Ein Gasthof mit Geschichte

Autor und Sohn des Erbauers: Dr. Heinrich Erdmann vor „Fraschlönj“.
Autor und Sohn des Erbauers: Dr. Heinrich Erdmann vor „Fraschlönj“.

Zum 50-jährigen „Fraschlönj“-Bestehen hat Dr. Heinrich Erdmann ein 192 Seiten umfassendes Buch veröffentlicht

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08. Dezember 2014, 10:25 Uhr

Fraschlönj: Dieser Name hat mehrere Bedeutungen. Auf der einen Seite ist es der Name „Friesland“ in der Mooringer Mundart. Fraschlönj heißt auch der Gasthof im Ortsteil Risum. Unter der näheren Bezeichnung „Landgasthof mit Saal“ war es seinerzeit der erste Gewerbebetrieb, dessen Bau mit Mitteln des Programm Nord gefördert wurde.

Zum 50-jährigen Bestehen des Gasthofes schrieb Dr. phil. Heinrich Erdmann, Sohn des Erbauers und ersten Krögers Gustav Erdmann, dessen Geschichte auf. Sie ist jetzt in einem 192 Seiten umfassenden Buch erschienen und für 6,90 Euro in der Friesischen Buchhandlung Niebüll und der Bredstedter Geschäftsstelle des Nordfriesischen Vereins erhältlich.

Erdmann schildert nicht nur die Geschichte des Hauses. Er schildert auch die seit der vorletzten Jahrhundertwende unter den Friesen ausgetragenen Konflikte, die heute kaum mehr eine Bedeutung haben und nur noch sporadisch Erwähnung finden. Im Buch wird an die Protagonisten des einstigen „Grenzkampfes“ erinnert, die bisweilen untereinander heftige Fehden austrugen.

Erdmann nennt neben seinem Vater fünf Gründungsväter für das Anwesen, das den baufällig gewordenen „Kroif“ (Kneipe) von Christian „Kicke“ Boysen ersetzte: Broder B. Andresen, Berthold Bahnsen, Carsten Boysen, Ludwig Claussen und Emil Ewald.

Im Bestreben, den Friesen – egal welcher Couleur – einen „gewissen dörflichen Mittelpunkt“ zu schaffen, waren sich „alle Fünfe“ einig. Nicht einig indes waren sie in ihrer politischen Sicht, die, wie Erdmann schildert, zu heftigen und unversöhnlichen Auseinandersetzungen führte, zur Konfrontation zwischen dem deutschen und dänischen Friesentum, das besonders in den „Fehden“ zwischen Dr. Rudolf Muuss und Johannes Oldsen deutlich wurde. Erdmann erkennt in seiner Bewertung in Ludwig Clausen und vor allem in Emil Ewald Persönlichkeiten, die neben ihrer „deutschen Position“ einen Ausgleich anstrebten, wie er (wenngleich spät) auch zustande kam und wobei die dänische wie auch die deutsche Seite verbindende Gemeinsamkeiten darin erkannten, nämlich in Pflege und Erhaltung von Sprache und Kultur.

Zurück zum Gasthof „Fraschlönj“. Er wurde nach Plänen des Niebüller Architekten Martin Bernhard Christiansen gebaut. Die Gewerke besorgten Risum-Lindholmer Handwerker. Gustav Erdmann und seine Frau Sara (heute 97) führten den Gasthof bis 1967. Bis 2001 folgten Pächter-Ehepaare wie Volquardsen, Knudsen und Ketelsen. Seither ist der Saalbetrieb an den Niebüller Sven Stümer verpachtet.

Kicke Boysens Kroif – diling Fraschlönj, einst symbolhaftes Zentrum für Gegensätze zwischen den deutsch orientierten Nordfriesen und den zu Dänemark tendierenden Nationalfriesen – heute ein ganz normaler Gasthof, in dem Ringreiter, Vereine und Familien Feste feiern, wird in 192 interessanten Buchseiten lebendig.

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