleitete Arbeitsgruppen und Exkursionen.

In seinem Vortrag mit dem Titel „Von Überfliegern und Untertauchern – Begabungsförderung am Gymnasium“ verdeutlichte Prof. Dr. habil. Thomas Trautmann von der Universität Hamburg den Gästen der Feierstunde, dass seiner Meinung nach in jedem Heranwachsenden eine Begabung steckt. Doch nicht jede ist schulisch nutzbar, sichtbar oder grundsätzlich einträglich. „Eine Begabung ist nicht die Leistung der Schüler selbst, sondern die Lernleistungsvoraussetzung.“ Sie stelle also nur das Potenzial zum Erlernen dar.

Weitere Erkenntnisse der Feierstunde in der FPS: Nicht jedes überdurchschnittlich intelligente Kind wird verhaltensauffällig oder leidet unter Problemen in der Schule. Nicht selten werden jedoch soziale Probleme der hochbegabten Kinder durch Langeweile und Unterforderung im Unterricht geboren. Dem kann eine Schule mit „SHiB“-Möglichkeiten entgegen wirken. Das freie, selbstständige Lernen und Weiterbilden wird nicht nur gefördert, sondern auch in strukturierte Bahnen gelenkt. Somit ist die Stadt Niebüll um ein weiteres, wichtiges Angebot reicher.



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