Ruhestand : Ein fürsorglicher Realist mit Visionen

Neun Jahre leitete Manfred Wissel die Friedrich-Paulsen-Schule – gestern wurde der 64-Jährige feierlich in den Ruhestand verabschiedet

shz.de von
16. Juli 2015, 05:00 Uhr

Am Vormittag bereiteten ihm die Schüler der Friedrich-Paulsen-Schule einen rührenden Abschied. Wenig später wurde Oberstudiendirektor Manfred Wissel (64) von Dr. Annette de la Motte aus dem Ministerium für Schule und Berufsbildung mit Aushändigung der Entlassungsurkunde in den Ruhestand verabschiedet, den er zum Ablauf dieses Monats antreten wird.

Studiendirektor Karsten Giltzau, stellvertretender Schulleiter der FPS, eröffnete die Feierstunde in der Mensa mit Begrüßung einer handverlesenen Gesellschaft von Vertretern aus Kommunen, Verwaltung, Wegbegleitern und Pädagogen. „Sie haben viel geleistet“, attestierte Ministerialbeamtin de la Motte dem Pädagogen Wissel, der neun Jahre die FPS leitete – weise, umsichtig und ausgestattet mit soliden fachlichen sowie menschlichen Qualitäten, sagte sie. Die Erwartungen an ihn seien hoch gewesen. Er sei ein Realist mit Visionen gewesen, der Menschen mitgenommen, viel erreicht und Spuren hinterlassen habe – immer fürsorglich, mit guten Kontakten zu den Nachbarn und außerdem ein glänzender Redner.

Die Reihe der Grußworte, allesamt voller Lob, führte Bürgervorsteher Uwe Christiansen (Niebüll) im Namen des Schulverbands an. Ungeduldig und hartnäckig sei der Schulleiter gewesen und habe die Politik ganz schön gefordert. Hans-Wilhelm Lange-Mildenstein sah in den Kontakten Wissels zur Freien Waldorf-Schule eine Herzensangelegenheit. Hans-Ferdinand Sönnichsen (Gemeinschaftsschule Niebüll) äußerte sich anerkennend darüber, dass der Schulleiter die Öffnung der FPS zu den Nachbarschulen gefördert habe. „Der Schulleiterwahlausschuss hat mit ihnen eine gute Wahl getroffen, erinnerte sich Sönke Petersen (Freundeskreis), und Vera Ebsen gab dem künftigen Pensionär gute Wünsche auf den Weg.

Abiturient Andreas Kaim drückte die Sicht der Schüler aus: „Er hatte Weitblick auf die Ereignisse. Die Kontakte zu ihm kamen nicht nicht aus dem Lehrplan, sondern auch aus dem Herzen.“ Amtsvorsteher Peter Ewaldsen erkannte an, dass Wissel stets nur Machbares gefordert habe. „Er verstand es aber auch, uns dahin zu bringen, wo er uns haben wollte.“ Ewaldsen über die Schule: „Die FPS ist ein Diamant in dieser Landschaft.“ Bernd Puschmann, Ex-Kollege aus der Zeit an der Beruflichen Schule, bewunderte im Nachhinein seine Fähigkeit, Talente aufzuspüren. Es sei nicht leicht, Schulleiter zu sein, bescheinigte ihm Kollegin Kirsten Lüders, und beim Bemühen, das Beste für die Schule zu erreichen, auch alle bei Laune zu halten. Als Personalratsvorsitzende der FPS lenkte sie den Blick auf die „Spuren des Wissel“ und meinte damit die baulichen Tätigkeiten – und nicht zuletzt auch auf das „Wissel-Denkmal“, den grau geklinkerten Mensa-Bau. Gleichwohl sei die Mensa auf gutem Weg, das Herzstück der Schule zu werden.

Das letzte Wort hatte Manfred Wissel – nun im Status einer Oberstudiendirektors a. D. „Das viele Lob werde ich als Vorrat anlegen“, kündigte er an. Was viele nicht wissen: Es sei Manfred Müller (einem früheren BS-Lehrer) zu verdanken, dass er (wegen seiner Französischkenntnisse) nach Niebüll kam. Ulrich Gagzow „zog“ ihn 1977 schließlich an die hiesige BS, von der er 1990 über die Hannah-Arendt-Schule Flensburg, und die Kieler Uni (1991) sowie 1995 das IPTS und vor neun Jahren als Schulleiter an die FPS wechselte. Wo er – abgesehen von seinen originären Aufgaben – eine lebhafte Zeit begleitete: den Bau der Mensa, G8 und G9 sowie den Wechsel des Schulträgers. „Aber das Umfeld stimmte“, lobte er sein Kollegium und alles was zur Schule gehörte – von der SV, dem Sekretariat bis zu den Hausmeistern. Jetzt kehre er der Schule – ohne in ein „tiefes Loch zu fallen“ – den Rücken und wende sich der Familie zu, der er auch danke, „besonders meiner Frau, die mir oft eine Klagemauer war.“

Der letzte offizielle Schultag hatte für den scheidenden Direktor mit einer Überraschung begonnen. Ex-Schüler Andreas Kaim bat ihn, im draußen wartenden „Papamobil“ (einem Audi A6) zu einer Rundfahrt Platz zu nehmen. Wieder zurück, warteten auf dem Sportplatz 800 Schüler, um den Direktor zu verabschieden. Sie besangen die gute Zeit, überreichten ihm einen Packen Schwarzbrot und einen jungen Apfelbaum Marke „Champagner“, strahlten, als er ihnen ihnen zurief, er sei sehr berührt und ließen bunte Luftballons aufsteigen. „Ich werde euch künftig nicht mehr begleiten. Doch ihr seid an dieser Schule! Besser könnt ihr es nicht haben.“



 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen