Friesische Erfolgsgeschichte : Ein Haus voller Leben

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Andersen-Hüs in Risum-Lindholm feiert 25-jähriges Jubiläum.

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07. Juni 2018, 06:25 Uhr

Risum-Lindholm | Es war ein gewagter Entschluss des Ostermooriger Friesenvereins (Frasche Feriin for e Ååstermååre), 1989 das ziemlich marode Andersen-Hüs in Risum-Lindholm zu kaufen. Aber mit viel Einsatz und Herzblut wurde daraus bis zur Einweihung 1993 ein echtes Schmuckstück und seit dem Einzug vor 25 Jahren eine lebendige Kultur- und Begegnungsstätte. „Es ist ein Haus voller Leben, das ist bei uns deutlich sichtbar“, findet Gerhard Johannsen, der 2. Vorsitzende des über 700 Mitglieder zählenden Vereins. Das 25-jährige Jubiläum im Andersen-Hüs soll am Sonnabend und Sonntag, 30. Juni und 1. Juli, mit einem Empfang und zwei Konzerten gefeiert werden.

Den Auftakt macht am Sonnabend um 11 Uhr eine Feierstunde mit geladenen Gästen – Unterstützer, Sponsoren, ehemalige Vorstandsmitglieder, Helfer –, in deren Rahmen ein Bildervortrag über die Entstehung und Entwicklung des Hauses informiert. Abends geben dann ab 19.30 Uhr Drones & Bellows ein Konzert – im Garten, wenn das Wetter mitspielt. Der Eintritt kostet zum Jubiläum nur fünf Euro. „Drones & Bellows sind hier praktisch groß geworden“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Hauke Friedrichsen. „Das erste Mal haben sie im Stall gespielt, dann im Saal und dann musste es schon eine Doppelveranstaltung geben.“ Zum Abschluss der Feierlichkeiten ist am Sonntag ab 11 Uhr bei freiem Eintritt ein Frühschoppen mit der Band De Watermänner und een Fisch geplant. „Für das leibliche Wohl ist gesorgt, außerdem gibt es am Sonntag dank der Unterstützung der Kulturstiftung der Nord-Ostsee Sparkasse ein Kinderschminken“, betont Pressewartin und Beisitzerin Frauke Thiesen.

Die Bank engagiert sich von Beginn an finanziell für das Andersen-Hüs und wird das auch in Zukunft tun. „Es ist einfach toll, was hier alles in Eigenleistung gemacht wird“, findet Regionaldirektor Ralf Friedrichsen, der das Haus nach eigener Aussage selbst des Öfteren für Gespräche nutzt. Die Bandbreite der Veranstaltungen, die jedes Jahr im Andersen-Hüs stattfinden, ist groß. So gibt es weit über 20 Theatervorstellungen auf plattdeutsch und friesisch, dazu zahlreiche Konzerte – in diesem Jahr waren beispielsweise schon Julia Böttcher und Six Mile Bridge da. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass Künstler bei uns anfragen, ob sie kommen dürfen“, berichtet Hauke Friedrichsen. Frauke Thiesen kennt das Geheimnis: „Das Ambiente kann uns einfach keiner nachmachen.“

Zum beliebten Herbstmarkt kommen an einem Wochenende über 2000 Menschen, alle zwei Jahre findet das große Backen mit anschließendem rustikalen Frühstück statt. „Außerdem haben wir im Jahr an die 25 Trauungen“, weiß Volkert Petersen, der Vorsitzende des Koordinationsausschusses. All diese Veranstaltungen, in denen viel Arbeit und Leidenschaft steckt, sind für Gerhard Johannsen unbedingt nötig, denn: „Das Andersen-Hüs braucht Leben, um zu überleben. Wir können hier nicht ruhig sitzen, sonst stirbt es.“ Insgesamt helfen 100 Vereinsmitglieder dabei, den lebendigen Charakter der Begegnungsstätte aufrecht zu erhalten.

Zu diesem Charakter zählt auch das kleine Museum auf dem ehemaligen Heuboden, in dem viele Möbel, Haushaltsgeräte und Trachten aus der friesischen Kultur zu sehen sind. Dort befindet sich auch eine Wiege, in der schon die Kinder der Familie Andersen, die das historische Haus 1725 erbauen ließ und ihm seinen Namen gab, gelegen haben.

Dem Ostermooriger Friesenverein und zahlreichen Unterstützern aus dem Dorf ist es zu verdanken, dass das Gebäude 1989 vor dem Verfall gerettet wurde. „Damals haben quasi alle Betriebe aus dem Dorf ohne Bezahlung bei den Arbeiten geholfen“, erinnert sich Hauke Friedrichsen. So konnte das Gebäude mit Hilfe der damals noch üppigen Fördergelder umfangreich saniert und isoliert werden. Ein weiterer Meilenstein: das Geschenk eines Risum-Lindholmers, der dem Verein eine landwirtschaftliche Fläche zur Nutzung für Parkplätze schenkte. „Eine wunderbare Geste, seitdem haben wir keine Probleme mehr.“

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