Ein Fest für Nostalgiker

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Rekordzahlen beim zehnten Trecker-Ringstechen in Westre / Fahrer und Oldtimer-Freunde kamen voll auf ihre Kosten

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20. Juli 2015, 10:45 Uhr

Aus Jux und Tollerei versuchten sich vier Oldtimer-Freunde aus Westre vor zehn Jahren mit dem Ringstechen auf alten Treckern. Mit vier Dieselrössern starteten sie damals ihren ersten Wettkampf auf der Steffens-Fenne hinter dem Waldkrug, dem Areal des Ringreitervereins Westre, der ihnen auch heute noch das gesamte Equipment zur Verfügung stellt. Und mit stetig steigenden Starterzahlen hat sich das Ereignis zu einer aus dem Dorfleben in Westre nicht mehr wegzudenkenden Kult-Veranstaltung entwickelt.

Das ist sicher auch dem seit Beginn verantwortlichen Organisations-Trio Hans Nielsen, Jörg Andresen und Thomas Petersen zu verdanken. Besonders freuten sie sich, dass bei der zehnten Jubiläumsauflage eine Rekordzahl von Oldtimer-Treckern am Start war. Diese kamen aus der gesamten Festlandsregion Südtondern und einige sogar aus Dänemark. Die weiteste Anreise hatte Rainer Autzen aus Ost-Bargum, der mit seinem Nuffield, Baujahr 1968, eine Anfahrts-Stunde bis nach Westre brauchte. Dass weder das Alter des Treckers noch seines Fahrers eine Rolle spielen, bewies der 80-jährige Hans-Werner Anthonisen aus Uphusum, als ältester Starter auf seinem 32 PS starken „Fendt Farmer 2“, Baujahr 1964. Er hatte schon die Fahrt nach Westre durch die Landschaft genossen, wie er erzählte.

Absoluter Hingucker war das älteste Gefährt auf dem Platz, ein 35 PS starker, 10,3 Liter Lanz-Bulldog, Baujahr 1940, von Hauke Nahnsen aus Risum-Lindholm. Dieser schafft immerhin noch bis zu 20 km/h Spitzengeschwindigkeit und brauchte für die Hinfahrt fast eineinviertel Stunde. Vor dem Starten muss das Gefährt mittels eines Spirituskochers glühend vorgeheizt werden, dann das mobile Lenkrad zu entnehmen, um es an der Seite des Treckers als Schwungrad für den Start zu verwenden. Das Staunen war groß, als der Oldtimer schon nach einer Umdrehung ansprang und den Bulldog typischen kurzen aufeinander folgenden dumpfen Sound erzeugte.

Überhaupt kam viel Nostalgie auf beim Betrachten und dem vom Dieselqualm begleiteten Getöse der Oldtimer-Trecker fast aller Fabrikate und Generationen. So auch ein 18 PS starker Ein-Zylinder-Porsche-Diesel, der kleinste jemals in der Serien gebaute, von Simone Samson aus dem Gotteskoog. Aber auch Benzin-Trecker gab es zu bestaunen, wie der Ferguson von Lea Nielsen. Viele Trecker haben früher treue Dienste auf den Höfen geleistet, sind heute aber viel zu klein und werden deshalb nicht mehr gebaut. Zahlreiche nostalgische Schmuckstücke konnte man bestaunen, die von ihren Besitzern fast wie rohe Eier behandelt werden. Deshalb waren teils die Motorhauben bei besonders gepflegten Treckern mit Decken überzogen, um bei einem abgefallenen Ring den Lack nicht zu beschädigen.

Auf sechs breiten Galgen waren die Dieselrösser verteilt und hatten jeweils 20 Hin- und Rückfahrten zu absolvieren, sodass maximal 40 Ringe erzielt werden konnten. Beim Ringstechen setzte sich am Ende mit Hans Peter Asmussen aus dem dänischen Pebersmark ein klaren Sieger des Wanderpokals durch, denn er hatte den kleinen Ring nur einmal verfehlt. Zweiter wurde der in Nordhackstedt wohnende, aber mit seinem IHC aus Braderup kommende Maik Pinnau (35) vor dem Süderlügumer Dirk Block (33). Ein beachtenswerte Leistung vollbrachte die Einheimische Sünja Andersen auf ihrem Deutz, die als Siegerin von 2013 auf einen besonders kleinen Ring stechen musste und dabei trotzdem 32 Treffer erzielte. Da sie auch noch das Umstechen für sich entschied, holte sie nicht nur den vierten Rang in der Gesamtwertung, sondern auch den Preis als beste Trecker-Amazone. Wegen des Jubiläums hatten die Veranstalter zuvor einen Trecker-Geschicklichkeitswettkampf mit drei Spielen ausgeschrieben. Unter den 16 Teilnehmern holte sich Edgar Friedrichsen aus Westre den HNM-Pokal.

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