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Fahrradfreundliche Stadt : Ein Fahrradparkhaus als Lösung?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Vertreter des Bauausschusses sind sich uneinig, wie mehr Stellplätze für Zweiräder am Niebüller Bahnhof geschaffen werden können.

shz.de von
erstellt am 04.Jun.2016 | 05:00 Uhr

Die Lage gilt seit Jahren als angespannt: Pendler, die mit dem Rad zum Bahnhof kommen, müssen sich oft mühselig einen Stellplatz suchen. Die Abstellanlage ist speziell in der Saison regelmäßig überfüllt. Das hat Bürgermeister Wilfried Bockholt schon 2012 erkannt und damals den Bau eines Fahrradparkhaus angeregt. Es dauerte vier Jahre, bis das konkrete Projekt nun im Bauausschuss vorgestellt wurde. Pläne für 144 zusätzliche Fahrradstellplätze hatte Stadtplaner Arno Behnemann im Generalsverkehrsplan bereits im September 2014 vorgestellt, im Juli 2015 debattierten die Kommunalpolitiker über weitere Alternativlösungen, ohne dass diese jemals realisiert wurden. Nur der Bürgermeister ließ nicht locker. „Es ist schließlich mein Job, Anregungen zu geben.“

Auf Initiative von Wilfried Bockholt hat die Niebüller Architektin Bianca Paulsen ein zweigeschossiges Parkhaus für das heutige Gelände der alten Abstellanlage entworfen, das knapp 500 Rädern Platz bieten könnte. Das Konzept des offenen Zweckbaus basiert auf viel Transparenz, sodass niemand Angst haben muss, auch abends dort hineinzugehen. Angedacht sind Stellplätze für 40 Motorroller, abschließbare Boxen für Räder von Touristen, eine E-Bike-Ladestation, Platz für Bike-Sharing. Die Planung bedeutet eine Verbesserung der aktuellen Situation mit rund 230 Rad- und 30 Roller-Stellplätzen, verteilt auf mehrere Flächen. Besonderen Charme könnte die Finanzierung haben: Die vorgesehene Summe von 1,1 Millionen Euro minimiert sich für Niebüll auf 326  000 Euro durch die Förderung der landesweite Verkehrsservice Gesellschaft.

Die Mitglieder des Bauausschusses zeigten sich erst einmal überrascht vom Vorgehen des Bürgermeisters, der eigentlich nur seinen Job tut. „Es bleiben trotz der Förderung insgesamt Steuergelder“, betonte Bettina Sprengel. Die CDU-Vertreterin wies darauf hin, dass im Umfeld des Bahnhofs derzeit viele Planungen debattiert werden, die man erst einmal abwarten solle. Gemeint war damit unter anderem der GEWOBA-Neubau auf dem ehemaligen Silogelände und der Neubau auf dem Platz des ehemaligen Albertsen-Arzthauses. Aber auch die Querung des Bahnübergangs mit Brücke oder Tunnel steht diesen Sommer noch im Fokus.

Holger Jessen bewertete den Entwurf als passgenau und intelligente Lösung. Die Kosten machen ihm auch Bauchschmerzen. „Vielleicht lässt sich noch ein wenig sparen, indem man mit spitzem Bleistift rechnet.“ Der SPD-Politiker sieht den Bau im Zusammenhang mit dem SPD-Entwurf einer fußgänger- und fahrradfreundlichen Stadt Niebüll, der kürzlich in der Stadtvertretung angenommen wurde. Dort sind auch für die Innenstadt zentrale Abstellplätze mit Boxen für Räder vorgesehen. „Für Touristen eine gute Sache“, so Jessen, der als Einzelperson für die Realisierung ist. Der SSW schlug sich auf die Seite der Sparer. „Zu teuer“, befand Lorenz Jessen kurz und bündig.

Letztlich waren sich die Mitglieder des Ausschusses einig, das Projekt aktuell nicht voranzutreiben. Bürgermeister Wilfried Bockholt hatte zuvor noch für seine Initiative geworben. Halbherzigkeit bringe nichts, man müsse Fakten schaffen – und er ließ sich nicht von seinem Plan abbringen. So gab es jüngst zwar keinen Beschluss, das Thema kommt jedoch im Juli noch einmal in den Ausschuss. Bis dahin sollen mehr Fakten über die genaue Parkplatzsituation vor dem Albertsen-Haus vorliegen. „Es macht Sinn, das Projekt weiterzuverfolgen“, so Bockholt, „sicherlich können die Kosten gesenkt werden. Tatsache ist jedoch, dass der Fahrradverkehr immer mehr zunimmt. Dem können wir uns nicht verschließen.“ Und es seien vor allem die Sylt-Pendler, die als Radfahrer vorbildlich umweltfreundlich unterwegs sind.

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