Weltfrauentag : „Ein gutes Netzwerk ist alles“

Sinje Stein ist eine von drei Bürgermeisterinnen der insgesamt 30 Gemeinden Südtonderns.
Sinje Stein ist eine von drei Bürgermeisterinnen der insgesamt 30 Gemeinden Südtonderns.

Anlässlich des Weltfrauentages haben wir mit der Galmsbüller Bürgermeisterin über Männerüberschuss in der Kommunalpolitik gesprochen.

shz.de von
08. März 2018, 11:07 Uhr

Galmsbüll | Heute wird in zahlreichen Ländern der Internationale Weltfrauentag gefeiert. Anlässlich dieses Tages haben wir uns mit Sinje Stein, die seit rund zweieinhalb Jahren Bürgermeisterin von Galmsbüll ist, über Männerüberschuss in Südtonderns Kommunalpolitik und die Kochkünste nordfriesischer Männer unterhalten. Nur drei der insgesamt 30 Bürgermeister Südtonderns sind Frauen. Die Lehrerin lebt mit ihrem Mann in Galmsbüll und hat drei volljährige Kinder, die inzwischen ausgezogen sind.

Frau Stein, warum sind die Frauen in der Kommunalpolitik Südtonderns noch immer in der Minderheit?
Man wird Gemeindevertreter oder Bürgermeister, weil man von anderen Mitgliedern dazu überredet wird. Männer haben – anders als Frauen – starke, lange gewachsene Netzwerke in der Kommunalpolitik. Sie schlagen meist andere Männer für bestimmte Posten vor, so bleiben sie unter sich. Sind aber die Frauen einmal da, ist es auch andersherum ein Selbstläufer. Bei uns in der Gemeindevertretung sind die Frauen keine Minderheit. Bei der Kommunalwahl stehen auf der Liste meiner Wählergemeinschaft in Galmsbüll mehr Frauen auf der Liste als Männer.

Welche weiteren Ursachen machen Sie für dieses Ungleichgewicht verantwortlich?
Ein wichtiger Punkt ist die Zeit, die man für die ehrenamtliche Arbeit als Gemeindevertreter oder Gemeindeoberhaupt braucht. Viele Frauen tragen im Haushalt und bei der Kinderbetreuung immer noch mehr Verantwortung, sie sind eher eingespannt als ihre Ehemänner. Ich glaube nordfriesische Männer kochen eher wenig. Die Frauen sind daher am Abend eher nicht bereit, zu einer Sitzung zu kommen, die mehrere Stunden dauern kann.

Sind hier besonders junge Frauen gefragt, selbst aktiv zu werden, um nicht die Hauptlast im Haushalt zu tragen?
Ja, viele Frauen müssen erst lernen zu delegieren - sowohl in der Familie als auch in der Politik. Aber die traditionelle Rollenverteilung kommt ins Kippen. Die Frauen müssen ihre Rechte wahrnehmen (wollen).

Immer wieder hört man, dass Frauen verantwortungsvollePositionen ablehnen, weil sie sich die Aufgaben, die die Stelle mit sich bringt, nicht zutrauen.
Ja, Frauen sollten erkennen, dass Männer in der Politik auch nur mit Wasser kochen. Sie sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Männer präsentieren sich über ihre Position und brauchen es häufiger sich zu profilieren. Der Status ist ihnen wichtiger.

Wurden Sie in ihrem Amt als Bürgermeisterin je diskriminiert oder benachteiligt, weilsie eine Frau sind?
Nein, ich wurde von den Galmsbüller Gemeindevertretern mit offenen Armen empfangen, von Beginn an. Nachteile habe ich nicht erfahren. Wie die Skandinavier brauche ich die weibliche Endung -in nicht, denn ich mache meinen Job ja genauso gut wie ein Mann - als Bürgermeister!

Bei einigen Sitzungen sind Sie die einzige Frau.
Ja das stimmt. Besonders deutlich wird das im Bauausschuss, dort ist es manchmal etwas speziell (lacht). Man darf nicht drüber nachdenken, was die dann über einen als einzige Frau denken. Wenn ich hier, oder auch anderswo spreche, achte ich außerdem darauf, wie ich auftrete. Das tue ich aber immer, wenn ich vor Gruppen stehe – unabhängig von meiner Rolle als Frau und davon, wer mein Publikum ist.

Gibt es etwas, das sie Frauen für die Zukunft wünschen?
Ich wünsche mir, dass mehr Frauen es sich zutrauen, sich Gehör zu verschaffen und ihre direkte Umgebung mitzugestalten. Sie sollen einfach machen. Aber: Es ist immer einfacher wenn man Verbündete hat. Zudem ist es wichtig, dass Frauen finanziell unabhängig bleiben, und sich nicht von der Familienarbeit und dem Ehegattensplitting einwickeln lassen und damit auf ihre Rentenansprüche verzichten, sodass sie im Ernstfall für sich selbst sorgen können.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen