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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 05:07 Uhr

Ein ganzes Leben eng verbunden

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hannchen Ingwersen und Mariechen Petersen sind Zwillinge – und seit kurzem Nachbarinnen / Heute feiern sie ihren 80. Geburtstag

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 13:10 Uhr

Verbundenheit unter Geschwistern ist immer etwas Besonderes; Mariechen Petersen und Hannchen Ingwersen stehen sich sogar besonders nahe – auch räumlich. Denn die beiden sind nicht nur zweieiige Zwillingsschwestern, sondern wohnen seit kurzem (wieder) nur wenige Meter voneinander entfernt in der selben Straße. Heute feiern die Schwestern ihren 80. Geburtstag – selbstverständlich gemeinsam.

Am 17. März 1936 kamen die Mädchen im Niebüller Krankenhaus zur Welt. „Ich hatte Vorfahrt!“, sagt Hannchen schmunzelnd, die 20 Minuten eher geboren wurde. Dass es Zwillinge werden würden, hatte die Mutter geheim gehalten – auch vor dem Vater. „Der konnte nämlich keine Geheimnisse behalten“, berichten die Schwestern. Über den doppelten Mädchensegen habe er sich dann sehr gefreut. Und auch in der Nachbarschaft kam die Überraschung gut an, fast schon zu gut: „Wenn ihr nun gleich zwei auf einmal habt, könnt ihr uns ja eins abgeben“, habe es etwa von einem kinderlosen Paar augenzwinkernd geheißen.

Als Babys lagen sie in einem Korbwagen, später in einem Bett, auch unterwegs seien sie immer gemeinsam gewesen. „Nur in der Schule haben wir nicht nebeneinander gesessen“, berichtet Mariechen Petersen. „Wir haben eine schöne Kindheit gehabt“, sagen die Schwestern unisono – auch wenn es harte Zeiten durchzustehen galt: beide Brüder sind im Krieg gefallen, der Vater verstarb relativ früh.

Nach der Schulzeit trennten sich die Wege der Zwillinge erstmals, als Hannchen mit 18 Jahren in einen Haushalt nach Schweden in Stellung ging. Später kehrte Hannchen nach Risum-Lindholm zurück, heiratete und bekam Kinder, Mariechen zog nach Sylt und blieb dort viele Jahre. Der Kontakt blieb auch bei räumlicher Trennung stets intensiv. Tägliche Telefonate gehörten ebenso dazu wie regelmäßige Besuche. „Es geht nicht ohne einander“, sagen die Schwestern.

Entsprechend froh waren die Zwillinge, als Mariechen 2004 in Rente ging und nach Risum-Lindholm zurückkehrte, wo Hannchen nach wie vor in ihrer beider Elternhaus lebte. Die 700 Meter Distanz zwischen den Wohnstätten der Schwestern wurden von nun an für Besuche täglich überbrückt, in der Regel mit dem Fahrrad. Inzwischen müssen die Schwestern nicht mehr auf den Drahtesel steigen, um die andere zu Besuchen, sondern nur aus der Haustür treten – denn die beiden sind nun Nachbarinnen im Kliiwerfeen. „Wir essen jeden Tag gemeinsam Mittag, und sonntags gibt es Frühstück – sonst nicht“, erzählt Hannchen. Ähnlich sind sich die Zwillingsschwestern in ihrem Sinn für Humor, gemeinsam unternehmen sie viel, sind fast täglich mit dem Fahrrad unterwegs, kegeln und spielen friesische Kartenspiele. Unterschiede gibt es auch: Mariechen sei immer eher die Bestimmerin gewesen und habe gerne das Wort geführt, sagt Hannchen Ingwersen. Dafür sei Hannchen immer die Verrücktere und Unvernünftigere gewesen, kontert Mariechen. So ähnlich oder unterschiedlich die Schwestern auch sein mögen: „Wir haben uns noch nie ernsthaft gestritten. Und wir hoffen, dass wir noch möglichst viele gemeinsame Geburtstage miteinander verbringen.“

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