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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 05:08 Uhr

Ein Flugzeug zum Nulltarif

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Für die Sportfluggruppe Leck machten sich vier Helfer auf einen 4000-Kilometer-Weg, um eine geschenkte „Grumman“ aus Frankreich zu holen

von
erstellt am 09.Apr.2015 | 11:20 Uhr

Über ein unerwartetes Geschenk freut sich jeder, auch die Sportfluggruppe Leck. Von einem Ehepaar in Südfrankreich mit Wurzeln in Leck erhielt der Verein eine „Grumman AA5 A Traveler“ – zum Nulltarif gegen Abholung. Das Motorflugzeug soll jetzt grundüberholt und repariert werden. Helfer für dieses Vereinsprojekt sind gern gesehen, macht Vorsitzender Harald Callsen deutlich. „Es gibt viel zu tun – vom Lackausbessern über Polieren bis hin zum Einbau eines neuen Funkgerätes“, wirbt er um engagierte Mitglieder.

„Habt ihr Interesse, ein Motorflugzeug geschenkt zu bekommen?“, fragte Norbert Thomsen aus Leck. Sein Schwiegersohn Michael Block habe eines, das er abgeben möchte. Der Grund: Das amerikanische Modell, ein Viersitzer, war schon seit acht Jahren nicht mehr geflogen, hatte natürlich keine Lufttüchtigkeit mehr und war zu allem Überfluss in Dänemark registriert. Der Haken an der Geschichte? Das Motorflugzeug musste vom Flugplatz in Pamiers direkt an den Pyrenäen abgeholt werden. „Auf dem Foto sah die ,Grumman‘ ganz manierlich aus“, befand Harald Callsen. Man wollte das Risiko eingehen und den „Schatz“ nach Leck holen.

Im Oktober startete der Vereinschef mit Hartmut Mikkelsen und Wolfgang Küssner, Prüfer von einem luftfahrttechnischen Betrieb in Flensburg, mit einem 7,5-Tonner-Lkw mit Kofferaufbau. Tausend Kilometer weiter, kurz vor Paris, übernachtete das Trio, musste früh morgens durch den dicksten Berufsverkehr durch die französische Hauptstadt steuern. „Ohne Navi mit Spurassistent hätten wir keine Chance gehabt“, erzählt Harald Callsen von dem Abenteuer. Abends erreichten sie den Ort „Quillan“ und wurden von Beate Thomsen und Michael Block herzlich empfangen.

Zeitiges Aufstehen war angesagt, es ging durch die Berge und sehr enge Dorfstraßen zum 60 Kilometer entfernten Flugplatz Pamiers. In der Hallenecke stand es: Das Motorflugzeug Baujahr 1973, Triebwerksleistung 150 PS, Reisegeschwindigkeit 121 Knoten (220 Kilometer) in der Stunde. „Auf den ersten Blick war natürlich alles voller Staub und drei Räder hatten Plattfuß, aber der Kern schien durchaus okay“, meinte Harald Callsen. Mit Hartmut Mikkelsen und Michael Block begann er mit dem Zerlegen, Verladen und Vertäuen. „Das hat sieben Stunden gedauert – bei 26 Grad im Schatten.“

Nachdem sich Michael Block schweren Herzens von seiner „Grumman“ verabschiedet hatte, wurde sogleich der Weg nach Hause angetreten. Rund 4000 Kilometer hatte das Trio insgesamt hinter sich, als es wohlbehalten auf dem Flugplatz der Sportfluggruppe Leck wieder eintraf. Nach gründlicher Überprüfung kam man zu dem Ergebnis, dass der Viersitzer in einem guten Zustand ist, lediglich die Höhenflosse konnte aufgrund innerlicher Korrosion nicht mehr verwendet werden. Dem technischen Leiter Dirk Schäier gelang es, eine Ersatzflosse in den USA aufzuspüren. Die ist inzwischen eingetroffen und liefert zugleich den Startschuss für die anstehende Restauration in enger Zusammenarbeit mit dem LTB Flugzeugservice in Flensburg. Unter anderem soll das Triebwerk grundüberholt werden, weil das Motorflugzeug auch zu Schulungszwecken eingesetzt werden soll. Die Kosten sind noch nicht überschaubar, aber: „Es hat sich schon jetzt allemal gelohnt“, freut sich der Vorsitzende. Wenn alles fertig ist, hat eines Priorität: „Dann wollen wir mit diesem Flugzeug möglichst bald Beate Thomsen und Michael Block in Südfrankreich besuchen.“

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