Ein Glücksfall für Nordfriesland

Dr. Klaus Petersen (r.) mit dem früheren Bürgermeister von Hallig  Gröde, Hermann Schwennesen. Foto: Nordfriisk Instituut
Dr. Klaus Petersen (r.) mit dem früheren Bürgermeister von Hallig Gröde, Hermann Schwennesen. Foto: Nordfriisk Instituut

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17. Februar 2012, 03:59 Uhr

Nordfriesland | "Ein Friese aus Berlin" - so charakterisierte vor Jahren eine Zeitung den damaligen ersten Landrat des Kreises Nordfriesland, Dr. Klaus Petersen. Darin liegt viel. Großstadterfahrung und Weltgewandtheit verband er mit der Verankerung in Nordfriesland.

In der Hauptstadt wurde er vor 90 Jahren, am 17. Februar 1922, geboren. In den Ferien zog es den Jungen in die Heimat seiner Eltern, nach Enge und West-Bargum. Nach dem 2. Weltkrieg studierte Klaus Petersen Jura in Kiel und absolvierte ab 1950 seine Referendarszeit vorwiegend an Gerichten im Landesteil Schleswig. Danach sammelte er Erfahrungen in der Verwaltung. Seine 1955 eingereichte Doktorarbeit trägt den Titel: "Zur Rechtsgeschichte Nordfrieslands, insbesondere der Bökingharde und der Vierharden".

1962 stand der Landrat des Kreises Südtondern zur Wahl. Klaus Petersen bemühte sich um diese Stelle. Gegenkandidat war der nachmalige Landesminister und Landtagspräsident Rudolf Titzck, geboren im nordfriesischen Neukirchen. Beide Bewerber gehörten der CDU an, die im Kreistag über die Mehrheit verfügte, und diese nominierte Titzck. Aber die gesamte "Opposition" von SPD, SSW, FDP und einer Föhrer Wählergemeinschaft stimmte für Petersen, und darüber hinaus erhielt er zwei Stimmen aus der CDU. Mit denkbar knapper Mehrheit war er gewählt.

Gegen den Strom schwamm Klaus Petersen nicht selten auch als Landrat. Es war nicht sein wichtigstes Ziel, sich beliebt zu machen. Fast allein stand er im Kreis Südtondern, als um die Bildung des Kreises Nordfriesland gestritten wurde. Er ließ sich davon leiten, dass es zum ersten Mal in der Geschichte gelingen sollte, die Nordfriesen in einer politischen Einheit zusammenzuführen. Am 10. Juni 1970 wurde Petersen mit klarer Mehrheit zum Landrat des neuen Kreises Nordfriesland gewählt. Bei der Wiederwahl 1975 stimmten 41 von 44 Kreistagsabgeordneten für ihn. Fast durch ein Vierteljahrhundert war er Landrat in und für Nordfriesland. An der entscheidenden Stelle wirkte er daran mit, dass die Region zu einer Einheit zusammenwuchs. Dies ist sein ganz besonderes Verdienst, das ihm gewiss dauerhaft einen Platz in den Geschichtsbüchern Nordfrieslands sichert.

Als dienstältester Landrat Schleswig-Holsteins wurde er nach insgesamt 24 Amtsjahren in den Ruhestand verabschiedet. Als durchsetzungsstark und geradlinig, eckig und kantig, manchmal auch schroff schätzte man "den großen Klaus" ein. Als "König Klaus I. von Nordfriesland" wurde er bei seinem Abschied in einer Zeitungsüberschrift betitelt.

Schon als Landrat in Südtondern erlernte Klaus Petersen die friesische Sprache. Die Bewahrung dieser kleinen Kultur war ihm besonders wichtig. Im Ruhestand wirkte er von 1988 bis 1997 als Vorsitzender des Nordfriesischen Vereins, Vorstandsmitglied des Nordfriesischen Instituts und als erster Mann des Friesenrats.

Für sein Wirken wurde er mehrfach ausgezeichnet. So ernannte ihn Königin Margrethe II. zum "Ritter des Dannebrog-Ordens" und ehrte damit seine Verdienste um die deutsch-dänische Verständigung. Heute lebt er in sich zurückgezogen in seinem Haus in Ostenfeld, liebevoll gepflegt von seiner Frau. Das Amt des Landrats in Nordfriesland, so sagte Klaus Petersen einmal, sei ein Glücksfall für ihn gewesen, "weil ich darin meine besondere Erfüllung finden konnte". Umgekehrt gilt es wohl auch: Landrat Petersen war ein Glücksfall für Nordfriesland.

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